DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Therapie

MS verstehen - Therapie

Gibt es einen wirksamen Schutz für die Nervenzellen? Kann der übertritt der fehlerhaften T-Zellen ins ZNS verhindert werden? Ist es möglich, die Bildung entzündungsfördernder Zytokine zu drosseln? Auf den nächsten Seiten erfahren Sie mehr über die wichtigsten Medikamente, die heute gegen die MS eingesetzt werden.

Therapie im Überblick

Die Basistherapie der Multiplen Sklerose konzentriert sich darauf, das Entstehen entzündlicher Herde im Gehirn zu verhindern. Ein wichtiger Ansatzpunkt hierbei ist die Blut-Hirn-Schranke.

Die zur Zeit wichtigsten Bausteine der Basistherapie sind:

  • Interferon-beta
  • Glatirameracetat

Zur Schubtherapie wird Kortison eingesetzt.

Kortison ...

V.l.n.r.: Therapie im Überblick, Kortison.

  • ist ein Steroidhormon mit vielfältiger Wirkung, das fast alle Zellen beeinflussen kann.
  • kommt bei einem akuten MS-Schub als hoch dosierte Infusion zum Einsatz.
  • wird als Pulstherapie zwischen drei und fünf Tagen verabreicht.
  • verstärkt die Barriere der Bluthirnschranke: nur noch einigen programmierten B- und T-Zellen gelingt der übertritt.
  • wirkt stark entzündungshemmend, indem es T-Zellen jenseits der Bluthirnschranke daran hindert, entzündungsfördernde Zytokine auszuschütten.
  • drosselt über die Hemmung der Zytokin-Ausschüttung die Aktivität von B- und Fresszellen.

Mit Hilfe von Kortison kann die Entzündungsreaktion während eines Schubs zügig beendet werden.

Interferon-beta ...

  • ist ein Botenstoff, der dem Informationsaustausch zwischen Zellen dient.
  • greift dadurch auf unterschiedliche Weise regulierend in das Immunsystem ein.
  • trägt zum Schließen der Blut-Hirn-Schranke bei.

Durch eine langfristige Behandlung mit Interferon-beta kann die Schubrate bei MS verringert und das Fortschreiten der Erkrankung verzögert werden.

Glatirameracetat...

V.l.n.r.: Interferon-Beta, Glatirameracetat.

  • ist ein Eiweißmolekül, das ähnlichkeit mit den Proteinen des Myelins der Nervenzellen hat.
  • programmiert die aggressiven T-Zellen um.
  • schützt die kostbare Myelinschicht: nach Eintritt in das Zentrale Nervensystem bilden die T-Zellen nun keine entzündungsfördernden Zytokine mehr.
  • veranlasst die umprogrammierten T-Zellen, verstärkt Faktoren zu bilden, die das Nervenwachstum fördern.

Glatirameracetat wird eingesetzt, um das Fortschreiten der MS aufzuhalten und die Anzahl der Schübe zu verringern.

 

Über weitere Therapiemöglichkeiten informiert Sie das Konsensuspapier zur immunmodulatorischen Stufentherapie.

Letzte Aktualisierung: 14.11.2017 18:10