DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Vorstellung geeigneter Sportarten

MS und Sport Einführung

Vorstellung geeigneter Sportarten

Wir stellen hier eine Auswahl an Sportarten in alphabetischer Reihenfolge vor. Jeder Abschnitt beleuchtet das, was den Sport ausmacht und jene Aspekte, die speziell für Menschen mit Multipler Sklerose relevant sind.

Aqua-Gymnastik

Mit einer großen Bandbreite an Übungen kräftigt und mobilisiert Aqua Gymnastik den Körper. Darüber hinaus ist sie ein effektives Herz-Kreislauf-
Training. Nach Bedarf werden Trainingsgeräte wie Schwimmnudeln, Wasserhanteln oder Schwimmteller eingesetzt. Diese Hilfsmittel können den Wasserwiderstand erhöhen und somit zu einem stärkeren Kräftigungseffekt
führen. Sie dienen aber auch zur Entlastung einzelner Körperpartien, wenn Sie beispielsweise den Oberkörper in eine Schwimmnudel einhängen. MS-Erkrankte können mit Aqua-Gymnastik speziell ihr Gangmuster und ihre Ausdauer verbessern. Geschwächte Muskeln lassen sich gezielt trainieren und dehnen, etwa die Bein- und Rumpfmuskulatur. Aqua-Gymnastik macht vor allem in der Gruppe und mit Musikuntermalung viel Spaß.

Bewegungslehren

Wer den hohen Anforderungen im Alltag und Beruf etwas entgegensetzen und Körper und Seele etwas Gutes tun möchte, könnte mit einer der folgenden Entspannungs- und Bewegungslehren auf dem richtigen Weg sein. So unterschiedlichen Ursprungs sie auch sind, haben sie doch einiges gemeinsam: Sie stärken das innere Gleichgewicht, erhöhen die Körperwahrnehmung und können MS-Symptome wie Spastik, Depressionen
oder Fatigue lindern. Auf sanfte Weise fördern sie, ohne zu überfordern. Daher sind sie auch für Menschen mit stärkeren Einschränkungen geeignet. Jede Methode hat ihren eigenen Weg, um die Möglichkeiten des Körpers
positiv zu beeinflussen sowie Beweglichkeit, Selbstvertrauen und Lebensfreude zu stärken. Das hilft, eigene Kraftquellen zu entdecken und mit den Schwierigkeiten des Alltags besser zurecht zu kommen. MS-Erkrankte, die sich für eines der Konzepte interessieren, sollten sich im Vorfeld gründlich darüber informieren und gegebenenfalls eine Probestunde nehmen, denn die
Ansätze sind sehr vielfältig, mit eigener Ausprägung und unterschiedlichen Anforderungen an den Übenden.

Eutonie

"Wohlspannung" heißt Eutonie übersetzt – eine Methode, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt und auf dem Wechselspiel zwischen Nervensystem, Skelett und Muskulatur basiert. Sie schult Körperbewusstsein, Bewegungsfähigkeit, Konzentration und das Gedächtnis. MS-Erkrankte lernen, die eigene Körperspannung flexibel der jeweiligen Situation anzupassen und optimale Bewegungsabläufe zu entwickeln.

Feldenkrais

Das ganzheitliche Bewegungskonzept lehrt die intensive Wahrnehmung von Körper und Geist. Es beinhaltet aktiv-passiv Übungen, die bei MS-Erkrankten die Bewegungsqualität verbessern können. Sie lernen, dem eigenen
Körper zu vertrauen und seine Bewegung flexibel an die jeweilige Situation anzupassen. Feldenkrais fördert Stabilität und Aktivität durch eine verbesserte Körperwahrnehmung und eine ökonomische Bewegungsweise.

Qigong

Diese alte chinesische Meditations-, Konzentrationsund Bewegungsform fördert und erhält Gesundheit und Wohlbefinden. Qigong erweitert die Beweglichkeit, wirkt positiv auf die Stimmung, erhöht die körperliche Aufmerksamkeit und hilft, den Alltag gelassener zu bewältigen.
Qigong-Übungen sind eine harmonische Verbindung von Atem, Vorstellungskraft und Bewegung, mit dem Ziel, die Lebensenergie Qi zu aktivieren.

