DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Update der DMSG-Empfehlungen für Multiple Sklerose -Erkrankte

Aktuell ist bundesweit ein beschleunigter Anstieg der Covid-19-Infektionen zu beobachten. Daher wird dringend geraten, den Infektionsschutz zu beachten und Treffen in Gruppen zu vermeiden. Durch die konsequente Umsetzung von Schutzmaßnahmen ist es möglich, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. In den regelmäßig überprüften Empfehlungen der MS-Experten Prof. Dr. med. Ralf Gold und Prof. Dr. med. Judith Haas aus dem Vorstand des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. erfahren Sie mehr über Präventions- und Therapiemaßnahmen. Zudem informiert das Update darüber, unter welchen Therapien möglicherweise ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Corona-Virus bzw. eines schweren Verlaufes besteht. Diese Informationen können jederzeit kurzfristig an den aktuellen Stand angepasst werden.

Besteht bei MS-Erkrankten ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren?

MS-Erkrankte, die keine immunmodulierende Therapie erhalten oder eine immunmodulierende Therapie mit Interferon beta (Avonex, Extavia, Betaferon, Plegridy, Rebif) oder Glatirameracetat (Copaxone, Clift) erhalten, sind grundsätzlich nicht stärker gefährdet als gleichartige gesunde Personen [1].

Besteht allerdings eine stärkere Behinderung (Notwendigkeit von Gehhilfen, Beeinträchtigung der Lungenfunktion durch mangelnde Bewegung oder Beteiligung der Atemmuskulatur, Schluck- und Sprechstörungen) ist das Risiko generell für Atemwegsinfektionen erhöht, da die Belüftung der Lunge weniger gut ist. Das bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass das Infektionsrisiko höher ist als bei Gesunden, aber das Risiko, bei einem Kontakt mit dem Corona-Virus schwer zu erkranken, ist höher.

Die momentan bekannte Zahl der in Deutschland infizierten MS-Patienten liegt deutlich unter dem statistisch erwarteten Wert und unterstützt die Annahme, dass kein primär erhöhtes Infektionsrisiko aufgrund der MS besteht. 

Wann ist ein MS-Erkrankter ein Risikopatient?

MS-Erkrankte, die aufgrund einer immunsuppressiven Therapie, auch wenn diese länger zurückliegt, noch einen Immundefekt haben, könnten theoretisch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben. Erkenntnisse hierzu liegen nur vereinzelt vor, die als vorläufige Hinweise einzustufen sind. (Siehe „Unter welchen verlaufsmodifizierenden Therapien besteht möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?“). Es laufen weltweite Erhebungen zu dieser Frage, an denen auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) beteiligt ist. Mehr 

Ansonsten gelten auch für MS-Erkrankte dieselben Begleiterkrankungen als erhöhtes Risiko für einen ungünstigen Verlauf, wie sie auch für die Normalbevölkerung gelten (Siehe RKI - Informationen und Hilfestellungen für Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf). Für MS-Erkrankte mit starker Behinderung (Rollstuhl, Bettlägerigkeit) ist das Risiko generell für Atemwegsinfektionen erhöht, da die Belüftung der Lunge weniger gut ist. Das bedeutet, dass das Risiko eines schwereren Verlaufes einer Covid-19 Infektion höher ist. Einige Berufe, insbesondere im Gesundheitsbereich, gehen allgemein mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. MS-Erkrankte sollten ganz besonders auf Arbeitsschutzmaßnahmen bezüglich der aktuellen Coronavirus-Pandemie achten und diese vom Arbeitgeber auch einfordern. Dies gilt verstärkt insbesondere für MS-Erkrankte unter einer immunsuppressiven Therapie. Der individuelle Infektionsschutz für diese Personengruppe sollte durch eine FFP2/3 Maske erfolgen. (Siehe Empfehlungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte)

Bisher sind Atemschutzmasken, wie FFP-Masken, nicht grundsätzlich über die Krankenkasse für den Patienten abrechenbar, da sie ursprünglich aus dem Arbeitsschutz kommen. Wir raten Ihnen, sich mit Ihrer Krankenkasse in Verbindung zu setzen.

