DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
DMSG International

MS-Barometer: gravierende Unterschiede bei der Versorgung Multiple Sklerose-Erkrankter in Europa

Für die mehr als 600.000 MS-Erkrankten in Europa weist die jüngste Auswertung des MS-Barometers enorme Unterschiede beim Zugang zu Therapien in den verschiedenen Ländern aus: Das MS-Barometer als Projekt der European Multiple Sclerosis Platform (EMSP), bei der die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) als Mitgliedsorganisation im Vorstand mitwirkt, zeigt auf, wo Handlungsbedarf besteht, um auf politischer Ebene eine Steigerung der Lebensqualität für Menschen mit MS zu erzielen.

Das MS-Barometer war im Jahr 2008 im Zuge des von der EU finanzierten Multiple Sclerosis Information Dividend (MS-ID)-Projektes der EMSP, entwickelt worden.
Die Ergebnisse werden alle 2 Jahre erfasst und veröffentlicht. Das Barometer is ein wichtiges Instrument zur Umsetzung des "Code of good Practice" und beleuchtet die Versorgungssituation MS-Erkrankter in den europäischen Staaten. Erstmalig waren die Daten im Jahr 2009 unter Beteiligung von 29 Ländern erfasst worden – im Jahr 2011 beteiligten sich 33 Länder.

Deutschland belegt Spitzenplatz – Schlusslichter sind Weißrussland und Bosnien-Herzegowina

Das als Benchmark-Studie erstellte Barometer basiert auf einer Punktebewertung zu sieben Schlüsselbereichen:
- Zugang zu Behandlung und Therapien
- Forschung
- Erhaltung des Arbeitsplatzes
- Empowerment und Unterstützung für MS-Erkrankte
- Kostenerstattung
- Datensammlung zur Erkrankung
- Zulassung von Medikamenten.

Insgesamt ist eine maximale Punktzahl von 225 zu erreichen. Mit 207 Punkten liegt Deutschland auch 2011 wieder an der Spitze, gefolgt von Island mit 190 Punkten, Schweden mit 184 Punkten und Österreich mit 178 Punkten. Am Ende der Liste stehen Bulgarien mit 62 Punkten, Bosnien-Herzegowina mit 56 Punkten und Weißrussland mit 46 Punkten. Die riesigen Unterschiede in Europa in der Versorgung MS-Erkrankter werden damit deutlich. Im Vergleich zu 2009 gab es nur minimale Verbesserungen in wenigen Ländern, dagegen massive Verschlechterungen in anderen wie z.B. in Bosnien-Herzegowina, Bulgarien oder Russland.

Die DMSG unterstützt europaweites Engagement für die Interessen von MS-Erkankten

Immer noch ist auch die Versorgung mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten sehr unterschiedlich. Während in Deutschland 70 Prozent der Erkrankten Zugang zu entsprechenden Therapien haben, sind es in Polen lediglich 7 Prozent – und diese dann auch nur zeitlich begrenzt. In Weißrussland und Bosnien-Herzegowina müssen Erkrankte die Kosten dafür ausschließlich selbst tragen, zusätzlich begrenzen z.B. in vielen osteuropäischen Ländern langwierige Zulassungsprozesse den Zugang zu neuen Medikamenten. Ähnlich unterschiedlich ist es bei symptomatischen Therapien und dem Zugang zu Rehabilitationsmaßnahmen. Der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und des Arbeitsplatzes ist in vielen Ländern Europas immer noch eine große Herausforderung.
Die Ergebnisse des MS-Barometers sollen europaweit genutzt werden, um bei den nationalen Regierungen Verbesserungen einzufordern.

- 23.11.2012