DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Welt MS Tag

Leben mit Multipler Sklerose: Bei Chris van der Meijden geht alles, aber eben nur anders…

„Alles geht, aber eben nur anders…“, lautet das Motto zum Welt MS Tag 2017. Zu verdanken ist dies Chris van der Meijden, dem Gewinner des Wettbewerbs, mit dem der Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft um Vorschläge für Motto und Plakatmotiv gebeten hat. Im Interview verrät der 52-Jährige, was hinter seinem Motto steckt.

© Privat

Chris van der Meijden

„Eines Tages, ich fatiguete so vor mich hin, als ich plötzlich in der aktiv! (der DMSG-Verbandszeitschrift) den Aufruf vom DMSG-Bundesverband las“, berichtet van der Meijden. Mit seinem Motto bezieht er sich auf die Änderungen, die er in seinem Leben nach der Diagnose vorgenommen hat. „Alles geht, aber eben nur anders“ bedeutet für mich, dass Multiple Sklerose das Leben verändert, aber auch andere Horizonte öffnen kann“, verweist er zugleich auf einige Voraussetzungen, die gegeben sein müssen:

  • eine Arbeitsumgebung mit Verständnis für die Krankheit
  • eine medizinische und soziale Versorgung, die Menschsein ermöglicht
  • Hilfe, wenn MS-Symptome mal übermächtig scheinen 
  • und als MS-Erkrankter offen zu bleiben, das Leben zu spüren

Chris van de Meijden erhielt 2015 die Diagnose MS. Schon fünf Jahre zuvor hatten sich bei ihm die ersten Symptome gezeigt. „Die konnte ich erst gar nicht einsortieren“, berichtet der 52-Jährige. Vor anderthalb Jahren machte ein massiver Schub die Diagnose klar. „Dann ging die Mühle los“, erinnert sich der gebürtige Niederländer. „Nach der Diagnose habe ich enorm viel Unterstützung erhalten“, erklärt van der Meijden weiter. Die staatlichen, betrieblichen und die Angebote der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft seien eine große Hilfe gewesen. Die Fatigue belaste ihn bis heute sehr, ebenso die kognitiven Einschränkungen. „Ich brauche meine eigene Geschwindigkeit“, verweist van de Meijden auf diese „schmerzhafte Erfahrung, das ist kein schöner Prozess.“ Seine direkten Vorgesetzten zeigten erst wenig Verständnis. Aber er gab nicht auf und forderte seine Rechte ein. „Ich habe klare Worte gesprochen: Es muss eine Alternative gefunden werden“. Daraufhin wurden die Behindertenbeauftragte und das Eingliederungs-Management eingeschaltet. Mit Erfolg: Eine freie Stelle in der Humanmedizin brachte die Lösung - mit freier Zeiteinteilung, in der trotzdem seine Kreativität und seine Kompetenzen in der Medizininformatik gefragt sind. „Digitalisierung in der Medizin“ lautet das Thema seines Arbeitsschwerpunktes am Klinikum Großhadern in München.

Offen für Veränderungen

Schon mehrfach musste sich Chris van der Meijden in seinem Leben neu orientieren. Mit 12 Jahren zog er mit seinen Eltern von den Niederlanden in ein kleines Dorf in Deutschland. Die berufliche Veränderung seines Vaters als Manager bei einem großen Mineralölkonzern machte diesen Schritt notwendig. Der Wechsel sei prägend gewesen, erklärt er. Die Schule erwies ich als Herausforderung: „Ich hatte nur sechs Wochen Zeit, um die Sprache zu erlernen. Die Folge: Seine Schulnoten rasten in den Keller. Doch die Lehrer an der Dorfschule hatten ein Einsehen und versetzen den aus dem benachbarten Ausland eingewanderten Schüler dennoch. Schnell lebte er sich ein und sieht heute auch auch die Vorteile: „Ich erhielt die Gelegenheit zwei Muttersprachen zu erlernen und meinen kulturellen Horizont zu erweitern“. Zum Studium der Veterinärmedizin zog er nach Hannover.

Mit 25 war er der jüngste Tierarzt in Deutschland

Doch der Beruf habe ihn nicht ausgefüllt, so van der Meijden. Bereits während des Studiums sei er nicht sehr glücklich mit der Wahl seines Studienfaches gewesen. Vielmehr galt sein Interesse der Informatik. Nach dem Studium habe er seine Leidenschaft entdeckt: An der Schnittstelle von Lifescience und Informatik fand er seine neue Bestimmung als Fachtierarzt für Informationstechnologie.

Auch an die Angehörigen denken

Er appelliert an alle MS-Erkrankten, ihren eigenen neuen Weg zu finden und nicht aufzugeben. Wichtig sei, dass das Umfeld mitspielt. „Ich bin froh, dass ich von Anfang an so viel Unterstützung erhalten habe. Doch er sieht auch Handlungsbedarf: „Für mich war überall jemand da, aber für meine Frau gab es nichts“, appelliert er dafür, den Belangen der Angehörigen von MS-Erkrankten mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Seiner Frau und ihm habe ein Angebot des DMSG-Landesverbandes Bayern sehr geholfen. In der Paartherapie habe er gelernt, sich auch in die Situation seiner Frau einzufühlen: „Wie tief die Krankheit auch meine Frau belastet, konnte ich vorher nicht sehen“, weiß er heute. Chris van der Meijden geht offen mit seiner Erkrankung um. Bislang habe er nur positive Erfahrungen mit dieser Vorgehensweise gemacht, betont er: „Ich kann intensiv über meine Erkrankung weinen, aber ich fahre besser damit, wenn ich offen mit meinem Umfeld umgehe.“ Nachteile sehe er eher, wenn er die Diagnose für sich behalten würde: „Wenn ich darüber schweige, bleibe ich alleine!“

Auf großer Fahrt mit dem Elektroauto

im Juni wird van der Meijden sich auf das nächste Abenteuer begeben: Gemeinsam mit einem Freund will er die „eTour Europe“ mit seinem Elektroauto fahren. Das bedeutet: 3.800 km in 9 Tagen durch 9 europäische Städte. inspiriert durch den herrlichen Film "Das große Rennen (The great race)". 

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- 20.04.2017