Zur Frage der Beschulung ist individuell abzuwägen, ob Schüler, die einer Risikogruppe angehören oder mit Personen, die einer Risikogruppe angehören, in einem Haushalt leben, am Präsenzunterricht teilnehmen. Bitte sprechen Sie auch die Verantwortlichen in Ihrer Schule an und informieren sie sich auf den Seiten Ihres jeweiligen Kultusministeriums.

Die „Übersicht mit rechtlichen Fragen“ des DMSG-Bundesverbandes mit weiteren Informationen zum Schul-Betrieb, für Arbeitnehmer bzgl. „Fernbleiben“ von der Arbeit und weiteren Informationen wird derzeit überarbeitet.

Bezüglich der Betreuung von Kleinkindern in Kindertagesstätten gibt es je Bundesland unterschiedliche Regelungen. Bitte informieren Sie sich bei Ihrem jeweiligen Jugendhilfeträger. Daten aus Baden-Württemberg geben Hinweise, dass das Infektionsrisiko, das von Kindern im Alter zwischen einem und zehn Jahren ausgeht, wohl gering ist [3]. Eine Studie aus England ergab, dass von über 500 000 Erwachsenen, die getestet wurden 24 Prozent SARS-CoV-2 positiv waren, aber nur vier Prozent der 35,200 getesteten Kinder [4]. Wenn sich diese Hinweise bestätigen, würde das insbesondere bei MS betroffenen Familien die Ängste in Zusammenhang mit dem für ihre Kinder wichtigen Betrieb der Kitas und Grundschulen mildern, da Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit ein geringes Risiko haben, zu erkrankten und auch als Überträger der Infektion nur eine geringe Rolle spielen.

Welche Auswirkungen hat eine Covid-19-Erkrankung auf das Schubrisiko?

Es ist bekannt, dass nach Virusinfekten ein leicht erhöhtes Schubrisiko besteht. Bei der Grippe (Influenza) wurde ein erhöhtes Schubrisiko in mehreren Studien beobachtet. Das Schubrisiko ist aber auch sicher davon beeinflusst, ob eine wirksame Immuntherapie der MS erfolgt. Ob auch nach Covid-19-Erkrankungen ein erhöhtes Schubrisiko besteht, können wir noch nicht beantworten. Falls aufgrund einer Covid-19-Erkrankung eine Immuntherapie beendet würde, könnte allein dies auch zu einem erhöhten Schubrisiko Anlass geben. 

Ist eine Schubtherapie mit Cortison noch anzuraten?

Eine Cortison-Pulstherapie erhöht allgemein das Infektionsrisiko. Bzgl. Covid-19 gibt es Hinweise, dass MS-Erkrankte bis zu drei Monate nach einer vorangegangenen Cortison-Pulstherapie ein bis zu vierfach höheres Infektionsrisiko für SARS-CoV2 aufzeigen (Daten aus Norditalien, Prof. Sormani, unpubliziert). Bei einem Schub ist daher sorgfältig die Notwendigkeit des Cortisonpulses abzuwägen und es sollte besprochen werden, wie sich der MS-Erkrankte nach der Therapie vor einer möglichen Infektion schützen kann. Hilfreich und sinnvoll ist sicher, bei Berufstätigkeit gegebenenfalls eine begrenzte Arbeitsunfähigkeit in Anspruch zu nehmen. Von einer Cortison-Pulstherapie bei Schüben mit leichten Symptomen ist je nach aktuellem Infektionsgeschehen eher abzuraten. Bei der Durchführung der Infusionen sollte ganz besonders auf die Vermeidung möglicher Kontakt-Risiken geachtet werden. Mit regelmäßigen in Intervallen verabreichten Cortison-Therapien sollte - nach unserer Einschätzung – immer noch pausiert werden.

Unter welchen verlaufsmodifizierenden Therapien besteht möglicherweise ein erhöhtes Risiko einer Infektion bzw. eines schweren Verlaufes mit dem Corona-Virus?