Tai Chi

Das chinesische "Schattenboxen" diente früher zur Selbstverteidigung, heute überwiegend zur Entspannung und Körperbeherrschung. Es wird häufig als zusätzlicher Therapieansatz bei chronischen Erkrankungen wie MS empfohlen. Die langsamen, harmonischen und fließenden Bewegungsabläufe wirken positiv auf Gleichgewicht und Koordination. Sie stärken Rumpf-, Rücken- und Haltemuskulatur, vermindern Spastik und verbessern die Atmung.

Yoga

Entstanden aus einer indischen Tradition, verbindet Yoga Atmung und Bewegung mit dem Ziel, eine ganzheitliche Entspannung zu erreichen sowie Körper und Geist in Einklang zu bringen. Die Bewegungs- und Haltungsübungen können sanft, aber auch fordernd sein. Zu den positiven
Effekten zählen eine Verbesserung der Atmung, Stressabbau, erhöhte Koordination und Beweglichkeit, allgemeine Kräftigung und ein Training der gesamten Muskulatur.

Fitness/Aerobic

Aerobic ist ein dynamisches Ganzkörpertraining in der Gruppe mit rhythmischen Bewegungen zu schneller Musik. Ein Trainer führt die in einer Choreografie zusammengestellten Übungen vor, die hauptsächlich
Ausdauer und Koordination trainieren. Puls- und Atemfrequenz beschleunigen sich und das Herz-Kreislauf- System wird gestärkt. Weil Arme und Beine gleichzeitig bewegt werden, schulen MS-Erkrankte auch Gleichgewicht
und Konzentration. Bei eingeschränkter Bewegungsfähigkeit oder Fatigue sollten sie ihre Trainingseinheiten in mehrere kürzere Sequenzen aufteilen.

Gerätetraining

Gerätetraining im Fitnessstudio kann entweder als reines Fitness- und Krafttraining durchgeführt werden oder als medizinische Trainingstherapie.
Die Geräte sind individuell einstellbar und ermöglichen es, die Leistungsfähigkeit auf vielen Ebenen zu steigern. Ob Laufband, Ergometer oder Seilzug – trainiert werden vor allem Ausdauer, Koordination, Kraft und
Gleichgewicht.

Der Vorteil ist, dass in guten Studios immer Trainer vor
Ort sind, die auf Wunsch mit den Mitgliedern gemeinsam Trainingspläne aufstellen und die korrekte Ausführung der Übungen erklären. MS-Erkrankte mit schwerer Symptomatik können am motorunterstützten Bewegungstrainer Oberkörper, Beine und Arme bewegen und lockern und ihre Beweglichkeit verbessern (siehe Broschüre Gerätetraining und Klettern, 2012).

Golf

Wer Sport und Ausgleich an der frischen Luft vereinen möchte, findet dieses beim Golfen. Auf dem Golfplatz muss der Spieler einen Ball mit möglichst
wenigen Schlägen in ein Loch spielen, wobei verschiedene Golfschläger zum Einsatz kommen. Positiver Aspekt für MS-Erkrankte: Sie können ausdauernd gehen ohne Zeitdruck. Bei Gehschwierigkeiten kann der Golfwagen
(Caddy) eine sinnvolle Unterstützung sein. Golf spielen schult Konzentration und Ausdauer sowie die Hand-Auge-Koordination. Während des Bewegungsablaufes trainieren Golfspieler ihre Rumpf- und Armmuskulatur
und üben die Koordination des gesamten Körpers.

Gymnastik

Wer beweglich bleiben will, muss sich bewegen. Eine Möglichkeit, den Körper regelmäßig zu trainieren, ohne dabei die Gelenke zu überfordern, ist Gymnastik. Unter dem Begriff Gymnastik sind verschiedene
Dehnungs- und Kräftigungsübungen zusammengefasst, die der Erhaltung und Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie der Verletzungsprophylaxe dienen. Diese können unter anderem die Wirbelsäule mobilisieren, die Muskulatur stärken, den Gleichgewichtssinn schulen und die Elastizität erhöhen.

