DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Störungen der Sexualität bei MS

Störungen der Sexualität bei MS

Störungen der Sexualität bei MS

Sexuelle Störungen kommen bei MS oft vor, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Sie können eine direkte Folge der MS sein – Ursache sind meist Schädigungen des Rückenmarks – oder aber sekundär auftreten als Folge anderer MS-Symptome (zum Beispiel Spastik, Muskelschwäche, Fatigue, Blasenstörungen). Psychische Probleme und Partnerschaftskonflikte aufgrund der MS belasten zusätzlich.
Männer leiden in der Regel unter der sogenannten erektilen Dysfunktion, der nicht ausreichenden Steifheit des Penis. Auch die Ejakulationsfähigkeit kann herabgesetzt sein.
Frauen klagen oft über Empfindungsstörungen und Schmerzen im Genitalbereich.

Therapieziele

Ein erfülltes Sexualleben und damit eine Steigerung des Selbstbewusstseins und der Lebensfreude.

Nicht-medikamentöse Therapie

Gesprächs- und Paartherapien, um partnerschaftliche Konflikte zu lösen, falsche Erwartungen zu korrigieren, Ängste abzubauen.

Medikamentöse Therapie

Regelmäßig eingenommene Medikamente, die sexuelle Funktionen negativ beeinflussen (darunter zum Beispiel Psychopharmaka, blutdrucksenkende Mittel) können überprüft und eventuell ausgetauscht werden.
MS-Symptome, die eine erfüllte Sexualität behindern – zum Beispiel Spastik und Blasenstörungen – müssen konsequent behandelt werden.
Bei Empfindungsstörungen von Frauen kann ein Behandlungsversuch mit einem Hormonpräparat (zum Beispiel Tibolon, Handelsname Liviella®) gemacht werden.
Die erektile Dysfunktion wird mit Phosphodiesterase-Hemmern behandelt. Dazu zählen die Wirkstoffe Sildenafil (Viagra®), Vardenafil (Levitra®) und Tadalafil (Cialis®). Tadalafil wirkt verzögert, aber kann bis zu 48 Stunden die Wirkung aufrechterhalten. Bei psychisch bedingter erektiler Dysfunktion kann Yohimbin (zum Beispiel Yocon-Glenwood®, Yohimbin) versucht werden.

Verabreichungsform

Tibolon: Tabletten.
Phosphodiesterase-Hemmer: Tabletten.
Yohimbin: Tabletten.

Gegenanzeigen

Tibolon: Überempfindlichkeit gegen Östrogene oder Gestagene, Lebererkrankungen, Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln in venösen Blutgefäßen, Störungen der Blutgerinnung, Lungenembolie, arterielle Durchblutungsstörungen, vorangegangene Schlaganfälle oder Herzinfarkte. Wichtig: Darf nicht während der Schwangerschaft angewandt werden.
Phosphodiesterase-Hemmer: Erkrankung der Herzkranzgefäße, frische Herz- und Hirninfarkte, Einnahme bestimmter Herzmittel.
Yohimbin: ausgeprägt niedriger Blutdruck, alle Erkrankungen, bei denen ein plötzlicher Blutdruckabfall oder eine Herzschlagbeschleunigung gefährlich sind.

Wirkweise

Tibolon ist ein künstlich hergestellter Abkömmling des Hormons Testosteron, der einen Mangel an Sexualhormonen ausgleichen soll.
Phosphodiesterase-Hemmer fördern die Durchblutung der Schwellkörper des Penis, so dass eine Erektion entstehen kann.
Yohimbin wird aus der getrockneten Rinde des tropischen Baumes Pausinystalis johimbe gewonnen und wirkt auf das vegetative Nervensystem. Die genaue Wirkweise gegen erektile Dysfunktion ist nicht erforscht.

Nebenwirkungen

Tibolon: vaginale Blutungen, Ausfluss, Unterleibsschmerzen, Gewichtszunahme, Spannungsgefühl in der Brust, Juckreiz im Genitalbereich, Scheidenentzündungen, Zunahme der Körperbehaarung.
Phosphodiesterase-Hemmer: Kopfschmerzen, Gesichtsrötung, trockene Nase, Sehstörung, Schwindel, Verdauungsstörung.
Yohimbin: Übelkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall.

Wichtig

Tibolon: Während der Einnahme des Medikaments sind regelmäßige Untersuchungen beim Frauenarzt notwendig. Bei Brustkrebs in der Vorgeschichte oder Verdacht auf Brustkrebs darf das Medikment nicht angewendet werden.
Yohimbin kann die Wirkung von blutdrucksenkenden Substanzen abschwächen und die Wirkung von Antidepressiva verstärken.

Letzte Aktualisierung: 14.11.2017 18:10