DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Interessenvertretung

EU-Deklaration fordert bessere Berufsperspektiven für Menschen mit Multiple Sklerose und anderen neurodegenerativen Krankheiten

Eine neue Offensive zur Stärkung der Lebensqualität für die europaweit mehr als 9 Millionen Menschen mit neurodegenerative Krankheiten (NDDs), darunter mindestens 2,5 Millionen mit Multiple Sklerose, verspricht eine Forderung der European Multiple Sklerosis Platform (EMSP), zu der auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) gehört: Die Mitglieder des EU-Parlaments sind aufgefordert, eine Deklaration zu unterschreiben mit dem Ziel, Menschen mit NDDs in ganz Europa einen längeren Verbleib im Arbeitsleben zu ermöglichen.

Neurogenerative Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und Multiple Sklerose beeinflussen Menschen in verschiedenen Stationen ihrer beruflichen Karriere. Was alle drei Krankheiten gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass die Betroffenen viel früher aus dem Erwerbsleben aussteigen als es aufgrund ihrer gesundheitlichen Konstitution nötig wäre. Zum Beispiel hört (laut einem UK survey) die Hälfte der MS-Erkrankten schon drei Jahre nach der Diagnose auf zu arbeiten. Neuerkrankte sind durchschnittlich 29 Jahre alt, wenn sie die Diagnose MS erhalten.

Was muss getan werden, damit Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen ihren Arbeitsplatz solange wie möglich behalten?

Frischen Wind in diese Frage brachte die Anregung von Angelika Werthmann, Mitglied des Europäischen Parlaments im Anschluss an die von EMSP, Alzheimer Europe und der Europäische Parkinson Gesellschaft organisierten Podiumsdiskussion "Neurodegenerative Erkrankungen am Arbeitsplatz" im Europäischen Parlament. Die Österreicherin sprach sich dafür aus, die EU-Parlamentarier eine schriftliche Absichtserklärung unterschreiben zu lassen, mit der sie den von den Patientenvertretungen entwickelten Maßnahmenkatalog unterstützen. Gemeinsames Ziel ist, die Beschäftigungschancen von jungen Menschen mit neuerodegenerativen Erkrankungen in der ganzen EU zu steigern.

Dorothea Pitschnau-Michel, Bundesgeschäftsführerin der DMSG und Past-Präsdentin der EMSP, bestätigt den Handlungsbedarf: "Die Zahl junger berufstätiger MS-Erkrankter steigt. Zugleich ermöglichen neue Therapien, den Krankheitsverlauf zu bremsen und die Leistungsfähigkeit lange zu erhalten. Vor diesem Hintergrund muss ein Umdenken stattfinden. Auch auf politischer Ebene müssen jetzt die Weichen auf Zukunft gestellt werden und Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Erkrankten einen langen Verbleib im Beruf ermöglichen.

Vier Bausteine als Schlüssel zum längeren Verbleib im Erwerbsleben

Welche Maßnahmen dazu nötig sind, haben die Repräsentanten von der EMSP, Alzheimer Europe und der Europäischen Parkinson Gesellschaft im Rahmen der gemeinsamen Veranstaltung in Brüssel dokumentiert:

  • Durch Schulung und Information der Arbeitgeber und Kollegen die Aufmerksamkeit für die Lage der Erkrankten wecken, das Verständnis fördern und die Stigmatisierung bekämpfen.
  • Eine rechtliche Grundlage schaffen, um den Betroffenen eine bessere Absicherung zu bieten.
  • Anpassungen am Arbeitsplatz: Durch flexible Arbeitszeiten und Ruheräume für Pausen könnten zum Beispiel vom weit verbreiteten Symptom der Fatique Betroffene ihre Arbeitskraft effektiver einteilen.
  • Schnell handeln: Ein früher Zugang zu Diagnose und Therapie erhöht die Chancen, lange beruflich aktiv bleiben zu können.

"Menschen mit MS wollen dringend arbeiten, aber viele Arbeitgeber wollen nicht riskieren, jemanden mit schwankendem Gesundheitszustand zu beschäftigen. Viele MS-Erkrankte könnten arbeiten, wenn die Infrastruktur stimmt", unterstrich Shana Pezaro in ihrer Rede vor dem Plenum die Anliegen aus ihrer Erfahrung als junge MS-Erkrankte, die mit 28 die Diagnose erhielt und im Job geblieben ist. Sie fordert konkrete Maßnahmen, um Leute mit neurodegenerativen Erkrankungen zu unterstützen: "Wir fragen nicht nach Wohltätigkeit, wir wollen, dass unsere Talente sinnvoll genutzt werden.”

Die Verpflichtungserklärung der EU-Parlamentarier soll den Anliegen der Erkrankten Geltung verschaffen und spätestens im Oktober als schriftliche Deklaration vorliegen.

Mehr Informationen zum Thema MS und Beruf bietet der DMSG-Bundesverband in seinen Broschüren:

 

Mein Mitarbeiter hat MS - Ein Leitfaden für Arbeitgeber

 

Einen an MS erkrankten Mitarbeiter weiterbeschäftigen oder gar bewusst einstellen? Viele Arbeitgeber schrecken aus Unkenntnis davor zurück. Dieser Leitfaden klärt kurz über MS auf, gibt Tipps, wie MS-Erkrankte ohne großen Aufwand zu integrieren sind und weist auf mögliche Unterstützung hin.
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Aktiv im Beruf:

Die Diagnose MS bedeutet keinesfalls zwangsläufig das berufliche Aus. Oftmals sind es fehlende Informationen, die zu Schwierigkeiten führen. Der neue DMSG-Ratgeber "Aktiv im Beruf" beantwortet die wichtigsten Fragen und gibt Tipps für den Umgang mit MS am Arbeitsplatz, Informationen zum Arbeitsrecht und nennt Beratungsstellen. Bestellen

Beide Broschüren sind für Mitglieder kostenfrei. Alle anderen zahlen eine Bearbeitungsgebühr. Mehr Infos

  • Im DMSG-Podcast berichtet Susanne Leinberger wie sie Familie, Beruf und MS unter einen Hut bekommt. Hier sehen Sie das Video

Quelle: EMSP

- 06.09.2013