Eine französische Kohortenstudie mit 347 MS-Patienten zeigte, dass Behinderungsgrad, Alter und Übergewicht wesentliche Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf waren. Dahingegen wurde keine Assoziation zwischen den MS-Therapien und der Covid-19 Verlaufsschwere gefunden [5]

  • Natalizumab/Tysabri: Die Behandlung kann – nach bisherigen Einschätzungen – uneingeschränkt weiter fortgeführt werden, da kein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen besteht. Aufgrund des Wirkmechanismus ist nicht anzunehmen, dass es zu besonders schweren Covid-19-Verläufen kommt. Das erhöhte Risiko einer PML-Infektion unter Natalizumab leitet viele MS-Erkrankte zu der Frage des Risikos einer direkten Hirninfektion mit SARS-CoV2. Zur Einschätzung dieses Risikos liegen zum jetzigen Zeitpunkt keine Daten vor.
  • Dimethylfumarat/Tecfidera: Bei normalen Lymphocytenzahlen kann davon ausgegangen werden, dass weder das Infektionsrisiko noch das Risiko der Covod-19-Verlaufsschwere erhöht sind.
  • Teriflunomide/Aubagio: Bei den Dosierungen in der MS-Therapie gibt es bisher keine Hinweise auf ein erhöhtes Infektionsrisiko oder Covid-19-Verlaufsrisikos. 
    Eine antivirale Wirkung der Substanz wird diskutiert. 
  • Modulatoren Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptoren (Fingolimod/Gilenya und Siponimod/Mayzent, Ozanimod/Zeposia): Unter diesen Therapien besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, insbesondere von Atemwegserkrankungen. MS-Erkrankte, die auf diese Therapien eingestellt sind, sollten sie trotzdem fortführen, da bei Absetzen das Risiko einer Krankheitsaktivierung besteht. Auch therapeutische Neueinstellungen sollten nun in Anbetracht der Dauer der Corona-Pandemie und der Behandlungsnotwendigkeit der MS nicht weiter hinausgeschoben werden. Zum Risiko der Covid-19-Verlaufsschwere liegen derzeit keine Daten vor. Es laufen derzeit Erhebungen zum Einsatz von Fingolimod bei schweren Covid-19-Verläufen.
  • Sogenannte depletierende Immuntherapien (Ocrelizumab/Ocrevus, off-label Rituximab/Mabthera, Cladribin/Mavenclad, Alemtuzumab/Lemtrada, Mitoxantron): Diese Immuntherapien erhöhen grundsätzlich wirkungsbedingt das Infektionsrisiko, insbesondere unmittelbar nach der Infusionsbehandlung.

    Ocrelizumab und Rituximab
    sind B-Zell depletierende Intervalltherapien und führen zum verstärkten Erwerb von Immunschwäche, so dass erhöhten Infektionsraten, sehr wahrscheinlich auch mit dem SarsCoV2-Virus, auftreten [6]. Die Daten bzgl. eines erhöhten Risikos eines schweren Covid-19 Verlaufes sind derzeit widersprüchlich. Individuell kann eine Verlängerung des Therapie-Intervalls diskutiert werden, ohne dass die Gefahr einer Aktivierung der MS besteht [7].

