DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Ehrenamtliche Hilfe für Menschen mit Multipler Sklerose im Rampenlicht: Der DMSG-Bundesverband sagt Danke

Die vielfältigen Aufgaben der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) als Selbsthilfe- und Betreuungsorganisation, als Interessen- und Fachverband wären ohne das selbstlose Engagement der über 4.000 Ehrenamtlichen nicht zu bewältigen. Als Zeichen der Anerkennung hat der DMSG-Bundesverband beim Festakt in Berlin verdienstvolle Persönlichkeiten ausgezeichnet für ihr unverzichtbares Engagement in der Pflege und in der Selbsthilfe.

Seit über 60 Jahren setzt sich die DMSG für MS-Erkrankte und ihre Angehörigen ein mit dem Ziel, die Auswirkungen der noch immer unheilbaren Autoimmunkrankheit zu mildern, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern sowie die Ursachen- und Therapieforschung zu fördern. Ein unverzichtbares Fundament für die so wertvolle Arbeit innerhalb der Interessenvertretung für Menschen mit MS bilden die vielen ehrenamtlichen Helfer. Sie betreuen MS-Erkrankte und deren Familien, pflegen Angehörige, organisieren Kontaktgruppen und unterstützen die Aufklärung über die noch unheilbare Krankheit. Ihnen Tribut zu zollen und ein Stück gelebte Dankbarkeit entgegenzubringen, das ist der Sinn des alljährlichen Festaktes, zu dem der DMSG-Bundesverband alle Landesverbände, Freunde und Förderer und vor allem die für ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement Geehrten einlädt.

„Gegenseitige Achtsamkeit, Gemeinsinn und Solidarität. Das sind Tugenden, die unser Land zusammenhalten. Und es sind Haltungen, die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, in ganz besonders beispielhafter Weise verkörpern. Sie geben etwas, das nicht mit Geld vergütet wird. Und sie geben auf so vielfältige Weise…“, dieser Einschätzung von Bundespräsident Joachim Gauck zum Ehrenamt folgt auch der DMSG-Bundesverband.

Zum ersten Mal als Gastgeber beim Festakt stellte sich Hendrik Schmitt als der neue DMSG-Bundesgeschäftsführer vor und begrüßte die zahlreichen Gäste aus verschiedenen Bundesländern. Prof. Dr. med. Judith Haas, Vorsitzende des DMSG-Bundesverbandes und Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat betonte den hohen Stellwert der vielen engagierten Helfer, die MS-Erkrankte im Alltag begleiten und ihnen auf viele Arten mehr Lebensqualität ermöglichen. Wie umfangreich und vielfältig diese Leistungen sind, offenbarte sich im von Ludger Abeln moderierten Programm in Videos und Kurzinterviews mit den Geehrten auf der Bühne des internationalen Handelszentrums. Die Verleihung der Preise übernahm der Schirmherr des DMSG-Bundesverbandes Christian Wulff, Bundespräsident a.D. Als Sohn einer MS-Erkrankten kennt er die Herausforderungen im Leben mit der Krankheit und die Bedeutung fachkundiger Hilfe durch die DMSG aus eigener Erfahrung.

Verleihung des Käte Hammersen Preises 2016

Der mit 2.500 Euro dotierte Käte Hammersen Preis wurde von Walter Hammersen, ehemaliger Stadtrat in Wiesbaden, gestiftet. Er soll Ansporn sein zur beständigen Suche und Durchführung von Maßnahmen, die helfen, die körperlichen und seelischen Leiden der MS-Erkrankten zu lindern.

"Der Patient steht im Mittelpunkt unserer Bemühungen", lautet die Devise von Dr. med. Helmut Kropp, der vor 26 Jahren - zwei Jahre nach der Gründung - den Vorsitz des DMSG-Landesverbandes Schleswig Holstein übernommen hat und dessen Entwicklung von 1990 bis heute durch seine wirkungsvolle und nachhaltige Arbeit entscheidend mitprägt. Weil Dr. Kropp seine Auszeichnung aus gesundheitlichen Gründen leider nicht persönlich entgegennehmen konnte, übernahm der Geschäftsführer des DMSG-Landesverbandes Andreas Heitmann diese ehrenvolle Aufgabe.

