DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

(Cyclophosphamid)

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Wirkstoff

Cyclophosphamid ist ein sehr starkes Zytostatikum – es hemmt das Zellwachstum und unterdrückt bestimmte Zellen des Immunsystems.

Handelsname

Endoxan®.

Indikation

Cyclophosphamid ist für die Therapie der MS nicht zugelassen. Es kann bei Einzelfällen im Sinne eines individuellen Heilversuchs zur Therapie einer besonders schweren schubförmig remittierenden MS (RRMS) mit (hoch-) aktivem Verlauf als Mittel der 2. Wahl eingesetzt werden, wenn alle anderen verlaufsmodifizierenden Therapien ausgeschöpft worden sind oder nicht eingesetzt werden können. In Einzelfällen kann eine Therapie mit Cyclophosphamid auch bei der sekundär chronisch progredientern MS (SPMS) erwogen werden.

Verabreichungsform

Cyclophosphamid gibt es als Infusionslösung und als Dragees. Eine wesentliche Einschränkung ist die Gesamtdosis, die ein Mensch während seines Lebens bekommen darf: Sie ist auf 100 g begrenzt. Die Dosis wird individuell angepasst, in aller Regel wird bei der MS eine Infusionstherapie durchgeführt.

Wirkweise

Cyclophosphamid unterdrückt das Immunsystem. Das Medikament kann möglicherweise den Verlauf der Krankheit stabilisieren. Die Studienlage zu Cyclophoshamid bei MS ist bisher eher dünn.

Nicht geeignet bei/für

schwerer Beeinträchtigung der Nierenfunktion, Abflussbehinderungen der ableitenden Harnwege, floriden Infektionen, schwere Blasenentzündung.

Nebenwirkungen

Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen, hämorrhagische Zystitis (schwere Blasenentzündung), Unfruchtbarkeit, bösartige Tumore, erhöhtes Infektionsrisiko.

Wissenswertes

Es gibt keinen eindeutigen Beleg für die Wirksamkeit von Cyclophosphamid bei der MS, doch scheinen Subgruppen von der Therapie – zumindest vorübergehend – zu profitieren. Die Multiple Sklerose Therapie Konsensusgruppe empfiehlt: Wegen der zum Teil erheblichen Nebenwirkungen der hohen Einmaldosis werden alternative Applikationsformen mit zum Beispiel 3 x täglichen Einzeldosen empfohlen. Entscheidend für die Durchführung dieser Therapie scheint es aber zu sein, dass sie in Abständen von vier bis sechs Wochen mit einer Dosierung um 600 mg/m2 Körperoberfläche durchgeführt wird. Die Dosis sollte der Veränderung der Gesamtleukozytenzahl angepasst und nur unter Aufsicht eines in der Chemotherapie erfahrenen Arztes in enger Zusammenarbeit mit einem MS-Zentrum durchgeführt werden.



Letzte Aktualisierung: 13.09.2017