DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Glatiramerazetat

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Wirkstoff

Glatiramerazetat (GLAT) ist ein synthetisches Eiweißmolekül, das Ähnlichkeit mit Bestandteilen der Nervenisolierschicht Myelin hat.

Handelsname

Copaxone®.

Indikation

GLAT ist sowohl für Patienten mit einer schubförmigen MS (RR-MS) als auch für solche mit einem sog. klinisch isolierten Syndrom (CIS) und einem hohen Risiko, eine klinisch gesicherte MS zu entwickeln, zugelassen. Bei der RR-MS wird es für die milde/moderate Verlaufsform empfohlen.

Verabreichungsform

GLAT wird jeden Tag unter die Haut injiziert (subkutan, s.c.). Das Präparat kann sich der Patient nach entsprechender Schulung selbst verabreichen.
Seit dem 1. April 2015 steht auch eine höhere Dosierung des Wirkstoffs zur dreimal wöchentlichen Anwendung für erwachsene Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose (RRMS) zur Verfügung.

Wirkweise

Glatiramerazetat greift regulierend ins (fehlgesteuerte) Immunsystem ein. Seine Wirkweise ist nicht vollständig geklärt. Es blockiert aggressive Immunzellen (T-Lymphozyten), schützt das Myelin und regt die Bildung von Faktoren an, die das Nervenwachstum fördern.

Nicht geeignet bei/für

Kinder unter 12 Jahren, Schwangerschaft, Stillzeit, Überempfindlichkeit/Allergie gegenüber der Substanz oder Mannitol. Vorsicht ist geboten bei eingeschränkter Nierenfunktion.

Nebenwirkungen

Es treten kaum relevante systemische Nebenwirkungen auf, dafür kommt es häufiger zu stärkeren Reizerscheinungen bis hin zur Abnahme von Fettgewebe an der Einstichstelle (Dellenbildung = Lipatrophie). Bei einigen Patienten tritt eine ungefährliche, aber bedrohlich wirkende Reaktion auf: Die sogenannte „sofortige Postinjektionsreaktion“ äußert sich in Herzrasen, Atemnot, Druckgefühl und Schweißausbruch. Sie dauert 30 Sekunden bis längstens 30 Minuten und klingt von allein wieder ab. Meist tritt sie bei ein und demselben Patienten nur einmal auf, kann sich aber im Einzelfall auch wiederholen.

Wissenswertes

GLAT wurde ursprünglich entwickelt, um eine MS-ähnliche Erkrankung im Tiermodell auszulösen. Es zeigte sich aber schnell, dass es die Erkrankung im Gegensatz zu der erwarteten Reaktion abschwächen konnte. Eine Verzögerung der Progression konnte bisher nicht nachgewiesen werden.



Letzte Aktualisierung: 13.09.2017