Sein Engagement für MS-Erkrankte begann Dr. Kropp bereits 1975 als Chefarzt der neueingerichteten Neurologischen Abteilung in der Ostseeklinik Damp, wo er eine klinische Anlaufstelle für MS-Erkrankte aufbaute. Von Beginn an lag ihm die Verbesserung der Lebenssituation MS-Erkrankter am Herzen - das ist bis heute so geblieben und davon zeugt auch das 2007 von ihm installierte „Institut für die Behandlung der Multiplen Sklerose“. Hier setzt er nach wie vor seine großen Kenntnisse über Multiple Sklerose ein und behandelt DMSG-Mitglieder kostenlos. Seine Überzeugung, dass die Hilfe für MS-Erkrankte flächendeckend vor Ort möglich sein muss, führte in Schleswig-Holstein unter seiner Regie als Vorsitzender zur Entstehung von 60 Selbsthilfe- und Kontaktgruppen. Unter Dr. Kropps Federführung wurde ein umfassendes Seminarangebot zur Krankheitsbewältigung aufgebaut und die Aufklärung von Betroffenen durch Informationsveranstaltungen, Weiterbildungen und entsprechende Publikationen vorangetrieben. Dr. med. Helmut Kropp hat in Schleswig Holstein die Wege gebahnt, damit MS-Erkrankte und ihre Angehörigen weitgehend selbstbestimmt leben können, für ihren Alltag Unterstützung, Hilfe, Information, Trost und menschliche Nähe finden und wissen, sie werden mit ihrer Krankheit nicht allein gelassen.

Pia Näbauer Preis für junge MS-Erkrankte 2016

Mit dem Pia Näbauer Preis für junge MS-Erkrankte" werden die hervorragenden und Beispiel gebenden Verdienste von Pia Näbauer, der langjährigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden des DMSG-Bundesverbandes gewürdigt. Der Preis soll junge MS-Erkrankte unter 35 Jahren animieren, sich in der DMSG zu engagieren. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wird jährlich ausgelobt und resultiert aus einer Zustiftung der Bayerischen Multiple Sklerose Stiftung. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Sophie Meinecke aus Niedersachsen, die so viel positive Energie ausstrahlt, dass sie für andere MS-Erkrankte zur Hoffnungsträgerin geworden ist.

Sophie lebt ihr Motto „MS ist kein Grund für schlechte Laune, habe den Mut, Deinen eigenen Weg mit der Krankheit zu finden“. 

Als sie im Alter von 18 Jahren die Diagnose MS bekam, war sie mitten im dritten Ausbildungsjahr zur Köchin. Die Erkenntnis, eine chronische, lebenslange Erkrankung zu haben „war ein Schock, doch anderseits war es auch eine gewisse Erleichterung, dass meine Beschwerden nicht eingebildet waren, sondern endlich einen Namen bekamen.“ Anstatt sich zurückzuziehen, hat die junge Frau das Heft in die Hand genommen und sehr schnell den Kontakt zur DMSG gesucht. Da es in ihrer Heimatregion keine Gruppe für junge MS-Erkrankte gab, wurde sie aktiv und gründete ein „junges Netzwerk“ in Buchholz in der Nordheide. Sophie Meinecke, die mittlerweile zur Bürokauffrau umgeschult hat und 35 Stunden in der Woche als Außendienstmitarbeiterin für ein niedersächsisches Unternehmen tätig ist, hat bei ihrem Arbeitgeber nie einen Hehl aus ihrer Krankheit gemacht. Sie hat auch keine Berührungsängste mit der Öffentlichkeit. Im Gegenteil: Einem breiten Publikum  bekannt. Bei TV-Liveauftritten, zum Beispiel im Rahmen der NDR-Spendenkampagne zugunsten der DMSG „Hand in Hand für Norddeutschland“ und Filmbeiträgen auf Youtube erzählte sie, was es bedeutet, an MS erkrankt zu sein und wie wichtig es ist, Unterstützung annehmen zu können.

Rund um die Uhr im Einsatz: Die Pflege-Preisträger 2016 stehen fest

Seit 2001 stiftet die Firma Merck Serono GmbH jedes Jahr jeweils 5.000 Euro für zwei pflegende Angehörige, die von der DMSG mit dem Pflegepreis ausgezeichnet worden sind.

In diesem Jahr fiel die Wahl auf Angelika Wewer aus Schleswig-Holstein.

