DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
DMSG International

Sommer, Sonne, Ferien im Camp für junge Multiple-Sklerose-Erkrankte

Multiple Sklerose kennt keine Grenzen, junge Erkrankte ebenfalls nicht: Ann-Katrin hat am Big Rideau Lake in Ontario gemeinsam mit Jugendlichen aus Kanada, den USA und Schottland eine aufregende Auszeit vom Alltag mit MS erlebt-ermöglicht wurde ihre Teilnahme am MS Summer Camp vom DMSG-Bundesverband und der kanadischen MS-Gesellschaft.

Abenteuer Kanada: Neues erleben, Ängste überwinden, Selbstbewusstsein tanken, Erfahrungen austauschen und Kontakte knüpfen zu jungen MS-Erkrankten aus anderen Teilen der Welt - das alles ist für die 21-jährige Ann-Katrin aus Nordthüringen Wirklichkeit geworden. Sie gewann die Reise, die der Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der kanadischen MS-Gesellschaft verlost hat.

Das MS Summer Camp für Kinder und Jugendliche mit MS im Alter von 8 bis 21 Jahren öffnete zum zweiten Mal seine Tore für einen deutschen Teilnehmer. Der DMSG-Bundesverband übernahm die Kosten für Hin- und Rückflug. Ein Ferientrip mit Suchtfaktor: Die Gewinnerin aus dem letzten Jahr war ebenfalls wieder mit dabei: Jaqueline Wittmann begleitete Ann-Katrin auf eigene Kosten, freute sich auf eine Woche Spaß und ein Wiedersehen mit liebgewonnenen Freunden in Kanada. Mehr über die Erlebnisse von Jaqueline in 2011 lesen Sie hier:

Auf Wiedersehen in Kanada

MS Summer Camp: Das heißt von 9 bis 22 Uhr volles Programm. Keine Zeit für Heimweh und Natur wohin das Auge blickt. "Wir waren umzingelt von Wasser und Seen", berichtet Ann-Katrin begeistert von Kanu-Ausflügen und Übernachtungstouren. Nach dem Flug von München nach Toronto mit Zwischenstopp in Philadelphia lieferte die Begrüßung mit einem Hauch Olympia einen Vorgeschmack auf den Teamgeist im Camp. Als die "Neuen" mit dem Campbus ihr Ziel erreichten bereiteten ihnen die Betreuer, "Peer-Supporter" genannt, einen furiosen Empfang, stellten Sport-Disziplinen nach und reichten stilecht eine brennende Fackel weiter.

Feuer und Flamme für das Camp waren die beiden Studentinnen Ann-Katrin (links) und Jaqueline (rechts) sofort nach Bezug ihrer klimatisierten Vier-Betten-Kabine. Berührungsängste? Fehlanzeige. "Es war, als ob man die Leute schon ewig kennt", freut sich Ann-Katrin über die freundliche Aufnahme im Kreis der insgesamt 35 Teilnehmer: "Wir waren die ältesten."

Ob Spiel, Sport oder Basteln: Die Teilnahme am vielseitigen Programm ist freiwillig. Ganz nach Lust und Laune kann jeder eigene Fähigkeiten und Stärken entdecken. Ann-Katrin ließ keine Herausforderung aus, erprobte sich im Angeln, beteiligte sich an Kanutouren und stellte sich ihren Ängsten im Kletterwald. "Das hat gut getan", zieht sie ein positives Fazit: "So wohl habe ich mich seit Jahren nicht mehr gefühlt."

Hoch hinaus im Camp Fortune

"Besonders der Ausflug ins Camp Fortune war eine große Erfahrung für mich", berichtet die Studentin, wie sie im Klettergarten ihre Höhenangst überwand. In vier Meter Höhe wurde sie plötzlich von einer Panikattacke ausgebremst. "Mir kamen die Tränen und ich zitterte am ganzen Körper", erinnert sich die 21-Jährige. Aufgeben kam für Sie jedoch nicht infrage. Sofort startete sie einen zweiten Versuch. Mit Erfolg: Sie erreichte das Ziel. "Die Betreuer haben uns sehr unterstützt", erklärt Ann–Katrin.