Gymnastik kann in jedem Alter und körperlichen Zustand betrieben werden, da die Belastungen einzelner Übungen gut steuerbar sind. Durch die enorme Bandbreite an Bewegungsmöglichkeiten ist Gymnastik für MS-Erkrankte besonders gut geeignet, um die Beweglichkeit zu erhalten,
Körperkontrolle zu entwickeln sowie Koordination, Kraft und Ausdauer zu trainieren. Einzelne Einheiten lassen sich gut zwischendurch in den Alltag einbauen. Schon zehn bis fünfzehn Minuten täglich genügen.

Kampfsport

Asiatische Kampfsportarten wie Taekwondo, Karate, Aikido, Judo, Kung Fu
oder Jiu-Jitsu blicken auf eine lange Tradition zurück. So verschieden die Namen auch sein mögen, so einheitlich ist der Grundgedanke dieser Sportarten: Es geht vorwiegend um die waffenlose Selbstverteidigung durch Einsatz des eigenen Körpers. Durch blitzschnelle Aktionen
weicht man einem Angreifer aus und lenkt die Kraft des Gegners gegen ihn selbst. Als Verteidigungsmittel dienen die bloßen Hände und Füße sowie spezielle Wurf-, Griff-, Tritt-, Schlag- und Stoßtechniken. Dabei werden
alle Muskelgruppen des Körpers trainiert. Kampfsport hält nicht nur Körper und Geist fit, sondern baut Stress ab und Selbstbewusstsein auf. Er fördert
durch präzise Bewegungsabläufe neben Körperbeherrschung, Konzentration, Reaktion und Gleichgewicht auch die Beweglichkeit. Qualitäten, die auch für MS-Erkrankte einen hohen Stellenwert haben. Da die Techniken schnell
und kraftvoll ausgeführt werden müssen, ist Kampfsport in der Regel jedoch eher für Menschen mit geringer MS-Symptomatik geeignet. Eine fachliche Ausbildung gibt es in Vereinen, Kursen oder Kampfsportschulen.

Kanufahren/Paddeln

Kanufahren ist ein facettenreicher Sport für Jung und Alt. Je nach Vorliebe und persönlichem Wohlbefinden kann man beim Paddeln das Naturerlebnis
oder die sportliche Leistung in den Vordergrund stellen. Ob auf einem See, auf kleinen Flüssen, im Wildwasser oder auf dem Meer – vom Wasser aus eröffnen sich ganz neue Perspektiven auf Landschaft und Umgebung.
Grundsätzlich wird beim Kanufahren zwischen zwei Bewegungsformen unterschieden: das gleichmäßige Paddeln mit einem Doppelpaddel im Kajak sowie das einseitige Paddeln mit dem Stechpaddel im Kanadier oder Drachenboot.

Paddeln schult Gleichgewichtssinn sowie Koordination und trainiert vor allem die Rumpf- und Armmuskulatur. Durch die Wahl der entsprechenden Technik und des individuellen Tempos kann die Belastung relativ gut gesteuert
werden. In Zweier- oder Mannschaftskanus wird Paddeln zu einem Gemeinschaftserlebnis.

Für MS-Erkrankte, die sich in der freien Natur bewegen möchten, ist Kanufahren ein idealer Sport, da sie sich je nach Leistungsvermögen fit halten können. Durch die Schulung des Gleichgewichts und die rhythmischen Bewegungsabläufe können Symptome wie Spastik oder Ataxie abgeschwächt werden.

Klettern

Klettern ist ein effektives Ganzkörpertraining, das Kraft und Ausdauer erhöht und das Selbstvertrauen stärkt. Regelmäßiges Training am Fels oder in der Halle aktiviert ein komplexes Bewegungsmuster, das abwechselnd statische und dynamische Muskelarbeit erfordert und die Arm-Bein-Koordination fördert.