    Die therapeutische Wirkung von Cladribin beruht auf einer erwünschten Verminderung der weißen Blutzellen. Dieser Effekt ist unmittelbar nach der jährlichen Gabe (jeweils zwei Behandlungswochen im Abstand von vier Wochen) in Jahr 1 und Jahr 2 am stärksten (ca. 2-3 Monate) und geht auch mit einem erhöhten Infektions-Risiko einher. Die Effekte auf die weißen Blutkörperchen können allerdings individuell unterschiedlich lange anhalten, damit ist auch das Infektionsrisiko von MS-Erkrankten mit einer Cladribin-Therapie individuell einzuschätzen. MS-Erkrankte, bei denen der zweite Therapie-Zyklus nach einem Jahr ansteht, sollten Vorkehrungen treffen, um die Infektionsgefahr herabzusetzen. Das Infektionsrisiko ist in den ersten vier Wochen nach der letzten Gabe am höchsten. Bisher sind vorrangig aus Deutschland und den USA 42 Patienten bekannt, die unter Cladribin eine test-bestätigte Covid-19 Infektion hatten. Davon wurden elf als ernster Verlauf eingestuft, wovon sieben ins Krankenhaus aufgenommen wurden (Auskunft Merck Serono GmbH, Stand 21.09.2020). Besondere hygienische Maßnahmen, auch bezüglich der Außenkontakte, sollten ohnehin eingehalten werden. FFP2/3 Masken zum Schutz vor der Infektion sind insbesondere ggf. während der Infusion und in der kritischen Zeit danach zu empfehlen.

    Dies gilt in ähnlicher Weise auch für Alemtuzumab. Auch bei dieser Immuntherapie kommt es bei der jährlichen Gabe (in der Regel Jahr 1 und Jahr 2) zu einer langanhaltenden erwünschten Veränderung der weißen Blutzellen, wodurch ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Auch hier ist eine Wiederholung der Therapie sorgfältig zu prüfen. Neueinstellungen sind zum jetzigen Zeitpunkt unter Berücksichtigung der Zulassungsänderung nur bei hochaktiver MS und dem Fehlen anderer therapeutischer Möglichkeiten zu erwägen. Belastbare Daten zur Schwere des Verlaufs einer Covid-19 Erkrankung liegen derzeit nicht vor.

    Da aktuell das Ende der Maßnahmen mit dem Ziel der Infektionsvermeidung in den nächsten Wochen nicht anzunehmen ist, sollten MS-Erkrankte, die sich mit Ihrem Neurologen zunächst für ein verlängertes Intervall entschieden hatten, nun ihre Therapie fortsetzen unter Berücksichtigung der hier erwähnten und verlinkten Sicherheitsbedingungen. Für MS-Erkrankte, die aufgrund ihres beruflichen und sozialen Umfeldes ein erhöhtes Risiko haben, mit Covid-19-Infizierten in Kontakt zu kommen, könnte das Vorliegen eines zeitnahen Abstrichs auf SARS-CoV-2 am Tage der geplanten Intervall-Therapie sinnvoll sein. Aktuell besteht eine bundesweit ausreichende Verfügbarkeit der Testverfahren.

Ist ein Besuch beim Neurologen ein Risiko für eine Covid-19-Infektion?

Unter Einhaltung der RKI-Vorgaben zur Basishygiene und der erweiterten Hygienemaßnahmen im Rahmen der Covid-19-Pandemie sollten Facharztbesuche nicht ausgesetzt werden. Hier ist wichtig zu berücksichtigen, dass je nach individuellem Krankheitsverlauf und der entsprechenden Therapiesituation notwendige Kontrolluntersuchungen anstehen können. Diese herauszuschieben, ist nicht ratsam, kann sogar gefährlich werden, da sie beispielsweise Auswirkungen auf die Einschätzung zur Therapiewirksamkeit und –sicherheit haben können.

Sind geplante stationäre Aufnahmen in Krankenhäuser ein Risiko für eine Covid-19 Infektion?

Da nicht nur Patienten, sondern auch das Krankenhauspersonal vor einer Covid-19-Infektion geschützt werden sollen, werden in einigen Kliniken schon jetzt zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme Patienten mit einem Abstrich auf das SARS-CoV2 untersucht (siehe RKI, „Hinweise zur Testung von Patienten auf Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus SARS-CoV-2“). Um optimale Sicherheit für den Patienten bei nicht notfallmäßigen stationären Aufnahmen zu ermöglichen, raten wir aus unserer Praxiserfahrung zu einem Covid-19-Abstrich durch die stationäre Einrichtung am Tag vor der geplanten Aufnahme mit Vorliegen des Testergebnisses am nächsten Morgen. Regelmäßige Abstriche beim Klinikpersonal werden zunehmend üblich, auch in Abhängigkeit von der besonderen Risiko-Situation einer Klinik (siehe RKI „Optionen zur getrennten Versorgung von Covid-19-Fällen, Verdachtsfällen und anderen Patienten im stationären Bereich“).

