DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Entstehung / Pathogenese der MS

Zwillinge gesucht: Am Sonnabend, 08. April 2017, berichtet das ARD-Fernsehen über die Rolle der Darmbakterien bei der Entstehung von Multipler Sklerose

Genetische Veranlagung gilt als eine der möglichen Ursachen für die Erkrankung. Doch Zwillinge wie Victoria und Louisa geben Forschern ein Rätsel auf. Die eine erkrankt an Multipler Sklerose, die andere bleibt gesund. Doch welche Faktoren können noch eine Rolle spielen, wenn die Gene wie bei Zwillingen identisch sind? Einblick in den Stand der Forschung zu dieser Frage gewähren Dr. med. Lisa Ann Gerdes und Prof. Dr. med. Reinhard Hohlfeld, Vorsitzender des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft in der ARD-Sendung "(W) wie Wissen" ab 16 Uhr.

© Privat

Prof. Dr. med. Reinhard Hohlfeld, Direktor des Instituts für Klinische Neuroimmunologie in München und Vorsitzender des Ärztlichen Beirates des DMSG-Bundesverbandes

Die Ursachen für die Entstehung einer Multiplen Sklerose (MS) geben Forschern noch immer Rätsel auf. Offensichtlich spielen bei der komplexen Autoimmun-Erkrankung verschiedene Umweltfaktoren eine Rolle, aber auch das Erbgut hat wohl Einfluss auf die Krankheitsentwicklung. Die Bedeutung des Erbgutes wird durch Beobachtungen an eineiigen Zwillingen, die ein identisches Erbgut haben, bestätigt: Wenn ein Zwillingsgeschwister an MS erkrankt ist, dann beträgt das Risiko, dass auch die Zwillingsschwester/der Zwillingsbruder erkrankt ist, etwa 20 Prozent. Bei zweieiigen Zwillingen, die ein unterschiedliches Erbgut haben, ist das Risiko, dass beide an Multipler Sklerose erkranken, deutlich geringer und liegt bei ca. 5 Prozent. Was genau die Krankheit auslöst, ist noch nicht geklärt.

Können Darmbakterien die Antwort liefern?

Menschliche Darmbakterien von MS-Patienten haben bereits bei einem Versuch mit Mäusen eine vergleichbare Krankheit ausgelöst. Was könnte bei dem Zwillingspaar Louisa und Victoria ausschlaggebend sein, dass die eine Schwester erkrankt ist, während die andere gesund bleibt? Beide haben nie geraucht, waren immer schlank und sportlich. Auch ihre bisherige Krankengeschichte liefert keine Antwort auf diese Frage. 

Auf eine mögliche heiße Spur sind die Forscher bei einem Versuch mit Mäusen gekommen. Dabei wurden den Tieren Darmbakterien von gesunden wie auch an MS erkrankten menschlichen Zwillingen eingepflanzt. Die Mäuse, die Darmbakterien von erkrankten Zwillingen übertragen bekommen haben, erkrankten häufiger an einer mit Multipler Sklerose vergleichbaren Modell-Erkrankung.

Teilnehmer gesucht!

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Auslösung und Entstehung der Multiplen Sklerose, und hier besonders das komplizierte Zusammenspiel von Umweltfaktoren und Erbfaktoren, besser zu verstehen. Daher haben wir 2012 begonnen, für eine entsprechende Studie in ganz Deutschland nach eineiigen Zwillingspaaren zu suchen, bei denen mindestens ein Zwilling an MS erkrankt ist“, so Prof. Dr. med. Reinhard Hohlfeld, Direktor des Instituts für Klinische Neuroimmunologie in München und Vorsitzender des Ärztlichen Beirates des DMSG-Bundesverbandes. „Dank des großen Engagements der Studienteilnehmer konnten wir bislang schon mehr als 50 eineiige Zwillingspaare ausfindig machen, bei denen jeweils ein Zwilling an MS erkrankt, die Zwillingsschwester oder der Zwillingsbruder klinisch gesund ist.

Studienteilnehmer bilden die erste nationale Zwillingskohorte deutschlandweit

Anhand von detaillierten Interviews, klinischen und kernspintomografischen Untersuchungen sowie Analysen von Blut- und Stuhlproben werden in verschiedenen Projekten zahlreiche Fragestellungen untersucht, darunter der Einfluss der Darmflora und anderer Umweltfaktoren sowie der Einfluss möglicher Risikogene auf die Krankheitsentstehung“, berichtet Projektkoordinatorin Dr. med. Lisa Ann Gerdes.

© Privat

Dr. med. Lisa Ann Gerdes

Eineiige und zweieiige Zwillinge aller Altersstufen können jederzeit noch in die Studie eingeschlossen werden! Aktuell werden insbesondere eineiige Zwillingspaare dringend gesucht, die beide an Multipler Sklerose erkrankt sind. Interessenten melden sich bitte bei:

Projektkoordinatorin Dr. med. Lisa Ann Gerdes

Mail: LGERDESMED.LMUDE
Telefon: 089-4400-74781

Dank der großzügigen finanziellen Unterstützung des DMSG -Landesverbandes Bayern entstehen den Teilnehmern keine Reise- und Übernachtungskosten.

Quelle: Das ERSTE.de, www.dmsg.de - 07.04.2017

- 07.04.2017