DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
DMSG International

Auszeit vom Alltag mit Multipler Sklerose: Laura startet mit der DMSG nach Kanada ins MS Summer Camp

Gemeinsam mit jungen Multiple Sklerose-Erkrankten aus aller Welt Kanada entdecken, Abenteuer erleben und neue Freundschaften knüpfen: Das alles wird für Laura, glückliche Gewinnerin der vom DMSG-Bundesverband verlosten Reise ins MS Summer Camp, in diesem Sommer Wirklichkeit-ein Jahr nach der Diagnose, mit der sich im Leben der Schülerin aus Schutterwald ein schwarzes Loch aufgetan hat: "Ich war 16, keiner hat mit MS gerechnet", berichtet sie.

Das MS Summer Camp in Kanada öffnet jeden Sommer seine Tore für eine unbeschwerte Zeit in der Gemeinschaft mit MS-Erkrankten aus verschiedenen Nationen.

In einem Feriencamp mit Gleichgesinnten neuen Lebensmut tanken- abseits vom Alltag mit MS: Diese einmalige Gelegenheit ermöglicht die Kooperation der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. mit der kanadischen MS-Gesellschaft, die ihr MS Summer Camp für an MS erkrankte Kinder und Jugendliche erneut auch für einen deutschen Teilnehmer öffnet. Ein unvergessliches Erlebnis für die Gewinner der letzten Jahre: Jaqueline, Ann Katrin, Alexander und Clara. Mehr

Die Gewinnerin für das Ticket ins MS Summer Camp 2015 kommt aus Baden-Württemberg

Laura freut sich auf eine aufregende Zeit im MS Summer Camp

Auch dieses Jahr haben sich viele junge MS-Erkrankte aus ganz Deutschland für dieses besondere Ferienvergnügen beworben. Per Losverfahren ist die Entscheidung gefallen: Die Bewerbung von Laura ist aus der Vielzahl von Einsendungen gezogen worden. Als sie die gute Nachricht per Telefon erreichte, war die 17-Jährige sprachlos. Dann habe sie sich gesagt: "Ein Telefonat für eine Absage, das kann nicht sein", verrät sie im Interview mit dem DMSG-Bundesverband. Eigentlich habe sie sich gar keine Chancen ausgerechnet. Die Physiotherapie sei an diesem Tag ausgefallen und sie habe im Kreis ihrer Familie im beschaulichen Heimatort Schutterwald, wo sie mit ihren Eltern, ihrer 15-jährigen Schwester, ihrer Oma und einem Cousin lebt, den Geburtstag ihres Vaters gefeiert. Alle konnten es kaum glauben, dass ich nach Kanada fliegen darf", berichtet Laura: "Ich habe mal richtig Glück, das ist mir noch nie im Leben passiert." Seitdem gibt es für sie nur noch ein Thema:

"Das Mädchen vom Dorf fliegt nach Kanada"

Für Laura ist der Gewinn ein wohlverdienter Lichtblick. Hinter ihr liegt eine schwere Zeit. Fünf Schübe innerhalb von elf Monaten: "Ich bin stark betroffen, weil die Krankheit erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt wurde", meint sie: "ich war 16 Jahre alt, keiner hat damit gerechnet - auch die Ärzte nicht."

Der Verdacht auf Hirnhautentzündung entpuppt sich als MS

"Alle freuen sich für mich": Laura (zweite von rechts) mit ihren Eltern, ihrer Schwester Celina und ihrem Freund

Die MS zeigte sich bei Laura zuerst in Form von Kopfschmerzen und Gleichgewichtsproblemen. Ihr Hausarzt überwies sie mit neurologischen Ausfallerscheinungen in die Klinik. "Dort war ich bereits bekannt, weil ich Ende April 2014 mit Verdacht auf eine Hirnhautentzündung eingewiesen wurde", berichtet sie von Liquor-Punktion und der Diagnose: virale Hirnhautentzündung. Ein weiterer Schub kündigte sich mit starken Schmerzen im Arm an. Später verlor sie die Kontrolle über ihren linken Fuß, erinnert sie sich, "nachdem ich erneut im Krankenhaus auftauchte, dieses Mal mit erheblich schlimmeren Beschwerden, wurden ein MRT des Schädels und weitere Untersuchungen gemacht." Zwei Tage später, Ende Mai 2014, folgte die Diagnose MS. Allerdings seien schon bei vorherigen Untersuchungen die Oligoklonalen Banden positiv attestiert worden, was ihre Mutter, eine gelernte Krankenschwester, sehr alarmiert habe, so Laura weiter. Sie kennt die Symptome und habe sich früh Gedanken um MS gemacht. Aber kein Arzt habe die Sorgen ihrer Mutter ernstgenommen, berichtet Laura, die selbst anfangs wenig mit der Diagnose MS und dem, was da auf sie zukommt, anfangen konnte.

Geholfen haben Laura die positiven Reaktionen in ihrem Umfeld. Nach der Diagnose und der Vielzahl der Schübe habe sie mehr als zwei Monate im Unterricht gefehlt, berichtet sie: "Im Hinterkopf waren sofort die Schule und das anstehende Abi".

