DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Leben mit MS

"Kinder zu haben, ist ein großes Glück": Manuela Schwesig, Schirmherrin des DMSG-Projektes "Plan Baby bei MS", im Interview

Prominente Unterstützung für das DMSG-Gemeinschaftsprojekt "Plan Baby bei Multipler Sklerose": Die ehemalige Bundesfamilienministerin und frisch vereidigte Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig hat die Schirmherrschaft übernommen. Im Interview mit dem Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft e.V. erklärt die Mutter zweier Kinder was sie motiviert hat, dieses Amt zu übernehmen.

© photothek/Thomas Imo

Manuela Schwesig, Bundesfamilienministerin a.D.

DMSG-Bundesverband: Was hat Sie bewogen, die Schirmherrschaft über das DMSG-Projekt „Plan Baby bei MS“ zu übernehmen?

Bundesfamilienministerin a.D. Manuela Schwesig: Ich weiß, Kinder zu haben, ist ein großes Glück. Ich unterstütze deshalb dieses wichtige Projekt der DMSG, weil ich möchte, dass auch an MS erkrankte Frauen und Männer sich diesen Wunsch erfüllen können. Für junge Menschen mit Kinderwunsch, die an MS erkrankt sind, stellen sich viele Fragen. Dass mit dem neuen DMSG-Gemeinschaftsprojekt „Plan Baby bei MS“ für sie nun in allen Bundesländern Anlaufstellen und Netzwerke zum Austausch bundesweit bereitgestellt werden, ist ein sehr wichtiges Hilfsangebot für junge MS-Erkrankte.

DMSG-Bundesverband: Multiple Sklerose und Familienplanung sind - Gott sei Dank - kein Widerspruch mehr. Dennoch benötigen gerade junge Familien, deren Lebensweg von einer chronischen Erkrankung begleitet wird, adäquate Unterstützung. Wie kann die aus Sicht der Bundesfamilienministerin aussehen?

Bundesfamilienministerin a.D. Manuela Schwesig: Der Staat muss für Chancengleichheit und gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen sorgen. Dazu gehören auch der ungehinderte, einfache Zugang zu den Leistungen des Gesundheitswesen und der Sozialversicherung sowie der Abbau von Barrieren in der Realität und in den Köpfen. Ein wichtiger Punkt ist hier sicher die Aufklärung. Es gilt, die oft verzerrten Bilder über die Erkrankung zu relativieren und in der Öffentlichkeit ein realistisches Bild der Krankheit in ihren vielen Ausprägungen und Stadien zu vermitteln. Viele wissen nicht, dass es ganz unterschiedliche Verläufe der Krankheit gibt: Menschen, die in ihrem Beruf arbeiten können und andere, die körperlich stark eingeschränkt und auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Aufgrund mangelnder Informationen gibt es daher immer noch viele Vorurteile im Umgang mit MS-Kranken. Verstärkte Aufklärung kann das Wissen über das Krankheitsbild vergrößern und die oft vorhandenen Unsicherheiten im Umgang mit betroffenen Menschen abbauen.

DMSG.Bundesverband: Müssen Arbeitgeber umdenken, um - in unserem Fall - MS-erkrankten Müttern bzw. Vätern mehr Sicherheit im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu geben? Hat sich hier in der Praxis schon etwas verändert und was kann bzw. muss Politik hier bewirken?

Manuela Schwesig: Familien mit MS-Erkrankten stehen vor der Herausforderung, Beruf, Familie und Krankheit vereinbaren zu müssen. Viele Familien ohne Chronisch Erkrankte geraten oft schon mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie an ihre Grenzen. Ziel muss sein, Verständnis für die Belange an MS erkrankter Menschen zu fördern, die Betroffenen optimal zu integrieren und sie im Leben mit der Krankheit so zu unterstützen, dass sie weiterhin umfassend am Leben in Beruf und Gesellschaft teilhaben können. Viele MS-Betroffene definieren sich nicht über ihre Krankheit. Als Berufstätige wollen sie wie alle anderen an ihrer Leistung gemessen werden. Das Arbeitsrecht bietet hier bereits viele Möglichkeiten wie sie, soweit es ihre Gesundheit zulässt, auch weiterhin am Arbeitsleben teilnehmen können. Diese müssen ausgeschöpft werden. Hier sind auch die Arbeitgeber gefragt unvoreingenommen und individuell Wege aufzuzeigen, wie eine solche Integration im Betrieb möglich ist.

DMSG-Bundesverband: Sie sind selbst Mutter zweier Kinder. Wie schaffen Sie es, Ihre anspruchsvolle Tätigkeit als Bundesfamilienministerin, als engagierte Politikerin und Ihr Familienleben zu managen, ohne dass das Eine oder das Andere zu kurz kommt?

Manuela Schwesig: Es ist für mich und meinen Mann genauso ein Spagat, wie für viele andere Familien. Aber ich wollte immer beides. Ich liebe meinen Beruf, in dem ich gerne Verantwortung übernehme und ich liebe meine Familie. Vielleicht kommt auch das eine oder andere mal zu kurz, ich versuche einfach, mir nicht so viel Druck zu machen. Meine Kinder haben auch einen tollen Vater, der sich kümmert. Gerade weil mein Mann und ich den Alltag mit Kindern und Beruf kennen, haben wir den größten Respekt vor denen, die ihr tägliches Leben zudem. mit einer chronischen Erkrankung meistern

DMSG-Bundesveband: Sicher sind auch Sie nicht vor Stress gefeit. Wie motivieren Sie sich, woher nehmen Sie die Kraft, sich immer wieder auch für Ihre Ziele, Ihre Ideale, aber auch Ihre Karriere einzusetzen?

Manuela Schwesig: Wie gesagt, ich liebe meine Arbeit. Es motiviert mich, dass ich wirklich etwas bewege und verbessern kann mit meinem Engagement. Es beflügelt geradezu, wenn man zum Beispiel ein umkämpftes Gesetz gegen Widerstände durchbringt, wie die Frauenquote oder das Lohngerechtigkeitsgesetz. An Motivation mangelt es mir nicht. Und Kraft, die tanke ich bei meiner Familie. Es hilft, dass ich mir feste Zeiten für die Familie nehme, dann bleibt das Handy auch mal aus und Berlin ist weit weg. Bei Ausflügen mit dem Rad, beim Spielen und beim ausgedehnten Sonntagsfrühstück tanke ich auf.

DMSG-Bundesverband: Was wünschen Sie dem DMSG-Projekt „Plan Baby bei MS“?

Manuela Schwesig: Viel Erfolg, selbstverständlich. Und das es gelingt, vielen MS erkrankte Frauen und Männern mit Kinderwunsch zu helfen, sich diesen Wunsch zu erfüllen.

Mehr Informationen zum Projekt Plan Baby bei MS und Kontakt zu den Ansprechpartnerinnen in den verschiedenen Landesverbänden finden Sie hier.

Quelle: DMSG-Bundesverband - 11.07.2017

- 11.07.2017