DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

DMSG: 60 Jahre Perspektiven schaffen für und mit Multiple Sklerose-Erkrankten

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) hat in den 60 Jahren ihres Bestehens ein professionelles Netzwerk aufgebaut mit dem Ziel, über die noch unheilbare Autoimmunkrankheit aufzuklären, über Therapien zu informieren, MS-Erkrankten und ihren Familien zu helfen und die Forschung zu fördern: Beim Festakt im Rahmen der MS World Conference gratulierten Gäste aus 38 Nationen zu den Erfolgen der Interessenvertretung, die heute längst als Vorbild für MS-Gesellschaften in aller Welt gilt, mehr als 45000 Mitglieder zählt und auf die Expertise von 78 Experten im Ärztlichen Beirat setzen kann.

Schätzungen zufolge leben in Deutschland rund 130.000 MS-Erkrankte, nach aktuellen Zahlen des Bundesversicherungsamtes sind es möglicherweise sehr viel mehr. Seit 60 Jahren ist die DMSG für MS-Erkrankte und ihre Angehörigen ein kompetenter, zuverlässlicher Helfer bei der Krankheitsbewältigung.

"Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft gibt ihnen Mut, Kraft, praktische Hilfen und vertritt ihre Interessen im sozialpolitischen Raum", verwies der Vorsitzende des DMSG-Bundesverbandes, Justizminister a.D. Harald Schliemann (rechts) auf das breitgefächerte Dienstleistungsspektrum der gemeinnützigen Patientenorganisation.

Wie groß der Bedarf nach Information und Unterstützung ist, belegt nicht zuletzt die Resonanz auf die Angebote der DMSG: Mehr als 67.000 Beratungen leisteten allein im letzten Jahr die bundesweit 4212 ehrenamtlichen plus 231 hauptamtlichen Mitarbeiter (umgerechnet in Vollzeitstellen sind es nur 154,61 in den 16 Landesverbänden, den zusätzlichen Beratungsstellen und dem Bundesverband). Zusätzlich wurden in 2012 mehr als 87.000 Broschüren und Info-Materialien verschickt sowie 22 Videos auf Multiple Sklerose TV und www.dmsg.de veröffentlicht. Mehr als 12 Millionen Zugriffe waren im Internetportal des DMSG-Bundesverbandes zu verzeichnen.

Gäste aus aller Welt gratulieren zu 60 Jahren DMSG

Der jährliche Festakt in Berlin ist stets ein besonderes Ereignis im Terminkalender der DMSG, gilt es doch all jenen zu danken, deren großes Engagement für MS-Erkrankte in der Pflege, in der Selbsthilfe und in vielen Projekten beispielhaft, aber keineswegs selbstverständlich ist. Im Jahr des 60. Geburtstages war der Kreis der Gratulanten deutlich größer: Der Vorsitzende des DMSG-Bundesverbandes Harald Schliemann begrüßte zum Jubiläumsfestakt rund 450 internationale Gäste, darunter Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, viele ehren-und hauptamtliche Mitarbeiter sowie Freunde und Förderer der DMSG.

Das Who is Who der MS-Gesellschaften aus 38 Nationen nutzte die Gelegenheit, zu gratulieren und sich über gemeinsame Projekte im gemeinsamen Kampf gegen MS auszutauschen. Zu den Ehrengästen gehörten John Golding, Präsident der European Multiple Sclerosis Platform (EMSP) sowie Weyman Johnson, Präsident der Multiple Sclerosis International Federation (MSIF) und deren Geschäftsführer Peer Baneke. Durch das unterhaltsame Programm führte TV-Moderator Ludger Abeln.

