DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

"Ja, wir haben MS": Ein Spot stärkt den Zusammenhalt und öffnet den Blick für die Belange von Menschen mit Multipler Sklerose

Eine junge Frau mit blondem Haar sitzt mit verträumtem Blick im Kettenkarussell. „Woran mag sie denken?“, fragt sich der Zuschauer. „An ihren Freund, den nächsten Urlaub?“ Abrupt unterbricht eine Sprecherin diese Überlegungen: „Plötzlich ist sie da, die unberechenbare Erkrankung Multiple Sklerose“, sagt sie und ergänzt: „Die Diagnose kann jeden treffen. Aber das Leben geht weiter – nur anders.“ Zu sehen sind eine glückliche junge Familie, ein Ehepaar hält sich an den Händen, eine junge Frau streckt optimistisch ihre Arme in den Himmel, eine ältere Dame schaut mit einem Lächeln dem fröhlichen Treiben im Karussell zu, ein junger Mann filmt mit seinem Smartphone eine ausgelassen scherzende Gruppe junger Leute, ein Geschäftsmann sucht das Gespräch mit dem Kameramann und die junge Frau mit dem blonden Haar läuft in die Arme ihres Mannes, der ihr in den Rollstuhl hilft.

„…Denn die, die mutig sind, etwas zu verändern, sind die, die es bereits tun“, meldet sich die Sprecherin wieder zu Wort. Diese Beschreibung könnte kaum treffender sein für die Menschen, die sich am Dreh dieses Spots beteiligt haben. Sie alle haben MS, einige erst kurze Zeit, andere schon fast ein ganzes Leben lang. Stellvertretend für die mehr als 240.000 MS-Erkrankten in Deutschland repräsentieren sie zwar nur einen kleinen Ausschnitt der vielen verschiedenen Gesichter der noch unheilbaren Erkrankung, aber sie wollen auch andere dazu ermutigen, ihre Stimme zu erheben und als große Gemeinschaft in der DMSG für ihre Rechte einzutreten.

"Gemeinsam stärker als MS" lautet das Motto, mehr Verständnis in der Gesellschaft für die Herausforderungen im Leben mit MS ist das Ziel.

Prominenter Sound zum Spot

Die Band Fury in the Slaughterhouse hat für die musikalische Untermalung des Spots kostenlos ihren Welthit „Time to Wonder“ zur Verfügung gestellt. „Jetzt ist nicht die Zeit zu schlafen während wir kämpfen“, heißt es im Text. Was könnte passender sein – als Ermutigung für die Betroffenen und als Aufruf für die Helfer. Mit dieser Motivation ist so mancher über sich selbst hinausgewachsen. Zum Beispiel Andy, der noch vor kurzer Zeit nicht mehr laufen konnte. Im Rahmen der Dreharbeiten schaffte der junge zweifache Familienvater fünf Fahrten im Kettenkarussell - Hand in Hand mit seiner ebenfalls an MS erkrankten Ehefrau Christina, begeistert beklatscht von Töchterchen Iva (4). Ein Kämpfer, das ist klar. Eine Ausnahme? Nein, auch Janine, die junge Frau mit dem verträumten Blick, ist im Alltag auf den Rollstuhl als Hilfsmittel angewiesen. „Aber auch die nicht sichtbaren Handicaps können eine große Belastung sein“, weiß Christina, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten erst einen Schub hinter sich hatte: "Alleine hätte ich mich nie in ein Karussell getraut, ich war danach total stolz auf mich und Andy."

Der Mut der MS-Erkrankten und ihrer Angehörigen, die an dem Spot mitgewirkt haben, ist beeindruckend. Ebenso die Bereitschaft der vielen Menschen, die mitgeholfen haben, dieses Projekt zu ermöglichen. Wie Kerstin, die als Nachbarin spontan eingesprungen ist und die junge Familie aus NRW nach Hannover gefahren hat. Alle zogen an einem Strang - von der Auszubildenden Kim, die im Alter von acht Jahren die Diagnose MS erhielt, wie zuvor schon ihre Mutter. Dennoch arbeitet sie heute als Moderatorin und Modell. In ihrer Freizeit kümmert sie sich um junge Menschen, die gerade die Diagnose erhalten haben.

Oder YouTuber Kevin, der mit seiner offenen Art als MS-Reporter in der DMSG-Community zum Austausch einlädt. Auch Daniel setzt seit vielen Jahren auf den offenen Umgang mit der Erkrankung. Diese positive Einstellung eint auch Gruppenleiterin Elke, die erst kürzlich den Klettersicherungs-Schein erworben hat, und Renate (77), die lange Zeit als Alleinerziehende ihre beiden Söhne versorgt hat und bis zum Renteneintritt in Vollzeit berufstätig war. Oder Kerstin aus London, die wie ihre Schwester an MS erkrankt ist, aber trotz des Ausstiegs aus dem Leistungssport als Spielerin im Hockey-Nationalteam nie den Lebensmut verloren hat. 

