DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Positive Effekte von Sport auf MS-Erkrankte und häufige Symptome

MS und Sport Einführung

Positive Effekte von Sport auf MS-Erkrankte und häufige Symptome

Spastik

Spastik beschreibt den Zustand eines erhöhten Muskeltonus aufgrund derSchädigung übergeordneter Kontrollzentren. Dieses Symptom der Multiplen Sklerose führt über die Versteifung der Muskulatur zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Sehnen und Muskeln können sich dauerhaft verkürzen. Passives und aktives Bewegen sowie bewusstes Stehen wirken diesem Umstand entgegen. Empfehlenswert sind vor allem Wassersport sowie geführte und unterstützte Bewegungen entweder mit Hilfe eines Therapeuten oder mit speziellen Geräten, sogenannten Bewegungstrainern. Diese motorisierten Ergometer ermöglichen ein passives Bewegen von Armen und Beinen. Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für
Neurologie Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose aus dem Jahr 2014 empfiehlt bei Spastik ausdrücklich aktives Training, zum Beispiel auf dem Laufband.

Fatigue

Die abnorme Ermüdbarkeit und Erschöpfung bei körperlicher oder geistiger Aktivität ist eines der MS-Symptome, das die Lebensqualität dauerhaft und deutlich beeinträchtigt. Von Fatigue Betroffene müssen gegebenenfalls
ausreichende Pausen in ihren Alltag einbauen, sollten sich aber auch körperlich betätigen! Bewegungsmangel führt dazu, dass sich die Fatigue verschlimmert. Wichtig ist die Erkenntnis, dass eine leichte "Ermüdung" beim Training durchaus gewollt und notwendig ist, um Trainingserfolge zu erreichen. Das Aufraffen zum Sport wirkt also der Fatigue entgegen! Wie im Alltag sollten Sie allerdings auch beim Sport Pausen machen. Dann können Sie in der Summe mehr leisten und müssen sich nicht verausgaben. Hilfreich ist eine sportliche Betätigung, die in ihrer Intensität die eventuell verminderte Leistungsfähigkeit berücksichtigt. Mit regelmäßigem Ausdauertraining verbessern Sie Ihre maximale Sauerstoffaufnahme und die Lungenfunktion und damit deutlich Ihr subjektives Wohlbefinden. Der Aufenthalt an der frischen Luft unterstützt das noch zusätzlich. Geeignet sind Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren; aber
auch Kräftigungstraining hilft gegen die Fatigue.

Schwächung der Muskulatur

Durch entzündliche Läsionen im motorischen System haben Menschen mit MS oft eine reduzierte Maximalkraft (größtmögliche Kraft, die die Muskeln gegen einen Widerstand ausüben können), Kraftausdauer (Fähigkeit, über
längere Zeit hohe Kraft zu leisten) oder Schnellkraft (Fähigkeit, in bestimmter Zeit einen möglichst großen Impuls zu erzeugen). Betroffen sind häufig die unteren Extremitäten. Das Problem besteht oft darin, dass der Kraftverlust zu Bewegungsarmut und damit zu weiterem Muskelabbau führt – auf diese Weise treten MS-Erkrankte oft in einen Teufelskreis ein. Lassen Sie sich daher nicht entmutigen, sondern beginnen Sie mit einem leichten Kräftigungstraining, zum Beispiel Gerätetraining im Fitnessstudio oder auch gymnastischen Übungen zu Hause. Wenn Sie dies regelmäßig durchführen, hilft es, Kraft aufzubauen und zu erhalten und so dem Teufelskreis zu entkommen.

Ataxie

MS-Erkrankte, die von Ataxie betroffen sind, leiden unter Störungen der Bewegungskoordination, zum Beispiel beim Gehen, Schreiben oder Essen. Sie taumeln, schwanken oder haben Schwindelgefühle. Aus Angst oder Scham vermeiden viele MS-Erkrankte dann zunehmend, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen. Hier hilft es, bewusst rhythmische und langsame Bewegungen zu trainieren. Bewegungslehren wie Tai Chi, Yoga oder Qi Gong leisten dazu gute Dienste. Lassen Sie sich von Ihrem Physiotherapeuten oder Trainer Übungen für Koordination und Gleichgewicht zeigen, die darauf abzielen, den Körperschwerpunkt bewusst zu verlagern und zu kontrollieren. Auch Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training können helfen, die Beschwerden zu mildern.

Psychologische Aspekte

Wer regelmäßig Sport treibt, kennt das Phänomen: Es fällt oft schwer, sich zum Training aufzuraffen. Allzu verlockend scheint der Abend auf dem Sofa. Aber nach dem Sport fühlt man sich gut und ist dankbar für die positiven Effekte. Regelmäßige Bewegung steigert das Selbstwertgefühl und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Sie werden merken, dass Sie Stress leichter verarbeiten und besser mit den Schwierigkeiten des Alltags umgehen können. Sport macht Spaß, fördert die gute Laune, stärkt die Vitalität und lässt Sie gelegentlich sogar die Zeit vergessen. Das wirkt sich auch positiv auf Ihren Umgang mit der MS aus.

Soziale Aspekte

MS-Erkrankte – vor allem jene mit stärkerer Symptomatik – ziehen sich häufig aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Das beeinträchtigt die Lebensqualität und verstärkt psychische Symptome wie zum Beispiel Depressionen. Wer Sport treibt, orientiert sich wieder nach außen. Gerade beim Sport in der Gruppe können MS-Erkrankte neue Kontakte knüpfen. Der Spaß am gemeinsamen Tun steht im Vordergrund und die Unterstützung durch andere motiviert. Wenn Sie mit anderen Menschen ein gemeinsames Hobby teilen, beschäftigen Sie sich nicht nur mit Ihrer Krankheit, sondern nehmen am gesellschaftlichen Leben teil. Ob im Sportverein, mit Freunden, in der Rollstuhlsportgruppe oder im Club: Gemeinsame Bewegung macht glücklich!

Letzte Aktualisierung: 14.11.2017 18:10