Bildergalerie

Im europäischen Vergleich hat die DMSG einen hohen Standard in der Versorgung MS-Erkrankter erreicht. Jetzt engagiert sie sich umso mehr dafür, dies in ganz Europa umzusetzen. 1967 war die DMSG Mitbegründerin der MSIF. Erst unter der Leitung von Käthe Wilbrand, dann unter Veronica Carstens und seit 20 Jahren unter der amtierenden DMSG-Bundesgeschäftsführerin Dorothea Pitschnau-Michel habe die DMSG die Führung in der globalen MS-Bewegung übernommen, hob MSIF-Präsident Weyman Johnson in seinem Grußwort die Führungsrolle der DMSG auf internationaler Ebene hervor: "Die Arbeit der DMSG als Interessenvertretung und Unterstützer für Menschen mit MS ist Beispiel für MS-Gesellschaften in der ganzen Welt. Die DMSG war und ist ein verlässlicher Partner für Menschen mit MS, egal wo sie leben. In der globalen MS-Bewegung können wir immer voneinander lernen", betonte Johnson: "Der Weltkongress erinnert uns alle daran, dass MS eine globale Krankheit ist und eine Belastung, die wir gemeinsam tragen müssen."

Unabhängige Interessenvertretung: Gemeinsam für mehr Lebensqualität für Menschen mit MS

DMSG-Bundesgeschäftsführerin Dorothea Pitschnau-Michel war von 2006 bis 2010 Präsidentin der European MS Platform (EMSP). Während ihrer Amtszeit wurden in Zusammenarbeit von DMSG und MSIF zehn Grundsätze zur Verbesserung der Lebensqualität MS-Erkrankter entwickelt. Um die Führungsrolle der DMSG als unabhängige und neutrale Partnerin für alle MS-Erkrankten zu behaupten und als deren Interessenvertretung weiterhin Ziele in der Politik, bei Kostenträgern und Leistungserbringern durchsetzen zu können, sind ausreichend finanzielle Mittel und notwendig, bat die DMSG-Bundesgeschäftsführerin um breite Unterstützung von Spendern, Zuschussgebern aber auch von MS-Erkrankten und ihren Familien als Mitglieder. Nur gemeinsam könne es gelingen, deren Anliegen Gehör zu verschaffen.

60 Jahre bildet der Ärztliche Beirat eine Säule der DMSG

Grund zum Feiern gibt es auch für den Ärztlichen Beirat (AEB) des DMSG-Bundesverbandes, der dieses Jahr ebenfalls 60 Jahre besteht. Zum Kreis der Gäste aus diesem wichtigen ehrenamtlichen Fach-Gremium der DMSG gehörten Prof. Dr. med. Reinhard Hohlfeld, Vorsitzender des Ärztliches Beirates der DMSG, der federführend verantwortlich war für die inhaltliche Gestaltung des ersten Kongresstages sowie Prof. Dr. med. Klaus V. Toyka, Ehrenvorsitzender des Ärztlichen Beirates und langjähriger engagierter Kämpfer für Therapieempfehlungen. Dem AEB des DMSG-Bundesverbandes ist es zu verdanken, dass die MS-Therapie 1999 durch die Immunmodulatorische Stufentherapie erstmals auf wissenschaftlich fundierte Füße gestellt wurde. 2004 folgten Leitlinien zur Symptomatischen Therapie.

Von der Laienvereinigung zur renommierten Fachgesellschaft: Meilensteile der Arbeit der DMSG in den letzten 60 Jahren

Als am 17. Juni 1953 der Volksaufstand gegen das DDR-Regime tobte gründete ein kleiner Kreis von Privatleuten in der Nähe von Frankfurt am Main die DMSG nach dem Vorbild der nationalen amerikanischen MS-Gesellschaft und wählte Käthe Wilbrand zur Vorsitzenden. Nicht zuletzt ihrem großen Einsatz ist es zu verdanken, dass bereits sechs Monate später der Ärztliche Beirat ins Leben gerufen wurde. Dank beharrlicher Aufklärungsarbeit wuchs dieses Beratergremium nach dem Neurologenkongress 1954 auf mehr als 150 Mitglieder an.

Im Dezember 1953 veröffentlichte die DMSG ihr erstes Mitteilungsblatt, in dem sie über ihre Arbeit und die bittere Situation der deutschen MS-Kranken berichtete. In der Folge wurde die junge Gesellschaft von Berichten MS-Erkrankter, die sich Hilfe erhofften, geradezu überschüttet.

