DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Vererbungsrisiko geringer als vermutet

Multiple Sklerose wird selten an die Kinder vererbt. Dennoch spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle bei der Autoimmunerkrankung. Wie groß die genetische Disposition bei MS tatsächlich ist, wurde von Forschern des Karolinska Institutes in Stockholm untersucht-zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das deutsche MS-Register.

Die genauen Ursachen der Multiplen Sklerose sind bis heute nicht bekannt. Die Vererbung spielt jedoch eine wichtige Rolle. Allerdings scheint das familiäre MS-Risiko niedriger zu sein, als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Datenanalyse aus dem schwedischen Mehr-Generationen-Register sowie dem Zwillingsregister von MS-Patienten.

Kinder von MS-Erkrankten tragen ein fünfmal so hohes MS-Risiko

Die Forscher konnten Daten von insgesamt 28.396 MS-Patienten analysieren. Die Studie zeigte, dass Geschwister von MS-Erkrankten ein siebenfach größeres Risiko hatten, an MS zu erkranken als die Allgemeinbevölkerung. Bei Kindern von MS-Erkrankten war das Risiko um das Fünffache erhöht. Im Gegensatz dazu müssen laut den Studienergebnissen Verwandte wie Enkel, Neffen und Nichten keine Angst davor haben, aufgrund einer Vererbung an MS zu erkranken. Anhand des schwedischen Zwillingsdatenregisters mit Daten von 74.757 eineiigen Zwillingspaaren konnten die Forscher die Bedeutung von genetischen bzw. Umweltfaktoren zur Entstehung von MS untersuchen. Wie bereits in früheren Studien belegt, zeigte sich auch hier, dass sowohl die Gene als auch die Umwelt für die Entstehung von MS verantwortlich sind.

Daten aus Deutschland bestätigen geringes Vererbungsrisiko: In fast 90 Prozent der Fälle haben MS-Erkrankte keine Verwandten mit MS

Die Auswertungen des von der DMSG initiierten deutschen MS-Registers ergaben, dass es bei 12,7 % der Patienten, zu denen Angaben zur familiären MS vorliegen (N insgesamt = 29.194), mindestens einen weiteren MS-Fall in der Familie gibt. Entsprechend haben 87,3% der im MS-Register dokumentierten MS-Patienten keine weiteren MS-Erkrankten in der Familie (Stand der Auswertungsdaten: 09.05.2014).

Um standardisierte Daten zur Prävalenz der MS und deren Unterformen sowie über die Versorgungssituation der Erkrankten innerhalb Deutschlands zu erhalten, wurde im Jahre 2001 unter dem Dach der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. ein MS-Register aufgebaut und kontinuierlich erweitert. Verantwortlich ist die MS Forschungs- und Projektentwicklungs-gGmbH (MSFP-gGmbH), eine Tochtergesellschaft der vom DMSG-Bundesverband gegründeten DMS-Stiftung.

Bis zum 09. Mai 2014 konnten in Verbindung mit dem Zertifikat "Anerkanntes MS-Zentrum" bzw. "Regionales MS-Zentrum" 157 Zentren rekrutiert werden, die bereits mehr als 116.000 Datensätze von über 40.000 Patienten für das MS-Register erfasst haben.

Quelle: Fachzeitschrift "Brain" / MSFP-gGmbH

- 03.06.2014