DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

DMSG-Bundesverband würdigt herausragende ehrenamtliche Leistungen für Menschen mit Multipler Sklerose bei Festakt

Mit einem Festakt in der Glashalle des Internationalen Handelszentrums hat die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Bundesverband e.V. unter Beachtung der 3G-Regeln langjährig verdienstvolle Persönlichkeiten geehrt und dankte für ihren Einsatz in der Pflege, in der Selbsthilfe und in Projekten der DMSG. Schirmherr Christian Wulff, Bundespräsident a.D. gratulierte den Preisträgern per Video-Übertragung. Durch den Abend führte Moderator Kevin Hoffmann, während Sängerin Jenna Akua Stern für die musikalische Untermalung sorgte.

Förderung der MS-Forschung, Beratung in medizinischen, rechtlichen, beruflichen und sozialen Fragen, unabhängige Informationen – auch in Zeiten der Corona-Pandemie: In der DMSG arbeiten die vom F.A.Z-Institut als Helden der Krise" ausgezeichneten haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter mit dem Ziel, die Lebensqualität MS-Erkrankter zu verbessern. Dabei zeigt sich tagtäglich, dass die vielfältigen Aufgabenbereiche, die die DMSG als Selbsthilfe-Organisation zu bewältigen hat, ohne das selbstlose Engagement der über 4.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht möglich wäre. Um diese Leistungen zu würdigen, bedankt sich der DMSG-Bundesverband mit einem Festakt bei Ehrenamtlichen, die sich seit vielen Jahren in besonderem Maße für MS-Erkrankte eingesetzt haben. In ihren Laudationes stellten die Vorsitzende des DMSG-Bundesverbandes Prof. Dr. med. Judith Haas und Schirmherr Christian Wulff, Bundespräsident a. D. die Leistungen der Preisträger vor. Die Urkunden und Preise wurden von den stellvertretenden Vorsitzenden Dr. med. Dieter Pöhlau und Gerhard Thümler sowie dem DMSG-Bundesgeschäftsführer Herbert Temmes überreicht.

 

 

Käte Hammersen-Preis für Prof. Dr. med. Jürgen Hartmut Faiss

Als Neurologe mit dem Schwerpunkt MS genießt Prof. Faiss national und international hohe Anerkennung. Mit seinem Team setzte er neue Maßstäbe in der Therapie und Versorgung für MS-Erkrankte. „Sein professioneller Rat, seine medizinische Kompetenz, seine Expertise auf dem Gebiet des MS-Therapiemanagements und seine herzliche Zuwendung zu den Patienten, haben in den zurückliegenden Jahrzehnten in hohem Maße dazu beigetragen, dass MS-Erkrankte auf eine ganzheitliche Versorgung vertrauen können“, würdigte Laudator Christian Wulff auch die von Prof. Faiss geleistete Pionierarbeit bei der gemeinsam mit dem DMSG-Bundesverband in 2007 initiierten 18-monatigen Fortbildung "MS-Therapiemanagement“. Nach diesem Modell baute er mit Unterstützung seiner Frau in Teupitz ein MS-Management-Programm auf. Der Grundstein für die Qualifikation von auf MS spezialisierten Pflegekräften war gelegt.

MS Nurse PROfessional

Darauf aufbauend eröffnet das mit seiner Hilfe konstituierte online-basierte Qualifizierungsprogramm MS Nurse PROfessional nicht nur Pflege- und Fachkräften eine ortsunabhängige Möglichkeit, mehr über Diagnose, Behandlung, Pflege und Betreuung bei MS zu lernen. Für die Versorgung von MS-Erkrankten will er sich auch im Ruhestand weiterhin einsetzen – in der Task Force Pflege und auf politischer Ebene. Ein Anliegen des renommierten Mediziners bleibt es, dass die Leistungen von MS Schwestern Einzug in das Vergütungssystem der Kostenträger finden. Innerhalb der DMSG wird sich Prof. Faiss weiter als stellvertretender Vorsitzender des ärztlichen Beirats im Landesverband Brandenburg engagieren. Sein Preisgeld möchte er persönlich an bedürftige MS-Erkrankte im DMSG-Landesverband Brandenburg weitergeben, erklärte Prof. Faiss in seinem per Video übertragenen Dank.