Grundsätzlich kann jeder MS-Erkrankte klettern, solange er die Beine noch geringgradig bewegen kann und noch etwas Kraft in den Armen hat. Neben dem sportlichen Klettern im Freien, in Klettergärten oder -hallen, können
MS-Erkrankte auch besonders beim therapeutischen Klettern Erfolge erzielen. An einer Holzwand, an der spezielle Haltegriffe angebracht sind, können die Teilnehmer einzelne Bewegungsabläufe knapp über dem Boden mit Hilfe eines Therapeuten trainieren. Das Sicherungsseil dient dabei nicht nur der reinen Sicherheit, sondern ist auch eine Kletterhilfe. Schwer betroffene MS-Erkrankte können ein Gewichtsentlastungssystem mit Gurt einsetzen, um zusätzlich Sicherheit zu erhalten. So kann symptomspezifisch gearbeitet werden. Wer sportlich klettert, benötigt einen Partner zum Sichern. Häufig schließen Interessierte sich zu Klettergruppen zusammen und profitieren,
neben dem sportlichen Erfolg, auch von der Gemeinschaft. Auf der Internetseite www.ms-ontherocks.de gibt es ein Verzeichnis von Klettergruppen in Deutschland.

Laufen/Joggen

Mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland halten sich mit dem Volkssport Nummer eins fit: dem Laufen. Sind die Sportschuhe geschnürt,
geht es für viele Hobby-Sportler auf die Lieblingsstrecke im Wald oder um den See. Dabei werden neben dem Herz-Kreislauf-System auch die Ausdauer und die physische Leistung des Körpers trainiert. MS-Erkrankte berichten davon, dass Joggen ihnen geholfen hat, die Fatigue zu bekämpfen. Joggen auf Waldwegen ist abwechslungsreicher und gelenkschonender, aber durch etwaige Unebenheiten und Steine auch anspruchsvoller für das Gleichgewicht. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann auf asphaltierten Wegen beginnen. Gemeinsames Joggen in Laufgruppen macht besonders viel Spaß und führt zu neuen Bekanntschaften.

Nordic Walking

Nordic Walking ist ein gesundheitsorientiertes Ausdauertraining, das auf schonende Weise viele Muskelgruppen des Körpers aktiviert. Das
zügige Gehen mit zwei Stöcken fördert die Beweglichkeit von Schultergürtel und Brustkorb, trainiert die Gehfähigkeit, das Gleichgewicht sowie das Herz-Kreislauf-System und kräftig die Arm- und Rumpfmuskulatur. Nordic Walking ist für MS-Erkrankte besonders geeignet, weil das Gehen mit Stöcken zusätzlichen Halt gibt. Wer von Ataxie und Gleichgewichtsstörungen betroffen ist, gleicht mit dem gezielten Stockeinsatz zusätzlich Koordinationsstörungen
aus und schont die Gelenke. Insgesamt sind noch mehr Muskeln gefordert als beim reinen Walking: 90 Prozent der Körpermuskulatur wird aktiviert, und ganze Muskelketten werden trainiert. Durch den Einsatz der Stöcke
ist der Rumpf stärker beteiligt, was vor allem bei MS-Erkrankten mit Rückenproblemen empfehlenswert ist.

Radfahren

Radfahren ist mehr als ein Sport. Die Fortbewegung auf dem Fahrrad vereint das Schöne mit dem Nützlichen, bietet Erholung, Training,
Mobilität und Gemeinschaft. MS-Erkrankte, die Schwierigkeiten mit dem Gehen haben, können häufig mit dem Fahrrad wieder längere Strecken zurücklegen. Radfahren stärkt Ausdauer und Kraft und wirkt der motorischen Fatigue entgegen. Das Herz-Kreislauf-System wird aktiviert. MS-Erkrankte können ihren Gleichgewichtssinn trainieren und jene Muskeln, die für das Gehen bedeutend sind, zum Beispiel in den Oberschenkeln und Waden.
Die Möglichkeit, auf dem Rad gemeinsam mit anderen unterwegs zu sein, ist zudem ein wirksames Mittel gegen Depressionen und soziale Vereinsamung.

Pedelec

In Deutschland ist es derzeit eines der angesagtesten Fahrzeuge: Das Pedelec ist ein Fahrrad, bei dem bei Bedarf ein Elektromotor zugeschaltet werden kann. MS-Erkrankte können hiermit dem Ausdauerproblem oder der
motorischen Fatigue entgegenwirken. Vor allem in hügeligem Gelände ist das Pedelec eine gute Alternative zum herkömmlichen Fahrrad.

