DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Alemtuzumab

Vergleichen mit

Wirkstoff

Alemtuzumab ist ein zytotoxischer (zellschädigender) Wirkstoff und gehört zur Gruppe der humanisierten monoklonalen Antikörper. Der Wirkstoff wird gentechnologisch hergestellt.

Handelsname

Lemtrada®.

Indikation

Medikament zur verlaufsmodifizierenden Therapie erwachsener MS-Patienten mit (hoch-) aktiver Verlaufsform einer schubförmig remittierenden MS (RRMS). Die Aktivität der MS sollte durch klinische Befunde oder Bildgebung (MRT) definiert werden.

Verabreichungsform

Das Dosierungsschema für MS-Patienten umfasst zwei Behandlungsphasen: In der ersten Phase wird der Wirkstoff an fünf aufeinander folgenden Tagen als intravenöse Infusion verabreicht (12 mg pro Tag). In der zweiten Phase zwölf Monate später an drei aufeinander folgenden Tagen in gleicher Dosierung.

Wirkweise

Alemtuzumab führt zu einer verringerten Anzahl von Immunzellen (Lymphozyten), die maßgeblich an der Zerstörung der Myelinscheide beteiligt sind. Dazu bindet es an das CD52-Glykoprotein an der Zelloberfläche der Lymphozyten (B- und T-Zellen, Fresszellen) und führt zu einer Auflösung der Zellen. Dabei werden reaktiv Entzündungsstoffe während des Zelltods freigesetzt, weshalb zu den Infusionen begleitend Hochdosis – Cortison als Vorabinfusion verabreicht wird.

Nicht geeignet bei/für

Überempfindlichkeit/Allergie gegen den Wirkstoff, systemischen Infektionen, einer HIV-Infektion, nicht ausgeheilten bösartigen Krebserkrankungen, Schwangerschaft und Stillzeit. Vorsicht ist geboten bei: Personen unter 18 Jahren, Infekten durch Bakterien, Viren sowie Pilzen, einer signifikanten Infektionsneigung, verschiedenen Autoimmunerkrankungen, Blutgerinnungsstörungen, schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen.

Nebenwirkungen

Infusionsreaktionen wie Fieber und Hautausschlag, Verminderung von weißen Blutkörperchen (Lymphopenie und Leukopenie), Infektionen der oberen Atemwege und im Harnwegsbereich, Verdauungsstörungen und sekundäre Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, der Blutplättchen (immunthrombozytopenische Purpura, ITP) und der Niere. Deshalb sollte vor Beginn der Therapie eine umfassende Risikoabwägung erfolgen und eine Basisdiagnostik durchgeführt werden. Während der Behandlung und danach muss deshalb bis zu einem Zeitraum von 48 Monaten auf Blutungszeichen geachtet und in monatlichen Abständen Blutbild, Nierenwerte und Urin untersucht werden. Alle drei Monate müssen Schilddrüsenfunktionstests durchgeführt werden.

Wissenswertes

In klinischen Studien hatten mit Alemtuzumab behandelte Patienten weniger Schübe und eine geringere Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung der Behinderung als Patienten, denen dreimal wöchentlich 44 µg Interferon-beta-1a unter die Hautinjiziert wurde.

Monoklonale Antikörper
Antikörper, die von einer Zelllinie („Zellklon„) produziert werden, die auf einen einzigen B-Lymphozyten zurückgeht. Sie richten sich gegen ein bestimmtes, einzelnes Epitop (Molekülabschnitt eines Antigens, der eine spezifische Immunreaktion auslösen kann).



Letzte Aktualisierung: 13.09.2017