Wir raten daher, notwendige therapeutische, operative und diagnostische Eingriffe nicht länger aufzuschieben, da dies langfristige negative gesundheitliche Folgen haben kann.
Erkundigen Sie sich, wenn möglich zeitlich ausreichend, nach dem Hygienekonzept des entsprechenden Krankenhauses

Kann Vitamin D schützen?

Ein Mangel an Vitamin D wird mit einem erhöhten Risiko für Infektionen der Atemwege in Verbindung gebracht. Ob dies auch für eine Erkrankung mit dem SARS-CoV2 gilt, ist nicht geklärt. Auf einen Zusammenhang zwischen niedrigem Vitamin-D Spiegel und einem schweren Covid-19-Verlauf weisen erste Studien hin. Ob hier ein direkter Zusammenhang besteht, ist ebenfalls nicht klar, da beispielsweise auch ein höheres Lebensalter mit einem niedrigerem Vitamin D als auch mit einem schwereren Krankheitsverlauf von Covid-19 assoziiert ist. Für beide Aspekte, dem Infektionsrisiko und der Verlaufsschwere, liegen bisher keine ausreichenden Daten vor, dass eine Gabe von Vitamin D einen potenziellen Nutzen gegen oder bei Covid-19 hat. Dies gilt für Personen mit und ohne Mangel an Vitamin D. Allgemein gilt, dass einem Mangel an Vitamin-D individuell durch eine gesunde Ernährung (viele Lebensmittel enthalten Vitamin D und seine Vorläuferstufen), Aktivität an der frischen Luft und umsichtiges Sonnen (Sonnenbrand vermeiden) entgegengewirkt werden kann. Oral verabreichte Vitamin-D-Präparate verbleiben übrigens weniger lange im Blut als Vitamin D, das über die Haut gebildet wurde.

Vorsicht vor Überdosierung! Über Nahrungsergänzungsmittel eingenommenes Vitamin-D kann bei Überdosierung verschiedene gesundheitliche Beschwerden auslösen. Diese beruhen vorwiegend auf einem erhöhten Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie). Der Körper nimmt übermäßig viel Kalzium aus der Nahrung auf und löst dieses zusätzlich aus den Knochen heraus. Daher sollten nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt Vitamin-D-Präparate eingenommen werden. Natürlich aufgenommenes und gebildetes Vitamin-D kann nicht zu einer Überdosierung führen.

Mehr Informationen zu MS und Vitamin D finden Sie hier:

Präventions- und Therapiemöglichkeiten von Covid-19 (alphabetisch sortiert, nicht abschließend)

