DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Natalizumab

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Wirkstoff

Natalizumab ist ein monoklonaler Antikörper. Dies sind im Labor produzierte Eiweißstoffe, die ganz bestimmte Eiweißstrukturen im Körper erkennen.

Handelsname

Tysabri®.

Indikation

Natalizumab ist zur verlaufsmodifizierenden Therapie der schubförmig remittierenden MS (RRMS) bei Erwachsenen zugelassen, wenn mit Beta-Interferonen oder Glatiramerazetat noch Krankheitsschübe auftreten und mehr als 9 Herde in der MRT nachweisbar sind. Natalizumab kann auch zur Ersttherapie der MS eingesetzt werden, wenn die Erkrankung sehr aktiv verläuft.

Verabreichungsform

Natalizumab wird monatlich als Infusion verabreicht; dies dauert rund eine Stunde. Danach ist noch eine Nachbeobachtung für eine weitere Stunde notwendig.

Wirkweise

Natalizumab wirkt an der Blut-Hirn-Schranke: Der Antikörper verhindert, dass sich T-Lymphozyten (T-Zellen) im Gehirn an die Innenwand von Blutgefäßen heften und ins Gehirn übertreten. Zwei große Studien haben gezeigt, dass Natalizumab die Schubrate erheblich verringern und das Fortschreiten der MS verlangsamen kann.

Nicht geeignet bei/für

Personen unter 18 Jahren, Überempfindlichkeit/Allergie gegen den Wirkstoff, systemischen Pilzinfektionen innerhalb der vorangegangenen sechs Monate, progressiver multifokaler Leukenzephalopathie (PML), HIV-Infektion, einigen Infektionen (z.B. Tbc, Herpes etc). Es ist sehr wichtig, Risiken bei Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit abzuschätzen.
Wenn MS-Erkrankte, die für die Therapie mit Natalizumab infrage kommen, vorher bereits mit einem anderen Medikament behandelt wurden, müssen Auswaschphasen/Karenzzeiten abhängig von der Vormedikation eingehalten werden.Dasselbe gilt nach Absetzen der Natalizumab Therapie und Umstellung auf eine andere Behandlung.

Nebenwirkungen

Kopfschmerzen, Fatigue, Harnwegsinfekte, Depression, Infektionen.

Kopfschmerzen, Fatigue, Harnwegsinfekte, Depression, Infektionen.
Die Anwendung von Natalizumab ist mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer PML assoziiert. Das Risiko einer PML steigt mit zunehmender Behandlungsdauer an. Zusätzlich erhöht sich das Risiko durch vorherige Behandlung mit einem Immunsuppressivum.

Wissenswertes

In der MS-Therapie mit Natalizumab sind – sowohl in Kombinationstherapie (Interferon-beta-1a und Immunsuppressivum) als auch in Monotherapie – einige schwere PML-Fälle aufgetreten. Die Multiple Sklerose Therapie Konsensugruppe (MSTKG) hat Natalizumab in ihr Stufenschema der immunmodulatorischen Therapie aufgenommen, da viele MS-Patienten, bei denen andere Therapien versagt hatten, im Alltag stabilisiert werden. Sie appelliert aber an alle Ärzte und Patienten, für einen äußerst sorgfältigen Umgang mit Natalizumab zu sorgen, einen ausreichenden Sicherheitsabstand zu immunsuppressiven Vorbehandlungen einzuhalten und eine engmaschige Überwachung der Therapie mit detaillierter Dokumentation durchzuführen. Die Gabe von Natalizumab erfordert sowohl bei Therapiebeginn als auch während der Therapie besondere Sorgfalt und Erfahrung, um den Patienten vor den Folgen der möglichen schweren Nebenwirkung PML adäquat zu schützen. Natalizumab sollte nicht bei Patienten mit schon überwiegend schleichendem, also primär chronisch-progredientem und sekundär chronisch-progredientem Krankheitsverlauf verordnet werden. Da das PML-Risiko nach 2 Jahren deutlich erhöht ist, muss nach dieser Behandlungszeit die Fortführung der Therapie neu mit dem/der Patienten/in besprochen werden.



Letzte Aktualisierung: 13.09.2017