Dreirad/Trike

Weniger bekannt, aber ideal bei Gleichgewichtsproblemen, ist das Dreirad für Erwachsene (Trike). Weil das Rad fest steht, ist das Aufsteigen deutlich leichter als beim Zweirad. MS-Erkrankte können sich, selbst wenn das
Gehen und das normale Fahrradfahren Schwierigkeiten bereiten, mit dem Dreirad noch ein hohes Maß an Mobilität erhalten und gegebenenfalls die Nutzung eines Rollstuhls hinauszögern. Auch Dreiräder sind mit Motor erhältlich.

Reiten

Beim Reiten wird der ganze Körper aktiv, und der Reiter wirkt gezielt auf das Tier ein. Reiten kann als Freizeitsport oder Wettkampfsport
betrieben werden. Am Besten erlernt man es in einem Verein mit ausgebildeten Reitlehrern. Reiten fördert Ausdauer, Muskelaufbau sowie Gleichgewichts- und Körpergefühl. Koordination, Balance und Konzentration sind dabei Kernqualitäten.

Über den Pferderücken werden dreidimensionale Schwingungen auf den Reiter übertragen. Positiver Effekt: Die dabei entstehenden Impulse ermöglichen ein gezieltes Training der Halte- und Rumpfmuskulatur sowie die Regulierung der Muskelspannung. Menschen mit MS können durch Reiten ihr Gleichgewicht trainieren sowie ihre Ausdauer, ihre Beweglichkeit und ihre Koordination verbessern. Dies wiederum kann sich positiv auf ihre Symptomatik auswirken. Außerdem wird Reiten als therapeutische Sportart eingesetzt. Die Hippotherapie zum
Beispiel ist eine Form der Physiotherapie, bei der der Patient auf dem Rücken des Pferdes von den Schwingungsimpulsen profitiert, ohne selbst aktiv zu werden.

Rollstuhlsport

Menschen mit MS, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, können sich sportlich ebenso engagieren wie jeder andere. Viele Sportarten lassen
sich im Rollstuhl ausüben. Der Deutsche Rollstuhl-Sportverband listet 28 Sportarten auf, in denen Rollstuhlnutzer aktiv werden können. Dazu gehören Sommer- und Wintersportarten, Kampf-, Wasser-, Ballsport und Trendsportarten wie Actionsport oder ChairSkating. Die Anforderungen
sind dabei sehr unterschiedlich. Während zum Beispiel beim Bogenschießen Konzentration, Koordination und Oberkörperspannung wichtig sind, ist Rollstuhlbasketball körperlich und konditionell sehr fordernd und anstrengend.

Ebenso wie bei Menschen, die nicht auf den Rollstuhl angewiesen sind, sollte die gewählte Sportart zur Persönlichkeit passen. Während der eine sich gerne rhythmisch bewegt, sucht der andere vielleicht eher den Wettkampf, das Spiel, Ausdauer oder Entspannung. Grundsätzlich kann jeder Rollstuhlfahrer Sport betreiben. Bei allen Sportarten gilt: Neben den spezifischen Bewegungen oder Fertigkeiten, die der Sportler für die Ausübung beherrschen muss, sollte er grundsätzlich den Körpereinsatz und die Mobilität im Rollstuhl trainieren. Dazu muss dieser optimal an den Nutzer angepasst sein. Für einige Sportarten wie Ballsport oder Leichtathletik gibt es spezielle Rollstühle, die zum Beispiel wenig Rollwiderstand haben oder besonders wendig und kurvensicher sind.

Rollstuhlsport hat – auch besonders für MS-Erkrankte – viele positive Effekte. Er bietet ein effektives Muskeltraining an Armen, Rumpf, Bauch oder Rücken, steigert Kraft und Ausdauer und stärkt dadurch das Herz-Kreislauf-System. Das Miteinander im Verein oder der Gruppe hat einen positiven Einfluss auf die Psyche und fördert die Teilnahme am sozialen Leben – vor allem dort, wo Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam trainieren.

