DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Interessenvertretung

30 Jahre im Dienst der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft

Fragen an Dorothea Pitschnau-Michel, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG)

Dorothea Pitschnau-Michel, DMSG-Bundesgeschäftsführerin

Seit 30 Jahren setzt sich Dorothea Pitschnau-Michel beruflich und ehrenamtlich für die Anliegen von MS-Erkrankten ein. Für ihr nationales und internationales Engagement wurde sie jetzt mit dem Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet -wir berichteten. Im Interview mit der DMSG-Verbandszeitschrift "aktiv" berichtet sie über ihre Motivation und Meilensteine in der Entwicklung der DMSG zur schlagkräftigen Interessenvertretung und zum fachkundigen Ansprechpartner für MS-Erkrankte, deren Familien und Angehörige der Gesundheitsberufe, der gleichermaßen Information, Orientierung und Unterstützung bietet rund um die Krankheit.

1984 wurden Sie Geschäftsführerin des zu diesem Zeitpunkt noch sehr jungen Landesverbandes der DMSG in Niedersachsen. Was hat Sie an der Tätigkeit gereizt?

Pitschnau-Michel: Im November 1983 wurde das Sozialwerk der Deutschen MS Gesellschaft im Paritätischen Niedersachsen in einen offiziellen Landesverband der DMSG umgewandelt. Die Aussicht, hier gestaltend mitzuwirken und dazu beizutragen, den jungen Verband auf eine inhaltlich und betriebswirtschaftlich gute Basis zu stellen, hat mich sehr gereizt.

Welche dringlichen Probleme galt es in der Anfangszeit zu lösen?

Pitschnau-Michel: Der DMSG-Landesverband Niedersachsen hatte nur Verwaltungskräfte und einige ehrenamtliche Helfer in Hannover, es fehlten themenbezogene qualifizierte Mitarbeiter wie beispielsweise Sozialarbeiter und Psychologen. Konzepte für die Arbeit in Selbsthilfegruppen und Beratungsstrukturen waren nicht vorhanden, es gab weder eine finanzielle Basis für die Entwicklung des Verbandes, noch eine funktionierende Mitgliederverwaltung, keine Spendenakquisition und keine nennenswerten Aktivitäten in den Regionen von Niedersachsen.

Wo lagen die Aufgaben-Schwerpunkte im DMSG-Landesverband Niedersachsen?

Pitschnau-Michel: Mein vordringliches Anliegen, gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen, war es, möglichst schnell ein funktionierendes Beratungsnetz in ganz Niedersachsen zu installieren. Dazu habe ich damals ein völlig neues Beratungsstellenkonzept entwickelt. Bis dato war die Betreuung MS-Erkrankter im Wesentlichen von "aufsuchender Fürsorge" geprägt. Das heißt, einige wenige Betroffene wurden zu Hause besucht, es gab keine Beratungsstellen und kaum Räumlichkeiten, in denen sich MS-Erkrankte treffen konnten. Die Konzeption sah für jeden Regierungsbezirk eine Beratungsstelle mit einem hauptamtlichen Sozialarbeiter, einem Psychologen auf Honorarbasis sowie drei Zivildienstleistenden vor und natürlich ein entsprechendes inhaltliches Programm, das beispielsweise erstmals in Deutschland auch eine Krisenintervention mit dem Einsatz von Psychologen beinhaltete. Die DMSG hat seinerzeit damit absolutes Neuland betreten. Die zwischen 1984 und 1987 eingerichteten Beratungsstellen in Hannover, Osnabrück, Emden, Bremerhaven, Lüneburg, Braunschweig und Göttingen machten eine regionale Ansprechbarkeit für MS-Erkrankte und eine vor Ort vernetzte Unterstützung der Gruppenarbeit möglich. Dieses Konzept wurde von vielen anderen Landesverbänden übernommen und gilt in zum Teil etwas abgewandelter Form noch heute.

1993 wurden Sie zur Bundesgeschäftsführerin der DMSG berufen. Welche wesentlichen Unterschiede in den Aufgabenbereichen waren/sind zu bewältigen?

