DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
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Großer Erfolg einer Anhörung beim Europäischen Parlament: Geplanter EU-Bericht soll Situation MS-Erkrankter in Europa klarlegen

Auf dem Weg zu einer europaweit einheitlichen bestmöglichen Behandlung von MS-Erkrankten ist die Europäische Multiple Sclerosis Platform (EMSP) ein gutes Stück vorangekommen. Denn als Ergebnis einer Anhörung vor dem Petitionsausschuss am 9. Juli 2003 hat das Europäische Parlament beschlossen, einen offiziellen Bericht zur Situation MS-Erkrankter erstellen zu lassen. Dieser Bericht wird ganz wesentlich dazu beitragen, die Versorgungssituation von MS-Erkrankten in ganz Europa zu verbessern und anzugleichen.

Eine MS-Erkrankte aus England hatte bereits ein Gesuch an den Petitionsausschuss des Brüsseler Parlaments gerichtet, einheitlichen Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten für MS-Kranke in Großbritannien zu gewährleisten. Die 31jährige Louise McVay aus Loughborough reiste selbst am Anhörungstag nach Brüssel, um dafür zu streiten, dass alle MS-Erkrankten in Europa die Möglichkeit erhalten, die zur Verfügung stehenden effektiven Medikamente für MS zu erhalten. Die Vizepräsidentin der EMSP und Bundesgeschäftsführerin der DMSG, Dorothea Pitschnau-Michel, unterstützte sie mit anderen in diesem Anliegen vor dem Ausschuss.

Lesen Sie auch hierzu auch die Rede von Dorothea Pitschnau-Michel vor dem Petitionsausschuss.

Louise McVay reichte beim Brüsseler Parlament ihre Petition ein, weil ihr in England der Zugang zu einer Therapie mit Beta Interferonen verwehrt wurde. Diese Medikamente sind nachweislich dazu geeignet, den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und die Häufigkeit und Schwere von Schüben zu reduzieren. Inzwischen hat Louise eine Behandlung begonnen, die durch eine Studie der britischen Regierung zu Langzeitauswirkungen dieser Medikamente für einen geringen Teil der Erkrankten in England genehmigt wurde. Bevor sich Louise in der Anhörung persönlich an den Petitionsausschuss des Europäischen Parlaments wandte, sagte sie:

„Nach Jahren des Wartens habe ich nun Zugang zu dieser Behandlung. Aber Tausende der 400.000 MS-Erkrankten in Europa warten immer noch. Ich weiß, wie frustriert diese Menschen sind, da sie befürchten, dass sich ihr gesundheitlicher Zustand so weit verschlechtert hat, dass sie von den neuen Behandlungsmöglichkeiten keine wesentliche Hilfe mehr erwarten können. Weitere MS-Kranke werden dazu kommen, wenn mit der Aufnahme zehn weiterer Mitgliedsstaaten in die EU die Zahlen steigen.“

Die Europäische MS-Platform, Vertretung von 29 nationalen MS-Gesellschaften, hat vor kurzem damit begonnen, Therapieempfehlungen für die Multiple Sklerose europaweit abzustimmen. Eine von der EMSP initiierte MS-Interessengruppe im EU-Parlament, bestehend aus europäischen Abgeordneten unter Vorsitz von Catherine Stihler, MEP, Schottland, wies darauf hin, dass eine europaweit aufeinander abgestimmte und patientenorientiertere Forschung auf dem Gebiet der MS notwendig sei.

Dorothea Pitschnau-Michel, Vizepräsidentin der EMSP und Bundesgeschäftsführerin der DMSG betonte in der Anhörung: „Wir freuen uns, dass das Brüsseler Parlament die große Bedeutung von Louises Petition erkannt hat und dass wir mit der heutigen Entscheidung des Petitionsausschusses, durch den Ausschuss für Arbeit und Soziales einen offiziellen EU-Bericht zum Thema MS anfertigen zu lassen, ein gutes Stück voran gekommen sind. In diesem EU-Report werden die Probleme im Zusammenhang mit der Multiplen Sklerose und mögliche Änderungsansätze aufgezeigt werden, um einheitliche und faire Behandlungsmöglichkeiten sowie eine bessere Lebensqualität für jeden MS-Erkrankten in Europa zu erzielen.“

Brüssel, 09. Juli 2003

- 18.07.2003