Ehrenabzeichen in Bronze für Prof. Dr. med. Stefan Jung

Prof. Jung, seit 2011 Vorsitzender des DMSG Landesverbandes Saarland e.V war schon zu Beginn seiner medizinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit wichtig, die Beratung, Betreuung und Versorgung der MS-Erkrankten weiterzuentwickeln. Prof. Jung zeichnet sich neben seiner spezifischen Kompetenz für Multiple Sklerose durch sein Interesse an den Menschen aus. Seine Patienten schätzen ihn wegen seiner Klarheit, seiner Empathie und seinem Interesse, die bestmögliche Therapie und Versorgung zu etablieren.

Seit 2011 Vorstandsvorsitz der DMSG Saarland

Seit 2007 ist Prof. Jung Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Marienhausklinik Saarlouis. Im Vorstand des Landesverbandes Saarland engagiert sich Prof Jung seit 2006. Im Jahr 2011 übernahm er als Nachfolger von Prof. Dr. Klaus Schimrigk den Vorstandsvorsitz. Dem Betreuungs- und Pflegepersonal der ambulanten Dienste des Landesverbandes im selbstbestimmten Wohnen für neurologisch erkrankte Menschen steht er regelmäßig und oft auch kurzfristig als Berater zur Verfügung. Er unterstützt dadurch die kontinuierliche Verbesserung der Qualität der Angebote des Landesverbandes, deren Fortbestand ihm sehr am Herzen liegen. „In der Bewältigung der aktuellen pandemischen Situation ist seine Unterstützung und Beratung in den Belangen MS-Erkrankter sowie der Mitarbeiter des Landesverbandes, v.a. im Bereich des selbstbestimmten Wohnens von unschätzbarem Wert“, würdigte Christian Wulff seine Verdienste im Namen der gesamten DMSG.

Pia Näbauer-Preis für Loreen Michalski

In Würdigung der herausragenden Verdienste der Ehrenpräsidentin des DMSG-Bundesverbandes, Pia Näbauer, soll diese Ehrung junge Menschen mit MS ermutigen, sich innerhalb der DMSG zu engagieren und den Belangen MS-Erkrankter zwischen 18 und 35 Jahren Gehör zu verschaffen.

Die diesjährige Preisträgerin Loreen Michalski erhielt im Alter von 15 Jahren die Diagnose MS. Nach Recherchen auf der Website der DMSG wurde sie 2007 Mitglied im DMSG Landesverband Thüringen. Im Rahmen ihrer Seminarfacharbeit in der 12. Klasse über „MS in der Jugend“ erstellte sie eine Homepage und gründete darin ein Forum für Jugendliche mit MS. Zum Tag der „Offenen Tür“ im Thüringer Landtag stellte Loreen Michalski das Projekt der Öffentlichkeit vor.

Christian Wulff: „Eine Mut-Macherin, wie sie im Buche steht“

Im Uniklinikum Göttingen, dem Zentrum für Kinder und Jugendliche mit MS wurde sie im Rahmen eines MS-Forums von der Moderatorin Vera Cordes (bekannt aus Visite, NDR) zu ihren Erfahrungen interviewt. Ihre Arbeitgeber hat die Immobilienkauffrau stets über ihre MS-bedingten Einschränkungen informiert. Sie ist sehr froh, einen toleranten Chef und ein geregeltes Einkommen zu haben. Seit 2018 leitet sie eine Selbsthilfegruppe und einen offenen Stammtisch. Als ausgebildete Betroffenenberaterin berät sie in Augenhöhe Ratsuchende. 2019 wurde sie zur stellv. Vorsitzende des Beirates MS-Erkrankter des Landesverbandes gewählt.

In Ihrer ehrenamtlichen Arbeit hat sie sich besonders um junge MS-Betroffene verdient gemacht. „Sie sind eine Mut-Macherin, wie sie im Buche steht“, betonte Laudator Christian Wulff.

Pflegepreise für unbezahlbaren Einsatz

Dankenswerterweise stiftete die Merck Serono GmbH dem Bundesverband der DMSG drei Pflegepreise, mit denen seit vielen Jahren in der Pflege tätige Angehörige MS-Erkrankter für ihr großartiges Engagement belohnt werden.