Bis zum Regisseur Olli Boehm, der seit 10 Jahren mit MS lebt. Vor allem aber ist Olli Boehm ein Künstler und preisgekrönter Werbefilmer. Als sich die Symptome der Erkrankung nicht mehr verbergen ließen, habe er viel Ablehnung von ehemaligen Kunden und Geschäftspartner erlebt, berichtet Boehm: „Ich war auf  einmal nicht mehr der junge, dynamische Kreative und Regisseur.“

Mehr lesen Sie in Kürze auf www.dmsg.de

Sie alle wollen durch ihre Teilnahme am Spot und den Berichten in den kommenden Wochen ihren ganz individuellen Weg im Umgang mit der Krankheit zeigen, Vorurteile beseitigen und auch denjenigen eine Stimme geben, die noch nicht den Mut haben, öffentlich zu ihrer Erkrankung zu stehen oder körperlich nicht mehr dazu in der Lage sind. Ihnen allen Gehör zu verschaffen, ist das Ziel des Spots, der bereits im TV ausgestrahlt wird, auf zahlreichen Plattformen im Internet zum Austausch anregt und in verschiedenen Versionen auch den DMSG-Landesverbänden zur Spenden- und Mitglieder-Gewinnung zur Verfügung gestellt worden ist.

Die Vielfalt der Verläufe und Biografien zeigt deutlich, dass die MS zu Recht den Ruf als Krankheit mit den 1000 Gesichtern hat.

Ein Spot bewegt und mobilisiert Unterstützung im Kampf gegen Multiple Sklerose

„Irgendwie kennt jeder jemanden, der auch MS hat“, diese Erfahrung wurde beim Dreh häufig geäußert. Und es lohnt sich zu kämpfen. Es hat sich viel hat getan durch die Aufklärungsarbeit der DMSG. Heute trauen sich mehr MS-Erkrankte als je zuvor, offen mit ihrer Erkrankung umzugehen. Sei es im Beruf, bei der Familiengründung oder in der Gesellschaft. Immer mehr Arbeitgeber wissen, dass MS nicht mit Rollstuhl einhergehen muss, und viele MS-Erkrankte viel länger im Arbeitsleben verbleiben.

Sich gegenseitig zu motivieren, ist wichtig, weiß Daniel, der sich aufgrund der MS beruflich neu orientiert hat. Auch Kevin und Kim haben ihre Arbeitgeber über ihre MS informiert. "Es ist hart, mit MS zu leben, aber es härter zu versuchen, die Krankheit zu ignorieren und zu verschweigen", weiß Chris, der seinen beruflichen Schwerpunkt mithilfe von Eingliederungs-Management und der DMSG neu ausgerichtet hat.

Gemeinsam stärker als MS

Die Dreharbeiten waren nur der Startschuss für eine langfristige Aktion. In den kommenden Wochen werden wir die Protagonisten aus dem Film auf www.dmsg.de näher vorstellen. Und auch die vielen anderen Menschen, die sich im Rahmen der Berichterstattung bereits gemeldet haben und mit ihren Erfahrungen dazu beitragen wollen, Verständnis für die Betroffenen zu wecken und Barrieren zu beseitigen. Es sind Geschichten voller Hoffnung, Mut und Liebe, die aber auch von schweren Krisen, Neubeginn und Abschied zeugen.

Eine Version des Spots birgt ein Geheimnis, das in Kürze auf www.dmsg.de gelüftet wird. Im Intro einer Version des TV-Spots ist „Für Marie“ zu lesen. Doch wer ist Marie?

Ein herzliches Dankeschön an alle, die diesen Spot möglich gemacht haben

Der DMSG-Bundesverband bedankt sich bei allen Beteiligten an diesem Projekt - den Darstellern, dem Regisseur Olli Boehm, Filmproduzent Thomas Stein, der DAK Gesundheit für die finanzielle Unterstützung, der Band und dem Manager von Fury in the Slaughterhouse, Universal Music, dem an MS erkrankten Komponisten Ingo Nather, der ZDF-Sprecherin Stefanie Mau, der Sängerin Sarah Ann Starks, Holger Krüger vom Tonstudio Sinus-AV, Rüdiger Chmielus von Barbecue-Design für die Postproduktion und der Schaustellerfamilie Otto Wendler, die uns für die Dreharbeiten einen Tag lang kostenlos ihr Kettenkarussell zur Verfügung gestellt hat. Auch in Schaustellerkreisen ist die Erkrankung bekannt. Otto Wendler hat zwei Kollegen, die den anstrengenden Arbeitsalltag als Schausteller mit MS bewältigen.

 

 

- 17.07.2017