Auf Basis dieser Berichte entstanden 1955 und 1956 die ersten Denkschriften "Die soziale Not der Multiple Sklerose Kranken" und "Soziale Hilfe bei Multipler Sklerose". Die folgenden Jahre waren geprägt von dem Bemühen, Ärzte, Sozialarbeiter und Öffentlichkeit aufzuklären und die Interessen der MS-Kranken in der Sozialgesetzgebung zu verankern.

1963 war die Mitgliederzahl bereits auf 1.500 gestiegen und es schlug die Geburtsstunde deutscher MS-Kliniken: Erste Spezialabteilungen zur Behandlung MS-Kranker wurden auf Betreiben des DMSG-Bundesverbandes eingerichtet. Heute ist die DMSG als Betreiberin an drei Krankenhäusern beteiligt.

1978 hat die DMSG den ersten Weltkongress ausgerichtet. Weitere folgten 1985, 2003 und 2013.

1983 konstituierte sich der Patientenbeirat (heute Bundesbeirat MS-Erkrankter genannt). Beim Festakt sorgte ein Wiedersehen mit Jürgen Scherf, dem ehemaligen Vorsitzenden und Mitbegründer für große Freude.

1984 war die DMSG beteiligt an der Grundsteinlegung für die 1989 gegründeten European Multiple Sclerosis Platform (EMSP), deren Präsident John Golding ebenfalls zu den Ehrengästen des Festaktes gehörte.

1990: Die DMS-Stiftung wurde gegründet mit dem vorrangigen Ziel, die MS-Forschung zu fördern und MS-Erkrankte in besonderen Notlagen zu unterstützen. Anträge erfolgen über die Landesvervbände

1993 forderte die DMSG den Bundestag auf, den Schutz der Behinderten ins Grundgesetz aufzunehmen.

1996 ist die DMSG als eine der ersten gemeinnützigen Organisationen mit einem Internetauftritt präsent.Geplante Streichungen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen können – auch dank Resolutinen der DMSG – verhindert werden.

1997 startet das Fortbildungsprojekt "Pflege bei MS"

1999 legt die Multiple Sklerose Therapie Konsensusgruppe aus dem Ärztlichen Beirat der DMSG die "Immunmodulatorische Stufentherapie" zur medizinischen Versorgung von MS-Erkrankten vor, die heute Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie ist.

2000: Die DMSG verabschiedet als erste Patientenorganisation verbindliche Leitlinien für die Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie.

2004 veröffentlicht der Ärztliche Beirat des DMSG-Bundesverbandes Konsensusempfehlungen zur "Symptomatischen Therapie"

2006 schlägt der DMSG-Bundesverband mit dem DVD/CD-Film "Nina –Ein Leben mit MS" ein neues Kapitel in der Wissensvermittlung auf.

2007 wurde die erste MS-Website für Kinder online gestellt

2009 stieß der erste Welt MS Tag in ganz Deutschland auf große Resonanz.

2010 startete das weltweit einzigartige Internettool "MS behandeln" mit interaktiven Informationen.

Die Zukunft gemeinsam gestalten – Perspektiven für MS-Erkrankte

Manuela Schwesig, Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern, stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD und Schirmherrin der DMSG in Mecklenburg-Vorpommern dankte allen, die in den vergangenen 60 Jahren dazu beigetragen haben, dass der DMSG Bundesverband so vielen Menschen Hilfe und Unterstützung bieten konnte: "Sie haben sich dafür entschieden, gemeinsam gegen die Folgen der Multiplen Sklerose zu kämpfen, über die Krankheit zu informieren und nach Wegen zu suchen, um mit der Krankheit zu leben." Die Selbsthilfe biete, egal ob in regionalen Selbsthilfegruppen, in Foren oder über andere Austauschwege, die Möglichkeit, über entsprechende Themen regelmäßig ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig Halt zu geben.

Als "eine wichtige Form der Barrierefreiheit" lobte die Ministerin, dass die DMSG die Vorträge von international renommierten MS-Experten auf dem Weltkongress live im Internet übertragen lässt: "So haben weltweit alle MS-Erkrankten, Angehörige, Therapeuten, Mediziner und andere Interessierte die Möglichkeit, an den Inhalten des Weltkongresses teilzuhaben und sich über den neuesten Wissensstand zum Thema MS zu informieren. Auch das ist Inklusion!"

- 23.10.2013