Dieter Piechottka ist seit 1976 mit seiner Frau verheiratet. Vorboten der MS gab es schon damals. Die Symptome deuten konnte allerdings keiner. In den Siebzigerjahren war noch nicht viel über MS bekannt. Erst nach dem Kontakt zur DMSG wusste er mehr über die Erkrankung seiner Frau. Er steht ihr zur Seite – kümmert sich um alle Pflegetätigkeiten, den Haushalt, gibt Hilfestellungen bei alltäglichen Dingen und hat die häusliche Umgebung den Gegebenheiten angepasst. Ihre Lebensqualität wird durch therapeutisches Reiten gesteigert. Dank Dieter Piechottka verfügt die DMSG-Gruppe Dithmarschen über ein eigenes Pferd, finanziert durch Spenden. In der Reitgruppe wird wöchentlich das Training unter seiner Anleitung für seine Frau und andere schwer an MS Erkrankte durchgeführt.

 

 

Karin Gaus-Reichelt/ AMSEL, DMSG-Landesverband in Baden-Württemberg

Mit dem Thema Pflege ist Karin Gaus-Reichelt, auch beruflich vertraut. Ihren Mann lernte Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit bei dem ambulanten Pflegedienst kennen, der Ihren Mann betreute. Als Ihr Mann einer Ihrer Patienten wurde, war er bereits seit 31 Jahren an MS erkrankt. Sie waren sich sofort sympathisch, teilen den gleichen Humor.

Der berufliche Wechsel von Ihnen zum Medizinischen Dienst erwies sich als glückliche Fügung: Aus Sympathie wurde Liebe. Heute sind Sie verheiratet. In den ersten Jahren war Ihr Partner noch relativ selbstständig, konnte Auto fahren und war als Vorsitzender der Göppinger AMSEL-Kontaktgruppe und im Landesverband aktiv. In der letzten Zeit hat sich sein Zustand stark verschlechtert. Ihr Mann kann kaum noch sprechen und schlucken. Schon lange benötigt er einen Rollstuhl, sein Unterstützungs- und Pflegebedarf ist sehr hoch. Karin Gaus-Reichelt, arbeitet noch im Bereich Pflegeberatung und Begutachtung und ist ansonsten für Ihren Mann da.

Während Sie beruflich unterwegs ist, wird Ihr Mann von einem ambulanten Pflegedienst versorgt. Ihr ist es wichtig, dass Ihr Mann – soweit es geht - am normalen Leben teilnimmt. Sie sorgt dafür, dass er kulturelle Veranstaltungen besuchen kann und sich an den Begegnungen und dem Austausch mit anderen MS-Erkrankten bei Gruppentreffen beteiligt.

 

 

Ingrid Werner / Bayern

Als Ingrid Werner ihren Mann Reinhardt kennenlernte, war er aktiver Fußballer im örtlichen Fußballverein. Sie bekamen zwei Töchter und einen Sohn und kauften ein kleines Haus. 1989, zwei Jahre nach der Geburt ihres jüngsten Kindes, wurde bei Reinhardt Werner die Diagnose MS gestellt. Schon nach dem ersten Schub nahm die Krankheit einen chronischen Verlauf, zwang ihn in den Rollstuhl und zur Aufgabe seiner Berufstätigkeit. Seit etwa dem Jahr 2000 ist er an Armen und Beinen komplett gelähmt, nur sein Kopf ist frei beweglich.

Sie übernahm von Anfang an die komplette Pflege Ihres Mannes, leistet eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung. Dabei ist er geistig sehr rege und sein sprachliches Ausdrucksvermögen ist glücklicherweise wenig betroffen. Sie, liebe Frau Werner, machen Ihrem Mann immer wieder Mut, indem Sie ihm versichern, ihn niemals in ein Pflegeheim zu geben, betonte Christian Wulff. "Ihre drei Kinder sind mit der Erkrankung des Vaters ganz selbstverständlich aufgewachsen und erfreuen Sie heute mit sieben Enkelkindern. Die Familie hält zusammen und entlastet Sie regelmäßig bei der Pflege". Ein Pflegedienst ist nicht eingeplant.