  • Ob es in naher Zukunft, also Anfang 2021, einen geprüften, zugelassenen Impfstoff gegen das SARs-CoV2-Virus geben wird, ist nicht gesichert. Zudem ist ist nicht gesichert, ob dieser Impfstoff einen hundertprozentigen Schutz vor einer Infektion bieten kann und wie lang dieser Schutz besteht. Daher ist die Einhaltung der empfohlenen Hygiene- Maßnahmen die einzige präventive Möglichkeit, sich vor einen Infektion und ggfs. einem ungünstigen Covid-19- Verlauf zu schützen,
  • Kortikosteroide (u.a. Dexamethason): Eine Steroidbehandlung kann das Sterberisiko von Patienten mit schwerem Covid-19 Verlauf senken. Dies wurde nach einer ersten Pressemitteilung der Universität Oxford [8] nun durch eine Meta-Analyse von insgesamt sieben relevanten Studien bestätigt [9]. Da Cortisonpräparate aber andererseits die Infektabwehr stören oder sogar den Verlauf ungünstig beeinflussen könnten, wenn sie zu Beginn einer Covid-19-Infektion gegeben werden, kommt es ganz entscheidend darauf an, den Zeitpunkt zu ermitteln, an dem es darum geht, überschießende Entzündungsreaktionen zu verhindern. Nach wie vor gilt daher, dass Cortisonpräparate zur Schubtherapie oder zur intrathekalen Gabe (z. B. Volon A) die Infektabwehr negativ beeinflussen und ihr Einsatz daher in Pandemie-Zeiten sehr sorgfältig abgewogen werden muss (vgl. oben „Ist eine Schubtherapie mit Cortison noch anzuraten?“).
  • Rekonvaleszenten-Plasma: Ein möglicher Therapie-Ansatz stellt die Verwendung von Rekonvaleszenten-Plasma, sprich Blutplasma von Covid-19 Genesenen, dar. Ein Wirkungsnachweis aus randomisierten Studien fehlt aktuell noch. Es gibt allerdings Hinweise auf eine mögliche schnellere klinische Verbesserung von Patienten mit schwerem Covid-19-Verlauf, insbesondere wenn diese möglichst früh nach Symptombeginn Rekonvaleszentenplasma im Sinne einer sog. passiven Immunisierung bekommen haben [10].
  • Remdisivir: Remdisivir wurde zur Behandlung der Ebola-Infektion entwickelt, zeigte aber nur geringe Effekte. Eine bessere Wirkung gegen andere Viren, insbesondere Corona-Viren, war der Anlass zum Einsatz bei der Covid-19-Erkrankung. Zahlreiche Studien mit Remdisivir laufen weltweit. Anfang Juli wurde Remdisivir von der Europäischen Kommission mit „bedingter Zulassung“ für schwere Verläufe von Covid-19 zugelassen [11], obwohl noch nicht alle Studiendaten zur Beurteilung der Sicherheit und Wirksamkeit vorlagen. Die Zulassung beruht auf einer Studie mit mehr als 1000 Covid-19 Patienten, die stationär behandelt wurden [12]. Gegenüber Placebo konnte die Zeit bis zur Besserung bei schwer betroffene Covid-19 Patienten auf elf Tage gegenüber 15 Tagen in der Placebo-Gruppe reduziert werden. Dieser Effekt war nicht bei leichten und mäßig betroffenen Covid-19 Patienten zu beobachten. Patienten, die bereits beatmet waren und dann erst Remdisivir erhielten, profitierten nicht von der Behandlung. Es gibt bisher insbesondere keine Studiendaten, die belegen, dass Remdisivir im Falle eines Kontaktrisikos vor einer Covid-19 Infektion schützt. Deshalb ist weiterhin der wichtigste Schutz die Infektionsprophylaxe: Abstand halten, Mundschutz wo es geboten ist, Händedesinfektion.
  • Weitere Informationen zu Therapiemöglichkeiten vom Covid-19 erhalten Sie in den aktuellen „Hinweisen zu Erkennung, Diagnostik und Therapie von Patienten mit COVID-19“ des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger am Robert Koch-Institut (STAKOB).

Wo ist das Infektionsrisiko am höchsten?

Nach den heutigen Erkenntnissen wird das Corona-Virus durch Tröpfchen und Aerosole übertragen. Tröpfchen entstehen durch Husten und Niesen, auch beim lauten Rufen und insbesondere beim Singen. Auch eine Übertragung durch Händedruck und Berühren von Gegenständen, die Kontakt mit einem Virus-Infizierten hatten, auch ohne dass dieser bereits Symptome gezeigt hat, ist zu beachten. Die Kenntnisse über Aerosole , die über viele Stunden im Raum schweben und Viruspartikel enthalten, wenn ein infektiöser Mensch im Raum war, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, Räume zur Senkung des Gefährdungspotentials mit Durchzug zu belüften. In nicht belüfteten Räumen ohne Fenster soll sich die Viruslast insbesondere durch die Aerosole lange in der Luft halten können.

