DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Stellungnahme zum SPIEGEL-Artikel vom 21. April 2008

In der Spiegelausgabe vom 21.04.2008 wurde unter der Überschrift "Kranke Geschäfte" ein Beitrag veröffentlicht, in dem auch über die DMSG berichtet wird.

Da die Stellungnahme, die wir der Spiegel Redaktion auf Anfrage vor dem Erscheinen des Beitrags übermittelt hatten, in dem Beitrag nur unvollständig Eingang gefunden hat, veröffentlichen wir hier den Text unserer Stellungnahme im Wortlaut:

Zitat:

"Um die Unabhängigkeit der Selbsthilfe sicherzustellen, hat die DMSG bereits im Jahr 1999 Leitlinien für die Zusammenarbeit mit Pharmafirmen aufgestellt, die vom Vorstand der DMSG beschlossen wurden und die im Internet unter www.dmsg.de öffentlich zugänglich gemacht sind.

Im Jahr 2007 wurde überdies eine Selbstverpflichtungserklärung für die Mitglieder des Ärztlichen Beirats der DMSG beschlossen, die von jedem Mitglied des Ärztlichen Beirats unterschrieben werden muss und auch unterschrieben wurde. Auch diese
Verpflichtungserklärung ist im Internet abrufbar.

Durch die Leitlinien, die auf regionaler Ebene durch die Landesverbände und auf
Bundesebene durch ein Ombudsgremium überwacht werden, ist eine Einflussnahme auf die Arbeit der DMSG und insbesondere auch auf Art und Inhalt der geförderten Projekte ausgeschlossen.

Das Sponsoring durch die Industrie ist nicht nur im Bereich der Selbsthilfe sondern auch im Sport, bei den Künsten und im öffentlichen Leben nicht hinweg zu denken. Ohne die finanzielle Unterstützung der Industrie könnten einige für MS-Patienten sehr hilfreiche Projekte nicht durchgeführt werden, so z.B. allgemein anerkannte Projekte wie "Die Geschichte der MS", "Broschüren zu Entspannungstechniken" u.a.

Eine Förderung durch Industrieunternehmen findet stets nur für einzelne, klar abgegrenzte Projekte und nicht für die Arbeit der DMSG im Allgemeinen statt.

Die DMSG hat stets transparent gemacht, welche Projekte von der Industrie gefördert sind. Das Gesamtsponsoring durch Industrieunternehmen beläuft sich bei der DMSG überdies nur auf ca. 5 % des Gesamtetats (bezogen auf das Jahr 2006, (der Jahresabschluss 2007 liegt noch nicht vor). Die ca. 5 % verteilen sich auf mehrere Unternehmen. Angesichts dieser Umstände ist offenkundig, dass eine Gefährdung der Unabhängigkeit der Arbeit der DMSG nicht zu befürchten ist.

Was die von Ihnen erwähnte Veranstaltung der Verdener Kontaktgruppe angeht, so ist es richtig, dass die Kontaktgruppe im Mai 2007 eine Veranstaltung zu Tysabri durchgeführt hat, die mit einem kleinen Imbiss von Biogen unterstützt wurde. Die Kontaktgruppe Verden ist eine von rund 900 DMSG Kontaktgruppen in Deutschland, die alle ehrenamtlich arbeiten. Bei diesem ehrenamtlichen Engagement hat die Gruppe mit ihrer Veranstaltung bedauerlicherweise die geltenden Leitlinien der DMSG für die Zusammenarbeit mit Pharmaunternehmen verletzt. Nach bekannt werden dieser Tatsache, hat die DMSG nicht nur die Kontaktgruppe sondern auch den zuständigen Landesverband darauf hingewiesen, dass die verbindlichen Leitlinien der DMSG stets strikt eingehalten werden müssen. Die ehrenamtliche Kontaktgruppenleiterin der Kontaktgruppe Verden hat gegenüber der DMSG
ausdrücklich erklärt, dass sie nur das Informationsbedürfnis der MS-Kranken gesehen habe und den Verstoß gegen die Leitlinien ausdrücklich bedaure.

Aufgrund der Veranstaltung in Verden hat der Bundesverband der DMSG überdies auch seine weiteren Landesverbände nochmals ausdrücklich aufgefordert, sämtliche örtlichen Kontaktgruppen darauf hinzuweisen, dass die Leitlinien stets einzuhalten sind."

Die Stellungnahme war unterschrieben von der Stuttgarter Presserechtlerin Rechtsanwältin Eva Löhner, Stuttgart.

- 06.05.2008