Pitschnau-Michel: Die Aufgaben des Bundesverbandes unterscheiden sich grundlegend von denen der Landesverbände. Wie im Grundsatzprogramm DMSG 2000 festgelegt, übernimmt der Bundesverband keine Beratungsarbeit, sondern unterstützt die Landesverbände u.a. durch die Bereitstellung von Informations- und Aufklärungsmaterialien sowie durch Fortbildungen für die Mitarbeiter. Außerdem initiiert und unterstützt er MS-Forschungsprojekte, vertritt die Interessen MS-Erkrankter in der Politik und ist nicht zuletzt für die internationale Zusammenarbeit in der European Multiple Sclerosis Platform (EMSP) und der Multiple Sclerosis International Federation (MSIF) zuständig.

Als ich meine Tätigkeit beim Bundesverband begann, waren die Auswirkungen der Wende noch spürbar – die jungen Landesverbände in den neuen Bundesländern bedurften intensiver Unterstützung. Der Bundesverband selbst war zu diesem Zeitpunkt finanziell in bedrängter Lage und ein Konsolidierungsprogramm, auch im Hinblick auf finanzielle, personelle und inhaltliche Vorgaben, war zu erstellen. Die Geschäftsstelle musste umstrukturiert und in klare Arbeitsfelder eingeteilt werden, so entstanden die Referate Geschäftsführung, Gesundheits- und Sozialpolitik, Öffentlichkeitsarbeit sowie Organisation und Finanzen.

Was hat sich in den vergangenen 20 Jahren hinsichtlich der Ausrichtung der DMSG verändert?

Pitschnau-Michel: Mit dem Aufkommen der Basistherapeutika Mitte der 90-er Jahre veränderte sich auch der Informationsbedarf. MS-Erkrankte benötigten umfassende, verständliche und vor allem unabhängige Aufklärung und Information. Darauf reagierte der Bundesverband bereits 1996 mit einem Internetauftritt sowie bis heute mit einem breiten Angebot an Broschüren, Ratgebern, interaktiven Tools, Podcasts, Foren, Jugend- und Sportportal, mit Facebook-Präsenz, Messeauftritten und Symposien.

2001 wurde das Deutsche MS-Register ins Leben gerufen, DMSG-Zertifikate für Anerkannte MS-Zentren zur besseren Orientierung für MS-Erkrankte geschaffen, Fortbildungen für Pflegekräfte, MS-Schwestern und Physiotherapeuten sowie für die Mitarbeiter der Landesverbände entwickelt. Auch die internationale Arbeit wurde aktiviert und intensiviert, ihren Niederschlag fand dies in der Implementierung des Europäischen Code of good Practice, für den der DMSG-Bundesverband Pionierarbeit leistete, und bei der Initiierung eines Europäischen MS-Register-Projektes nach dem Vorbild des Deutschen MS-Registers. Das wichtige Aufgabenfeld der Interessenvertretung wurde intensiv ausgebaut. Durch den Sitz der DMSG im Gemeinsamen Bundesausschuss als Patientenvertreter konnte ein wesentlicher Erfolg in der Einflussnahme auf die Versorgungsqualität erreicht werden.

Wohin wird der Weg führen?

Pitschnau-Michel: Wir kommen an den neuen Medien, insbesondere an den Möglichkeiten, die die sozialen Netzwerke bieten, nicht vorbei. Diese Form der Kommunikation prägt eine ganze Generation und wir müssen die Chance, hierüber junge Menschen zu erreichen, unbedingt nutzen.
Ohne die Bedürfnisse der älteren MS-Erkrankten zu vernachlässigen, müssen wir Zusatzangebote etablieren, die die Lebenswirklichkeit junger Menschen abbilden. Das beginnt schon damit, dass alle die in der DMSG Verantwortung tragen, in gewisser Weise umdenken müssen: Wenn die DMSG erreichen will, dass die junge Generation sich einbringt und engagiert, können wir z.B. nicht ausschließlich auf einem althergebrachten Verständnis von Engagement beharren, sondern müssen moderne Alternativen anbieten, zum Beispiel mit virtuellen Selbsthilfegruppen im Internet.


Im Rahmen des Welt MS Tages bittet der DMSG-Bundesverband unter dem Motto "Gleiche Chancen trotz MS. Wir arbeiten dran. Helfen Sie mit" MS-Erkrankte und ihre Angehörigen um ihre Meinung, was ihnen das Leben mit MS erleichtern würde und wo sie Handlungsbed

Mit einem Klick auf die Grafik sind Sie dabei:

- 26.03.2014