Informationen zur Vermeidung von Infektionen finden Sie auf der Website des Robert Koch-Institutes (RKI)

Die Empfehlungen zu den Infektionsschutz-Maßnahmen sind hier ebenfalls zu finden:

Der Mund- Nasen- Schutz schützt kaum den Träger der Maske, sondern schützt die Umgebung vor einem potentiellen Infektions-Risiko. Nur FFP 2/3 Masken schützen auch den Träger vor einer Infektion.

Viel Aufenthalt an der frischen Luft schützt die Schleimhäute vor Austrocknung und macht sie widerstandsfähiger gegen Viren. Je mehr Menschen sich in einem geschlossenen Raum aufhalten, desto höher ist das Risiko, sich nicht nur durch Tröpfcheninfektionen und Aerosole anzustecken. Geheizte Räume stellen ein höheres Risiko für Infektionen dar als ungeheizte. Auch voll besetzte öffentliche Verkehrsmittel und öffentliche Groß-Veranstaltungen, insbesondere in geschlossenen Räumen, zählen zu den erhöhten Infektions-Risiken.

Teilnehmer klinischer Studien

Patienten, die an Therapiestudien mit Immuntherapeutika teilnehmen, werden über die Sicherheitsgremien (Safety boards) gegebenenfalls über das weitere Vorgehen mit der Studienmedikation informiert.

Sollte eine prophylaktische Testung auf das SARS-CoV2-Virus bzw. auf das Vorliegen von Corona-Antikörpern erfolgen?

Eine Testung mittels Abstrich (Nachweis von Virus-RNA) erachten wir als sinnvoll, wenn beispielsweise Gruppentreffen anstehen. Leider werden die Tests nicht in allen Bundesländern kostenfrei durchgeführt. Urlaubs-Rückkehrer aus Risikogebieten und Lehrkräfte können sich dahingegen bundesweit kostenlos testen lassen. Das Robert- Koch- Institut führt inzwischen Felduntersuchungen auf das Vorliegen von Corona Antikörpern durch. Diese sind nur mit Einschränkungen auf ganz Deutschland übertragbar. Nicht alle Menschen entwickeln nach einer Covid-19- Infektion nachweisbare Antikörper. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass sie keinen Schutz vor einer Neuinfektion haben.

Biotin kann Laborwerte verfälschen

In vielen Labortests, auch zur Testung auf Vorliegen von Antikörper gegen das SARS-CoV-2 -Virus, wird Biotin verwendet. Die Einnahme von biotinhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln kann daher bei diesen Tests zu falschen Laborwerten führen. Der behandelnde Arzt sollte immer über die Einnahme von Biotin-Präparaten informiert werden. 
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte bereits im Mai 2019 darüber informiert: 

Eine therapeutische Wirkung von hochdosiertem Biotin auf den Verlauf der MS ist nach derzeitigem Wissenstand in Studien nicht bestätigt.

Gruppentreffen, Gruppenreisen und Fortbildungen der DMSG

Selbsthilfegruppen der DMSG, die sich wieder treffen möchten, sollten das zur Verfügung gestellte Material über die Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen ausgiebig zur Kenntnis genommen haben, sich rechtzeitig mit den Anbietern der Räumlichkeiten in Verbindung setzen und auch mit ihrem jeweiligen Landesverband vor einem ersten Treffen Kontakt aufnehmen. Spezielle Hinweise finden Sie auch in den FAQs, die wir veröffentlicht haben.

Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir auch virtuelle Gruppentreffen als hilfreich ansehen, um in Kontakt zu bleiben. Bitte fragen Sie bei Ihrem Landesverband an, wenn Sie Unterstützung benötigen.

Derzeit halten wir gemeinsame Reisen von Selbsthilfegruppen und mehrtägige Aufenthalte in Hotels und anderen Beherbergungsstätten für problematisch und raten dringend an, sich mit Ihrem Landesverband in Verbindung zu setzen, um Alternativen zu besprechen. Bitte beachten Sie dazu auch die jeweils geltenden Landesverordnungen.