Rudern

Es gibt kaum eine Sportart, die wie Rudern nahezu alle Muskelgruppen aktiviert. Rudern bietet einen idealen Mix aus Ausdauer-, Kraft- und Koordinationstraining und kann sowohl als Individual- als auch als
Mannschaftssport betrieben werden. Die Bootspalette reicht vom Einer bis zum Achter. Naturverbundene Wassersportler können zu fast jeder Jahreszeit Flüsse und Seen mit dem Boot erleben.

Da der ganze Körper an der Bewegung beteiligt ist, ist Rudern auch für MS-Erkrankte ein empfehlenswerter Sport. Ein moderates Tempo gepaart mit geringem Krafteinsatz kann Überanstrengung verhindern. Ähnlich wie das Kanufahren, kann sich auch Rudern positiv auf Symptome wie Spastik, Ataxie und Muskelschwäche auswirken. Da Rudern ein geringes Verletzungsrisiko birgt und schonend alle Muskelgruppen beansprucht, eignet es sich auch für MS-Erkrankte mit geringem Fitnessgrad. Mit steigender Ausdauer können auch positive Auswirkungen auf eine MS-bedingte Fatigue zu spüren sein.

Schwimmen

Beim Schwimmen ist das Wasser der Trainingspartner und ermöglicht eine Bewegung, die das Herz-Kreislauf- System anregt, ohne zu überfordern. Bewegungsabläufe können im Wasser aufgrund des Auftriebs einfacher trainiert werden. Schwimmen kräftigt Schultergürtel, Armund
Rumpfmuskulatur und kann Spastiken lockern. Es schont die Gelenke und trainiert Koordination und Ausdauer.

Die unterschiedlichen Temperaturreize fördern Durchblutung und Stoffwechsel und stärken zusätzlich die Immunabwehr. Ob Brust-, Rücken, Kraul- oder Schmetterlingsstil – Schwimmen ist eine ideale Sportart für Menschen mit MS, denn die Bewegungen fallen im Wasser leichter als an Land, und das kühle Wasser verhindert das bei sportlicher Überhitzung häufig auftretende Uhthoff- Phänomen.

Skifahren

Wer sich für das alpine Skifahren entscheidet, stärkt das Herz-Kreislauf-System, die Muskulatur, Kondition und Koordination. Der Sport erfordert
allerdings eine solide Grundfitness und eine gute Ausrüstung, um sicher und mit Freude die Hänge herunterfahren zu können. Generell sollte man nur gut vorbereitet und möglichst in Begleitung auf die Piste gehen.
Das gilt natürlich auch für Menschen mit MS. Dann ist das alpine Skifahren ein aktives Naturerlebnis, das Psyche und Körper langfristig positiv beeinflussen kann. Für Skifahrer mit Einschränkungen gibt es Hilfsmittel wie zum Beispiel Krückenski, den Ski-Bob, auf dem man wie auf einem Fahrrad sitzt oder Bi-Ski, mit denen Rollstuhlfahrer geschoben werden können.

Ski-Langlauf ist ein Ausdauersport, bei dem MS-Erkrankte Schwächen der Beine durch verstärkten Oberkörpereinsatz kompensieren können. Das Gleiten auf Skiern durch den Schnee in einer vorgespurten Loipe beansprucht alle Muskelgruppen, ist gelenkschonend und ein optimales Herz-Kreislauf- und Krafttraining. Auch hier kann sich die Bewegung an der frischen Winterluft positiv auf das Wohlbefinden auswirken.

Tanzen

Zur Musik bewegen und die Freude am Rhythmus erleben und genießen – ob
Standardtanz oder Lateinamerikanischer Tanz, Disco- Fox oder Squaredance: Tanzen ist Lebensfreude, auch mit MS. Nicht nur das Herz-Kreislauf-System und der Rücken werden dabei gestärkt. Tanzen kräftigt die Muskulatur
der Beine, Arme und Schultern und lockert den gesamten Körper. Das Erlernen von bestimmten Bewegungsabläufen fördert die Koordinationsfähigkeit und trainiert gleichzeitig die Gedächtnisleistung. Wenn Sie einen Partner haben, der nicht an MS erkrankt ist, können
Sie beim Tanzen die Freude an gemeinsamer Aktivität ganz neu entdecken.

