DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Der Zusammenhang zwischen MS und Sport

MS und Sport Einführung

Der Zusammenhang zwischen MS und Sport

Warum wurde Menschen mit MS lange von Sport abgeraten? Früher erhielten MS-Erkrankte häufig den Rat, sich zu schonen und bekamen Bettruhe statt Bewegung verordnet. Die Mediziner waren damals der Meinung, dass sich körperliche Erschöpfung negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken würde.

Grund dafür ist vermutlich die Besonderheit der MS, dass sich ihre Symptome bei erhöhter Körpertemperatur vorübergehend verschlimmern können. Diese Beobachtung führte häufig dazu, dass MS-Erkrankten von Sport abgeraten wurde. Heute weiß man, dass die Symptome des Uhthoff-Phänomens – die sich meist innerhalb von 30 Minuten bis circa zwei Stunden wieder zurückbilden – letztlich ungefährlich sind. Sie sind zwar lästig, aber kein Grund auf die positiven Effekte von Sport zu verzichten. Bei entsprechenden allgemeinen gesundheitlichen Voraussetzungen wie einem stabilen Herz-Kreislauf-System, guter Lungenfunktion und orthopädischer Gesundheit, können Menschen mit MS sich vielfältig körperlich belasten und Sport treiben – selbstverständlich sollte dabei immer die individuelle Symptomatik berücksichtigt werden.

Krankheitsbewältigung mit Sport

Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen zeigen, dass die gesundheitlichen Wirkungen von Bewegung und Training bei Multipler Sklerose gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Sie sollten fester Bestandteil des Alltags jedes MS-Erkrankten sein, nicht zuletzt, weil sie auch Wohlbefinden und Selbstvertrauen steigern und Depressionen mildern beziehungsweise vorbeugen können. Diese Effekte helfen auch bei der Krankheitsbewältigung.

Erlanger Studie MS-int@kt

Diese Studie (internetbetreute Aktivierung zu körperlichem Training bei Personen mit Multipler Sklerose) lief von 2009 bis 2011 am Institut für Sportwissenschaft und Sport der Universität Erlangen und am Caritas- Krankenhaus Bad Mergentheim. Unter der Federführung von Dr. Alexander Tallner und Prof. Dr. med. Mathias Mäurer nahmen 126 Personen mit MS daran teil. Die Hälfte von ihnen trainierte sechs Monate nach dem Internet-Trainingsprogramm „e-Training“, die andere Hälfte nur die letzten drei Monate. Das erste Ergebnis nach drei Monaten dokumentierte bei der aktiven Gruppe eine deutliche Verbesserung unter anderem bei Beinkraft und Lungenfunktion. Die Teilnehmerbefragung nach sechs Monaten zeigte eine positivere Einstellung zu körperlicher Aktivität und den Wunsch, sportlich aktiv zu bleiben. Mittlerweile kann das Trainingsangebot auch außerhalb von Studien wahrgenommen werden und wird von einigen Krankenkassen bezuschusst. Weitere Infos unter www.ms-intakt.de. Das Erlanger Institut betreut derzeit zwei weitere Studien mit MS-Erkrankten, um die Wirkung des e-Trainings auf die Fatigue zu erforschen.

Neueste medizinische Aspekte und Studienergebnisse

Seit 1996 sind in wachsender Zahl die Ergebnisse von Studien veröffentlicht worden, die die Folgen regelmäßiger Bewegung für MS-Erkrankte untersucht haben. Der Grundton ist eindeutig: Sport hat einen positiven Einfluss auf MS-Symptome, und es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität den Krankheitsverlauf negativ beeinflusst. Allerdings weisen bisherige Studien noch viele methodische Mängel auf, so dass weiterer Forschungsbedarf besteht, um den Zusammenhang zwischen Bewegung und ihrer Wirkung auf die Multiple Sklerose fundierter zu belegen. Der Tenor wissenschaftlicher Untersuchungen weist jedoch bereits deutlich auf die Wirksamkeit von Sport und Bewegung bei Menschen mit MS hin. So zeigt eine Zusammenfassung mehrerer wissenschaftlicher Untersuchungen von Erin M. Snook und weiteren Autoren, dass regelmäßiges Training mit einer Verbesserung der Gehfähigkeit einhergeht und zwar in einem Maße, das in etwa der Effektivität einer medikamentösen Therapie entspricht. In mehreren Studien erreichten die Teilnehmer durch Training eine deutliche Verbesserung in Bezug auf Ausdauer, Leistungsfähigkeit, Muskelkraft, Gleichgewicht, Mobilität, Fatigue, Gesundheitswahrnehmung und Lebensqualität. Auch Depressionen, ein häufiges Begleitsymptom der MS, wirkt Sport erfolgreich entgegen. Es bestehen sogar erste Anhaltspunkte, dass körperliche Aktivität bei MS-Patienten die Bildung von Nervenzellen (Neurogenese) unterstützt und Lernprozesse im Zentralen Nervensystem fördert. So wurde in einer Studie entdeckt, dass körperliche Fitness dazu beiträgt, die kognitiven Fähigkeiten bei MS-Erkrankten zu erhalten. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass durch Training bei MS vermehrt entzündungshemmende Botenstoffe produziert werden, die wiederum die Krankheitsaktivität mildern. könnten. Diese – sehr verlockenden – Schlussfolgerungen sind allerdings (noch) spekulativ.

Bewegungs-Tipps

  • Versuchen Sie, sich insgesamt mindestens 20 bis 60 Minuten pro Tag zu bewegen, entweder als komplette Sporteinheit oder in über den Tag verteilten Bewegungssequenzen von je 8 bis 10 Minuten.
  • Halten Sie die Intensität Ihrer Aktivität moderat und überanstrengen Sie sich nicht.
  • Führen Sie das Training regelmäßig und über einen längeren Zeitraum durch. Bereits acht Wochen Pause machen die zuvor erreichten Erfolge zunichte.
Letzte Aktualisierung: 14.11.2017 18:10