Wichtig: Die von der DMSG entwickelten Informationsmaterialien zu Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen sind in Print- oder digitaler Form den Gruppenleitungen zur Verfügung gestellt worden und sind auch bei den Landesverbänden erhältlich. Wir empfehlen ebenfalls, sich vor einem Treffen den Schulungsfilm anzuschauen. Ggf. kann der Schulungsfilm auch in einem ersten Treffen gemeinsam angesehen werden.

Nach wie vor besteht die Möglichkeit, sich mit dem neuartigen Corona-Virus zu infizieren. Die wieder steigenden Infektionszahlen sprechen dafür, dass sich MS-Erkrankte weiter selbst schützen sollten.

Auch für Beratungen in den Beratungsstellen der DMSG-Landesverbände halten wir es für angebracht, dass diese Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen vor einem Besuch zur Kenntnis genommen werden.

Fortbildungen der DMSG werden weiterhin auch online angeboten. Eine Übersicht finden Sie auf der Website des DMSG-Bundesverbandes.
Die DMSG-Plattform MS Connect steht weiterhin als Kommunikationsplattform für MS-Erkrankte zur Verfügung. Der DMSG-Bundesverband bietet Ihnen dort regelmäßig auch Experten-Sprechstunden an.

 

Fragen zum Corona-Virus

Es gibt sicher viele Fragen zum Corona-Virus. Der DMSG-Bundesverband informiert Sie auf einer Sonder-Seite rund um das Thema Corona und Multiple Sklerose und bietet Ihnen mit den Arzt-Sprechstunden auf MS Connect eine Plattform, auf der Experten Ihre Fragen beantworten.

Gestaltung des Alltags 

Die konkrete Ausgestaltung der derzeitigen Regeln, Einschränkungen und Lockerungen auf Basis des aktuellen Beschlusses von Bund und Ländern obliegt den Bundesländern. Näheres erfahren Sie auf der Seite der Bundesregierung und der Landesregierungen. Laut der bundesweiten Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) sollte im öffentlichen Raum weiter aufeinander geachtet werden: d.h. mindestens 1,5 Meter Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Alltagsmasken tragen – die sogenannte „AHA Formel“. 

Unter Berücksichtigung der oben erwähnten allgemeinen Hinweise und speziellen Risiken von stärker behinderten MS-Erkrankten und solchen mit verlaufsmodifizierenden Therapien, die ein erhöhtes Infektionsrisiko in sich bergen, raten wir zur Einhaltung der Hinweise des BMGs, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  BZgA, der Bundesregierung und der entsprechenden Erlasse der Landesregierungen und zur Nutzung der Corona-Warn-App:

Die aktuellen Fallzahlen entnehmen Sie bitte der Website des Robert Koch-Instituts (RKI). Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland wird weiterhin insgesamt als hoch eingeschätzt, für Risikogruppen als sehr hoch. (Risiko-Bewertung des RKI). Das RKI erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen, gibt Empfehlungen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein.

Auf der RKI-Website finden Sie auch Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Corona-Virus

Auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums erhalten Sie aktuelle Informationen zum Corona-Virus, sowie grundlegende Informationen zum Infektionsschutz vor dem Corona-Virus, zu Verdachtsfällen und vieles mehr. Im SARS-CoV-2 Steckbrief zur Corona-Virus-Krankheit-2019 (Covid-19) des RKI finden Sie, basierend auf der laufenden Sichtung der wissenschaftlichen Literatur, weitere Informationen zum Corona-Virus.

Auf globaler Ebene handelt es sich um eine sich sehr dynamisch entwickelnde und ernst zunehmende Situation. Auch tödliche Krankheitsverläufe kommen vor. Mit weiteren Infektionen in Deutschland muss gerechnet werden. Diese Einschätzung kann sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

 

 

Autoren:

Quellen:

Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Krausenstr. 50 30171 Hannover
Tel.: 0511 / 9 68 34 0 Fax: 0511 / 9 68 34 50
E-Mail-Adresse: dmsg@dmsg.de
Internet: www.dmsg.de

Hannover, den 06. März 2020 (aktualisiert am 22.10.2020)

Mehr Informationen zum Thema Covid-19 finden Sie auf der folgenden Seite: Mehr

22.10.2020