 

 

Auszeichnung der Gewinner des Wettbewerbs zum Welt-MS-Tag 2021

„Stay Connected – Wir bleiben in Verbindung“ lautete das Motto zum Welt-MS-Tag 2021. In Verbindung zu bleiben ist eine Herausforderung in Zeiten von Corona und Kontaktbeschränkungen. Umso beeindruckender war die Kreativität der Teilnehmer am Wettbewerb zur Umsetzung des Mottos, betonte die Vorsitzende des DMSG-Bundesverbandes, Prof. Dr. med. Judith Haas in ihrer Laudatio: „Als Mitglied der Jury kann ich Ihnen sagen, es war eine einstimmige Entscheidung, für die ich mich bei den Juroren herzlich bedanke:

  • DMSG-Schirmherr Christian Wulff, Bundespräsident a.D.
  • Claudia Schilewski, Markus van de Loo und Georg Pellinnis aus dem Vorstand des Bundesbeirates MS-Erkrankter
  • und dem an MS erkrankten Cartoonisten Phil Hubbe

Den ersten Platz erreichte das Telefonpaten-Projekt einer Gruppe MS-Erkrankter aus dem Landesverband Bayern. Sie unterstützen Menschen, die während der Corona-Pandemie nur wenig soziale Kontakte haben und ein persönliches Gespräch am Telefon schätzen. Das Projekt ist ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel der Beratungskräfte in den Kontaktstellen und den ehrenamtlichen Helfern der DMSG.

Stellvertretend für die zehn MS-Erkrankten, die ehrenamtlich mindestens einmal pro Woche telefonisch Kontakt mit den etwa 20 Patenpartnern halten, überreichte Prof. Haas die Urkunde an Monika Stöcklein: „Liebe Frau Stöcklein: Mit dem Patenteam haben Sie gemeinsam ein Mut-Mach-Projekt geschaffen, das über die Corona-Zeit hinaus Bestand hat. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken. Bitte richten Sie allen Paten-Tandems unsere besten Grüße aus.

 

 

Zweiter Preis: Wilhelmine Nikolai / Bayern

Die Vize-Siegerin hat das Motto „Stay Connected“ filmisch umgesetzt. Aus vielen einzelnen Video-Grüßen erstellte Wilhelmine Nikolai einen Kurzfilm. Die Augsburgerin lebt seit 2008 mit der Diagnose MS. Zum Welt-MS-Tag gestaltete Sie in Zusammenarbeit mit ihrer Tochter einen Film zum Motto, der im Internet auf große Resonanz gestoßen ist. Zahlreiche MS-Erkrankte sind ihrem Aufruf gefolgt, filmten sich bei ihren Aktionen während der Pandemie. Ein Film, der Spaß macht und verbindet.

• Hier sehen Sie den Film: https://vimeo.com/618762729/48a19e28f0

Ab sofort ist Ihre Kreativität erneut gefragt: Auf www.dmsg.de wird das Motto zum Welt-MS-Tag 2022 gesucht. Zum dritten und letzten Mal lautet das von der Multiple Sclerosis International Federation (MSIF) vorgegebene Rahmenthema „Connections“ (Verbindungen).

 

 

 

Ehrennadeln: Anerkennung für langjähriges Engagement

Im Rahmen der Verleihung der Ehrennadeln in Gold skizzierte Schirmherr Christian Wulff in kurzen Laudationes die herausragenden Verdienste von:

  • Yeonghee Krug, DMSG-Landesverband (LV) Baden-Württemberg, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter (AMSEL)
  • Dr. Petra Schmidt, LV Bayern
  • Ulf Kilian, LV Hamburg
  • Dietrich Warmbold, LV Niedersachsen
  • Bianca Köller, LV Nordrhein-Westfalen
  • Uwe Stommel, LV Nordrhein-Westfalen

Silber-Nadeln

Für mindestens fünfjährige ehrenamtliche Tätigkeit in besonderem Maße eingesetzt haben sich:

  • Matthias Trefzger, LV AMSEL
  • Anita Permanseder, LV Bayern
  • Malte Halim, LV Bremen
  • Angelika Reuter, LV Hessen
  • Friedrich-Wilhelm Keiner, LV Niedersachsen
  • Hans-Henning Schley, LV Nordrhein-Westfalen
  • Karl-Heinz Krieg, LV Rheinland-Pfalz
  • Claudia von Opel, Rheinland-Pfalz
  • Renate Nitzsche, LV Sachsen
  • Doris Schreiber, LV Schleswig-Holstein
  • Lutz Rose, LV Thüringen

Soul-Klänge und magische Momente

Für viel Beifall sorgten die musikalischen Beiträge von Jenna Akua Stern, die vielen auch durch den vom Musikerteam um DMSG-Mitglied Volker Bussmann produzierten Song Happy Holidays (Link) bekannt ist.

Quelle: DMSG-Bundesverband e.V. - 30.09.2021

- 30.09.2021