DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Das Immunsystem

MS verstehen - Das Immunsystem

Wie wehrt sich unser Organismus gegen Eindringlinge? Können Immunzellen miteinander kommunizieren? Warum muss sich unser Körper auch vor sich selbst schützen? Erfahren Sie auf den folgenden Seiten mehr darüber, wie das Immunsystem funktioniert und was es mit der Selbsttoleranz auf sich hat.

Das körpereigene Immunsystem schützt den Menschen vor Krankheitserregern wie Bakterien, Viren und Pilzen. Dabei unterscheidet man eine allgemeine von einer spezifischen Immunabwehr.

Zu der allgemeinen oder unspezifischen Immunabwehr zählen unter anderem:

  • die Leukozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen
  • die Fresszellen oder Makrophagen und
  • das Komplementsystem

Hauptrolle der spezifischen Immunabwehr spielt eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen - die Lymphozyten. Hierzu gehören:

  • die T- Zellen und
  • die B-Zellen.

Für die Immunreaktion wichtige Vermittler zwischen diesen verschiedenen Zellarten sind die Zytokine.
Schließlich muss sich der Körper selbst vor einem möglichen Angriff durch sein eigenes Immunabwehrsystem schützen: hier ist die 'Selbsttoleranz'. von großer Bedeutung.

Die allgemeine oder unspezifische Immunabwehr

V.l.n.r.: Spezifische Immunabwehr: die T-Zellen, die B-Zellen, Zytokine - die stille Post des Immunsystems.

  • Hierzu zählt das Komplementsystem, das aus verschiedenen Proteinen besteht, die ständig im Blutkreislauf patrouillieren.
  • Es erkennt Eindringlinge wie z.B. Bakterien und versucht, diese durch Zersetzung ihrer Zellwände zu beseitigen.
  • Unterstützt wird das Komplementsystem dabei von Fresszellen.
  • Fresszellen nehmen das Bakterium auf und verdauen es.
  • Verdaute Reste des Bakteriums werden dann als Antigene auf der Oberfläche der Fresszelle präsentiert.
  • Diese 'Antigenpräsentation' schaltet die spezifische Immunabwehr ein.
  • Dazu wandert die Fresszelle in den nächsten Lymphknoten.

Spezifische Immunabwehr: die T-Zellen

  • T-Zellen sind eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen.
  • Sie besitzen spezielle Andockstellen oder 'Rezeptoren', die nur zu ganz bestimmten Antigenen passen - wie ein Schlüssel ins Schloss.
  • Im Lymphknoten versuchen T-Zellen, an die Antigen-präsentierende Fresszelle anzudocken.
  • Passt das Antigen zum Rezeptor, vervielfältigt sich die T-Zelle.
  • Ihre Tochterzellen verlassen den Lymphknoten auf der Suche nach den Krankheitserregern, dessen Antigene die Fresszelle präsentiert hat.

Spezifische Immunabwehr: die B-Zellen

  • B-Zellen gehören ebenfalls zu einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen.
  • Ihre zentrale Funktion ist die Produktion von Antikörpern.
  • Auf der B-Zellenoberfläche befinden sich Antikörper als Rezeptoren, die nur zu einem ganz bestimmten Antigen passen.
  • Bindet z.B. ein passendes Bakterium-Antigen an den Rezeptor, teilt sich die so aktivierte B-Zelle und produziert spezifische Antikörper.
  • Diese Antikörper docken dann an die Bakterien an.
  • Dadurch werden wiederum Fresszellen angelockt, die sich an der Beseitigung der Eindringlinge beteiligen.

Zytokine - die stille Post des Immunsystems

  • Zytokine sind Botenstoffe, mit deren Hilfe sich die Zellen des Immunsystems untereinander verständigen.
  • Sie werden von ganz unterschiedlichen Immunzellen gebildet.
  • Erreicht beispielsweise eine T-Zelle die Bakterien, auf die sie geeicht ist, heftet sie sich an diese an.
  • Als nächstes fordert die T-Zelle weitere Unterstützung von B-Zellen an, indem sie Zytokine ausschüttet.

Durch das Zusammenspiel aller Teile des Immunsystems werden die fremden Eindringlinge erfolgreich abgewehrt und vernichtet.

Selbsttoleranz

Normalerweise sorgt ein eingebauter Selbstschutz dafür, dass sich die Immunzellen nicht gegen körpereigene gesunde Zellen richten. Diese Prägung geschieht im Thymus, einem Organ des Lymphsystems, das sich oberhalb des Herzens befindet. Hier findet der Ausleseprozess von T-Zellen statt:

  • T-Zellen werden als unreife Zellen im Knochenmark gebildet.
  • Im Thymus reifen sie zu differenzierten T-Zeilen heran.
  • Dazu werden T-Zellen mit körpereigenen Substanzen konfrontiert, an die sie anzudocken versuchen.
  • Ist dies vergeblich, werden die T-Zellen als reif und richtig programmiert befunden: sie dürfen wieder in den Kreislauf entlassen werden.
  • Findet eine T-Zelle aber ein passendes Antigen, wird sie eliminiert.
  • Diese 'Selbsttoleranz' stellt sicher, dass nur diejenigen T-Zellen überleben und vervielfältigt werden, die sich nicht gegen körpereigene Strukturen richten.
Letzte Aktualisierung: 14.11.2017 18:10