Nachteilsausgleich sorgt für gleichberechtigte Chancen auf dem Weg zum Abitur

Diese Ängste legten sich als Ihr Schulleiter sie im Krankenhaus besuchte und ihr versicherte, dass sie sich keine Sorgen machen müsse. Manche Lehrer waren unsicher, wie sie mit ihr umgehen sollen. Andere seien direkt auf sie zugegangen mit der Frage: "Darf ich Dich umarmen?", erinnert sich Laura an die erste Zeit nach der Diagnose. Vorbildlich war auch die Oberstufenleiterin, die sofort handelte und beim Regierungspräsidium einen Nachteilsausgleich für Laura erwirkte. Daraufhin wurde ihr Stundenplan gekürzt, aufgrund der starken Fatigue. Weil Laura Probleme hat, schnell zu schreiben, darf sie bei Klausuren den schuleigenen Laptop nutzen. Laura besucht die zwölfte Klasse am Klostergymnasium Offenburg – eine reine Mädchenschule. Ihre Mitschülerinnen wunderten sich schon manchmal, wenn sie schriftliche Klausuren nachholen darf. "Aber, wenn ich mit Krücken komme, merken sie schon warum", erklärt die Abiturientin, die auch Schulsprecherin ist.

Freunde, Familie und die Liebe

Auch privat kann sich Laura auf große Unterstützung verlassen. "Für meine beste Freundin ist meine Krankheit kein Problem und mein Freund kann schon besser mit der MS umgehen als ich", berichtet Laura,wie er sie immer wieder motiviere, keine Angst vor den Spritzen zu haben.

Für ihre junge Beziehung war die Diagnose MS eine Bewährungsprobe, die ihr Freund mit Bravour bestanden hat. "Wir sind jetzt seit über einem Jahr zusammen, er unterstützt mich und findet es cool, dass ich die Reise gewonnen habe."

Abi in der Tasche, Koffer gepackt

Laura steht in den Startlöchern für das große Abenteuer Kanada

"Bis zum Start ins Summer Camp habe ich mein Abitur geschafft – das passt", freut sich Laura auf ihre ganz persönliche Auszeit nach einem bewegten und sehr anstrengenden Jahr. "Es wäre für mich eine perfekte Gelegenheit, abzuschalten, da ich zu diesem Zeitpunkt mit der schulischen Ausbildung fertig bin", verrät Laura ihren Berufswunsch: Mein Ziel ist es ab Oktober 2015 ein Studium für Grundschullehramt anzufangen." Bald heißt es: Koffer packen für das Zeltlager am Big Rideau Lake in Ontario. Einige Reisetipps erhielt sie von einem ihrer Vorgänger: Alexander war 2013 mit der DMSG ins MS Summer Camp geflogen – und war begeistert. "Kanada ist cool, das ist eine unvergessliche Zeit", riet er Laura, diese Chance zu nutzen und möglichst viele Kontakte zu knüpfen. Noch heute gebe es einen regen Austausch der Camper über die Sozialen Netzwerke.

Urlaub vom Alltag mit der Krankheit

Sport, Spiel und Spaß stehen im Summer Camp auf der Tagesordnung

Das MS Summer Camp eröffnet jungen Leuten mit MS nicht nur jede Menge Spaß und neue Eindrücke, sondern bietet eine geschützte Umgebung, um den Alltag mit der Krankheit zu vergessen und mit Gleichgesinnten neue Erfahrungen zu sammeln. Das betreute Zeltlager wartet mit großem Unterhaltungsprogramm auf. Bei Spiel und Sport können die Teilnehmer ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken, häufig auch mit prominenten Gästen, wie Aaron, Drummer der Rockband Billy Talent.

Sport, Natur und Theater: Laura will im Camp alles ausprobieren

"Total genial, auf den See und Jet-Ski freue ich mich am meisten", schwärmt Laura, die keine Ängste vor sportlichen Herausforderungen kennt. Ob Hochseilgarten, oder Bungee-Jumping: "Ich werde auf jeden Fall alles ausprobieren!", versichert sie begeistert.

Die 17-Jährige ist sehr kontaktfreudig und sportlich. In der Narrenzunft ist sie als Tanzmariechen aktiv. Nur das Reiten habe sie aufgeben müssen. Die lähmende Müdigkeit, genannt Fatigue, machten ihr zu schaffen. Mittlerweile habe sie gelernt, ihrem Körper Pausen zu gönnen. "Auch wenn mein Kopf sagt: Du musst feiern gehen." Laura hat sich mit der Krankheit auseinandergesetzt, geht offen damit um und ist sehr daran interessiert, ihre Erfahrungen mit anderen auszutauschen:

"Trotz meiner zahlreichen Schübe lasse ich mich nicht unterkriegen und lebe stets nach dem Motto: Die MS ist zwar da, aber das Leben auch!"

Im Vorfeld des Welt MS Tages lädt der DMSG-Bundesverband MS-Erkrankte und ihre Angehörigen unter demMotto "MS reißt Löcher in den Alltag" dazu ein, ihre Erfahrungen zum Leben mit der noch immer unheilbaren Krankheit zu äußern. Laura halfen der Rückhalt in Familie, Freundeskreis und Schule, um nach der Diagnose MS nicht in einem schwarzen Loch zu versinken. Praktische Hilfe im Schulalltag bietet ihr der Nachteilsausgleich, den alle MS-Erkrankten beantragen können. Weitere Infos dazu erteilen die DMSG-Landesverbände.
Die Kontakte finden Sie hier

Gemeinsam stärker als MS: Ein kleines Zeichen für ein großes Ziel

Auch Laura, Kim und weit über 1600 weitere Personen tragen ihn schon, den digitalen Ansteckbutton, mit dem in den Sozialen Netzwerken für Solidarität und Unterstützung für MS-Erkrankte aufgerufen wird.
Mit einem Klick auf die Grafik oder hier können Sie sich den PicBadge kostenlos downloaden.

Der DMSG-Bundesverband bedankt sich bei allen Teilnehmern an der Verlosung!

- 06.05.2015