Internationaler Erfahrungsaustausch

Die positiven Erlebnisse ließen alle Gedanken an Multiple Sklerose schnell vergessen. Nur der tägliche Besuch der MS-Schwestern (rechts) erinnerte kurzzeitig an die Krankheit. Sie achteten darauf, dass jeder zur richtigen Zeit seine Medikamente einnahm und gaben Tipps zur Injektion. Einmal besuchte ein Arzt das Camp und stand den jungen MS-Erkrankten zu den Themen Therapie und Impfungen Rede und Antwort.

Ann-Katrin spritzt seit vier Jahren. "Beim ersten Schub war meine Hand taub", berichtet sie, damals sei ein Magnesiummangel als Ursache vermutet worden - bis sie ein halbes Jahr später ihr rechtes Bein nicht mehr bewegen konnte. "Die Diagnose MS war für mich OK", sagt Ann-Katrin rückblickend. Erst ein halbes Jahr später habe sie anhand der Reaktionen ihrer Familie realisiert, dass diese Krankheit sie ein Leben lang begleiten wird. Mittlerweile hat sie sich mit der MS angefreundet. Ihr Freund, den sie drei Wochen vor der Diagnose kennenlernte, hält bis heute zu ihr. Das junge Paar teilt sich eine Wohnung in Leipzig, wo Ann-Katrin Anglistik studiert. Journalistin lautet ihr Berufsziel.

"Show- Time" im Camp

Am Lagerfeuer kam beim Grillen von "smores" (Marshmallows) das Gespräch zwar auf die MS und die Erfahrungen mit verschiedenen Therapien. Mehr noch interessierten sich die jungen Kanadier und US-Amerikaner jedoch für das Leben in Deutschland. "Wir wurden regelrecht ausgefragt", schmunzelt Ann-Katrin. Passend dazu schlüpfte sie in der abendlichen "Talentshow" in eine stilechte Lederhose und Jaqueline in ein Dirndl. Gemeinsam führten die beiden bayrische Tänze auf und bedienten in Sketchen deutsche Stereotypen – zur großen Begeisterung des Publikums. "Das war eine Überwindung für mich", erklärt Ann-Katrin: "Ich stehe nicht so gerne im Mittelpunkt." Diese Hürde nahm sie mit Bravur und machte beim Bankett zum Thema "I love New York" auch als Freiheitsstatue eine gute Figur.

Mutmacher: Prominente besuchen das Camp

Vom Profisportler bis zum Rockstar: Eine Besonderheit des MS Summer Camps ist, dass in jedem Jahr berühmte kanadische Persönlichkeiten vorbeischauen und Aktionen mit den Jugendlichen unternehmen. Dieses Mal befanden sich unter den prominenten Gästen ein Magier und der berühmte Kajakfahrer John Hastings. Beim gemeinsamen Kochen mit der kanadischen Starköchin Kary Osmond lernten die Teilnehmer die Finessen der gesunden Küche kennen. So wurde auch aus einem Burger eine vitaminreiche Mahlzeit und bei der Zubereitung kam der Spaß nicht zu kurz. Als besonderes Dessert überreichte Kary Osmond den jungen Feinschmeckern ein von ihr signiertes Kochbuch.

"Ich hätte ewig bleiben können", bedauert Ann-Katrin, dass die Ferien so schnell vorüber waren. Ein Abschied für immer soll es jedoch nicht sein. Die 21-Jährige plant, in zwei Jahren wiederzukommen: "als peer support counselor". Das sind Erwachsene, die den jungen Campern berichten, wie sie ihre Träume trotz MS verwirklichen. Ein Höhepunkt für Jaqueline war im letzten Jahr die Begegnung mit Aaron Solowoniuk, dem Schlagzeuger der Rockband "Billy Talent". Dieses Mal war der 37-Jährige Kanadier auf Deutschland-Tour und konnte nicht teilnehmen, hinterließ den Campern jedoch T-Shirts und herzliche Grüße.

- 07.09.2012