Tauchen

Viele Menschen, die bereits einmal Tauchen waren, berichten von einem Gefühl der Freiheit. Die Geräusche der restlichen Welt sind für
eine Weile völlig ausgeblendet, und das Wasser verleiht ein Gefühl von Schwerelosigkeit. Auch für MS-Erkrankte wirkt Tauchen wie eine umfassende Körpertherapie, die die Muskulatur kräftigt: Die Gelenke bewegen sich, die
Körperlage verändert sich ständig, die Lunge wird belüftet und der Kreislauf angeregt. Voraussetzung zum Tauchen ist, dass das Herz-Kreislauf-System, Atemwege, Stirn-, Nebenhöhlen und Ohren in Ordnung sind. Am
Anfang steht immer ein Einführungskurs, der Theroriestunden, erste Übungen im Becken und die Ausbildung im Freiwasser beinhaltet. Eine gute Ausrüstung und ein zuverlässiger Tauchbegleiter (Buddy) sind unerlässlich.
Auch schwer betroffene MS-Erkrankte können diesen Sport ausüben. Die International Association for Handicapped Divers (IAHD) sowie die Handicapped Scuba Association (HSA) fördern das Tauchen für körperbehinderte Menschen.

Teamballsport

Zu den Teamballsportarten zählen unter anderem Volley-, Basket-, Hand- und auch Fußball. Sie zeichnen sich durch schnelle Richtungs- sowie Tempowechsel aus. Zudem sind Ausdauer, Koordination und eine sichere Körperbeherrschung wichtig. Der Teamballsport eignet sich daher eher für MS-Erkrankte, die weitestgehend symptomfrei sind. Durch regelmäßiges Training profitieren sie nicht nur von dem Erhalt ihrer motorischen Fähigkeiten, sondern tun gleichzeitig aktiv etwas für ihre Psyche. Das Ausdauertraining infolge der hohen Laufleistung hat nachweislich eine antidepressive Wirkung. Das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Mannschaft kann diesen Effekt verstärken, bringt neue soziale Kontakte mit sich und steigert so ein Stück weit die Lebensqualität.

Tennis

Ballgefühl, koordinative Fähigkeiten und eine gute Reaktion. Darauf kommt es beim Tennis besonders an. Da auch Schnelligkeit und rasche Richtungswechsel eine wichtige Rolle spielen, ist diese Sportart eher für MS-Erkrankte mit leichter Symptomatik geeignet. Tennis trainiert Laufbewegungen und Koordination von Körper- und Augenbewegung. Es fördert die Beweglichkeit und stärkt die Muskulatur von Ober-, Unterarmen und Beinen. Kleiner Tipp: Das Spielen auf einem Ascheplatz ist schonender für die Gelenke als beispielsweise auf einem Hartplatz. Wer bereits Tennis spielt und den Sport auch bei zunehmender körperlicher Beeinträchtigung nicht aufgeben möchte, für den sind das Spiel im Doppel oder Standtennis eine gute Alternative.

Tischtennis

Tischtennis ist eine Ballsportart, für die eine Tischtennisplatte, eine Netzgarnitur, ein Tischtennisball und pro Spieler ein Schläger benötigt
werden. Bezogen auf die Zeit zwischen zwei Ballkontakten gilt Tischtennis als die schnellste Rückschlagsportart der Welt. Ob im Stehen oder im Rollstuhl – Tischtennis trainiert die Kondition und stärkt die Konzentration sowie
die kognitiven Fähigkeiten. Es ist ein gutes Augenmuskeltraining und kräftigt die Rückenmuskulatur. Sportbegeisterte können bis ins hohe Alter mit dem Schläger aktiv sein, auch wenn sie erst spät damit begonnen haben.
Und Tischtennis verbindet: Menschen mit und ohne MS-Diagnose sowie mit und ohne Einschränkungen können gut zusammen spielen. Tischtennisplatten finden sich vielerorts, zum Beispiel in der Sporthalle, im Hobbykeller,
auf Spielplätzen oder in der Jugendherberge. Für MS-Erkrankte mit stärkeren Symptomen ist vieles möglich: So gibt es zum Beispiel für Spieler, die den Schläger nicht mehr gut halten können, Spezialschläger, die an der Hand befestigt werden.

Letzte Aktualisierung: 14.11.2017 18:10