Vor 32 Jahren veränderte die Diagnose MS schlagartig das gemeinsame Leben von Angelika und Joachim Wewer. Die primär-progrediente Verlaufsform führte für Joachim Wewer nach kurzer Zeit in den Rollstuhl und rasch zunehmend zur Pflegebedürftigkeit. Insbesondere die Feinmotorik ließ schnell nach und bedeutete für Angelika Wewer, dass sie ihrem Mann „die Hände ersetzen“ musste. Inzwischen hat sich der Zustand von Joachim Wewer so verschlimmert, dass eine Rundumbetreuung unumgänglich ist. Ohne Angelika Wewers stete fürsorgliche und hingebungsvolle Zuwendung und Versorgung, wäre ein Verbleiben ihres Mannes im häuslichen Umfeld nicht möglich. Trotz der enormen körperlichen und auch psychischen Belastung gibt es für Angelika Wewer keine Alternative, dazu ist ihr die Gemeinsamkeit mit ihrem Mann viel zu wertvoll. Beide genießen ihren Status als Oma und Opa, denn gerade die Enkelkinder bringen viel Leben und Fröhlichkeit ins Haus und geben immer wieder Kraft und Mut für das wahrlich nicht einfache Leben mit der Krankheit.

Welche zusätzliche Überraschung Angelika Wewer bei der Preisverleihung erwartet hat, erfahren Sie in Kürze auf www.dmsg.de.

Der zweite Pflegepreis-Träger ist Günter Spitzbarth aus Sachsen-Anhalt

Gunter Spitzbarth trotzt dem eigenen Handicap nach Bandscheibenvorfall und Schlaganfall, um ganz für seine schwerstpflegebedürftige Frau Helga da zu sein und ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen. So ist er Hausmann, Pfleger, Chauffeur, Bastler, Humorist in einer Person und brilliert in all diesen verschiedenen Rollen, um seiner Frau das Leben mit MS und ihren Auswirkungen zu erleichtern. Seit 1984 ist Helga Spitzbarth auf den Rollstuhl angewiesen – im Verlauf der Jahre nahmen die Beeinträchtigungen so zu, dass Gunter Spitzbarth beinahe rund um die Uhr im Einsatz ist. Unter anderem um seine Frau alle 2 Stunden von einer sitzenden in eine liegende Position zu bringen, da sie sich nicht länger im Rollstuhl halten kann. Aber Traurigkeit und Verbitterung haben im Hause Spitzbarth keine Chance, dafür sorgt der Hausherr mit seinem trockenen Humor und seiner liebevollen Art, seine Frau immer wieder zu ermutigen, dem Leben schöne Seiten abzugewinnen. Dazu gehört auch ein Hochbeet auf der Terrasse, das vom Rollstuhl aus bearbeitet werden kann.

DMSG-Ehrennadeln für langjähriges Engagement

Viele Menschen engagieren sich in der DMSG, um den Erkrankten ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Für diesen Einsatz bedankt sich die DMSG, Bundesverband e.V. auch mit der Verleihung der Ehrennadeln. In kurzen Laudationes skizzierte Christian Wulff die beeindruckenden Verdienste der Preisträger:

Mit einer Ehrennadel in Gold ehrte Christian Wulff (Mitte) in diesem Jahr die folgenden Persönlichkeiten (von links): Margret Kaminski (Nordrhein-Westfalen), Rosemarie Liedschulte (Nordrhein-Westfalen), Dr. Joachim Streit (Rheinland-Pfalz), Elvira Moltzen (Schleswig-Holstein), Rüdiger Mestharm (Niedersachsen). Nicht auf dem Bild sind die drei weiteren Goldnadel-Trägerinnen Ursula Raichle (Baden Württemberg), Ursula Schmitt (Saarland) und Monika Brechtel (Bayern).

Ehrennadeln in Silber gingen an (von links): 

Silvia Zischler (Bayern), Anneliese Schrade (Baden-Württemberg), Claudia Schütt (Niedersachsen), Sabine Gebbert (Nordrhein-Westfalen), Irene Kaltofen (Hamburg), Judith Faiss (Brandenburg), Cornelia Flohr (Sachsen), Karin van der Heijden (Rheinland-Pfalz) und Klaus Vock (Hessen).

Herzen in Terzen

Für kurzweilige Unterhaltung sorgten die Damen von Herzen in Terzen. Sie nahmen das begeisterte Publikum mit auf eine musikalische Reise zwischen Comedy und Evergreens aus den goldenen Zeiten von Petticoats, falschen Wimpern und echten Emotionen. Die bekannten Melodien luden zum Mitsingen ein und weckten so manche Erinnerung. 

- 08.11.2016