DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Atlas der MS: Zahl der Multiple Sklerose-Erkrankten steigt auf weltweit 2,8 Millionen

Alle fünf Minuten erhält irgendwo auf der Welt jemand die Diagnose Multiple Sklerose (MS). Laut der bisher umfangreichsten globalen Studie, dem Atlas der MS, gibt es heute weltweit 2,8 Millionen Menschen mit MS. In Deutschland liegt die Zahl der MS-Erkrankten jetzt bei geschätzt 252.000 Menschen. Das heißt: Eine(r) von 300 hat MS.

Die bisher genaueste Schätzung der MS International Federation zeigt, dass im globalen Durchschnitt mindestens einer von 3.000 Menschen mit der Krankheit lebt. In den Ländern mit der höchsten Prävalenz steigt diese Zahl jedoch – wie in Deutschland - auf bis zu einem von 300 Menschen an.

Der MS-Atlas belegt darüber hinaus, dass die Zahl der Menschen mit MS seit der letzten Ausgabe dieser, von der internationalen Gemeinschaft der MS-Gesellschaften initiierten Erhebung, im Jahr 2013 in jeder Weltregion zugenommen hat. Obwohl bessere Zählmethoden, genauere Diagnosen und Bevölkerungswachstum nur einige der Faktoren für den Anstieg sind, kann ein erhöhtes Risiko, an MS zu erkranken, nicht ausgeschlossen werden.

Zahlen aus Deutschland: Fast 15.000 Mal im Jahr lautet die Diagnose zum ersten Mal Multiple Sklerose

In Deutschland werden jedes Jahr 14.600 Menschen neu mit MS diagnostiziert. 72 Prozent der Menschen mit MS in Deutschland sind Frauen. Das durchschnittliche Alter bei Diagnosestellung liegt bei 33 Jahren. (Zahlen aus dem MS-Register der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.)

Die neurologische Erkrankung betrifft das Gehirn und das Rückenmark. Die Symptome sind von Person zu Person sehr unterschiedlich, können aber verschwommenes Sehen, Kribbeln, Schwindel und Müdigkeit umfassen.

Bei 94 Prozent der Menschen wird anfänglich eine schubförmig remittierende MS diagnostiziert, bei der sie Phasen des Rückfalls und der Remission erleben, während bei sechs Prozent eine progrediente MS diagnostiziert wird.

Leben mit MS

Normalerweise wird MS im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt diagnostiziert, aber sie kann in jedem Alter auftreten, wobei das weltweite Durchschnittsalter der Diagnose 32 Jahre beträgt. Da es sich um ein Alter handelt, in dem Menschen möglicherweise einen Langzeitpartner finden, Kinder bekommen und Karriere machen, ist es wichtig, dass Unterstützungsmechanismen zur Verfügung stehen, damit auch Menschen mit MS das Leben führen können, das sie sich wünschen. Hierbei hilft in Deutschland das Projekt Plan Baby bei MS, mit dem die DMSG jungen Eltern mit MS beratend zur Seite steht.

Diagnose Multiple Sklerose: Immer mehr Kinder betroffen

MS ist jedoch nicht nur eine Erkrankung von Erwachsenen. Die globale Studie zeigt, dass mindestens 30.000 unter 18-Jährige mit MS leben. Die Internationale MS-Föderation fordert ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass auch Kinder und Jugendliche an MS erkranken können, sowie eine bessere Datenerhebung über pädiatrische MS-Fälle.

"Je früher eine MS-Erkrankung diagnostiziert wird, desto größer ist die Chance, eine dem Verlauf angepasste Therapie zu beginnen. Die heutigen Immuntherapien der MS bieten die Möglichkeit, Schübe zu verhindern und ein Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern. Das bedeutet für die Patienten einen Gewinn an Lebensqualität  und Teilhabe", verdeutlicht Prof. Dr. med. Judith Haas, Vorsitzende des DMSG-Bundesverbandes.

Bislang umfassendste internationale Studie zur Verbreitung der MS

Der MS-Atlas ist die bisher umfassendste Studie, die das "Wo, wann und wer" von MS abbildet. Die Studie der Epidemiologie beweist ihren Wert jeden Tag, hängt aber natürlich von der Qualität der gesammelten und zur Verfügung gestellten Daten ab. Deutschland kann sich durch die Arbeit des MS-Registers des DMSG-Bundesverbandes auf eine verlässliche Datengrundlage berufen. Der MS-Atlas zeigt, dass sich diese Qualität auch weltweit verbessert, wenngleich es in den kommenden Jahren noch viel Raum für weitere Fortschritte gibt. Experten aus 115 Ländern haben die epidemiologische Umfrage abgeschlossen, die 87 Prozent der Weltbevölkerung repräsentiert - ein Anstieg von 106 teilnehmenden Ländern im Vergleich zum Jahr 2013.

Auch die Qualität der Prävalenzdaten hat sich verbessert: 84 Prozent der Länder konnten sich auf von Fachkollegen begutachtete Publikationen, MS-Register oder elektronische Gesundheitsakten als Quelle berufen, gegenüber 71 Prozent im Jahr 2013. Obwohl dies die umfangreichste weltweite Studie ist, die MS kartographiert und zählt, gibt es immer noch große Lücken in der globalen Evidenz. Die Internationale MS-Föderation ruft Regierungen, Angehörige der Gesundheitsberufe, Patientenorganisationen und andere auf, die Sammlung von Daten über MS zu verbessern. Nur auf diese Weise wird die wahre globale Belastung durch MS sichtbar werden.

Zum Atlas der MS: Die Schätzung von 2,8 Millionen Menschen mit MS ist höher als die letzte Schätzung von 2,3 Millionen Menschen im Jahr 2013. Der Anstieg lässt sich durch seitdem verbesserte Zählmethoden auf nationaler und globaler Ebene sowie durch eine bessere Diagnose, ein längeres Leben der Menschen mit MS und das Bevölkerungswachstum erklären. Aufgrund von Änderungen in den Berechnungsmethoden kann die Zahl für 2020 nicht direkt mit der globalen Schätzung aus dem Jahr 2013 verglichen werden. Würden die gleichen Berechnungsmethoden verwendet, wäre die globale Schätzung innerhalb von sieben Jahren um 30 Prozent gestiegen.
Weitere Infos: www.atlasofms.org

Quelle: Multiple Sclerosis International Federation (MSIF), Atlas of MS - 11.09.2020

11.09.2020