DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Mutmachgeschichten

Der YouTuber, der zum Mutmacher wurde: MS-Reporter Kevin stellt sich der Herausforderung Multiple Sklerose

Die Diagnose MS ist ein Schock, bedeutet aber keinesfalls ein Ende der Lebensqualität. In der Serie "Mutmach-Geschichten" stellt die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. Menschen vor, die ihre Krankheit als Chance begreifen, neue Wege zu beschreiten. Kevin ist mit Vollgas durchs Leben gerauscht bis ihn die MS ausbremste - vorübergehend. Der 26-Jährige ist neu durchgestartet - als MS-Reporter will er auch anderen helfen, neue Perspektiven zu entdecken. Jetzt ist auch das Fernsehen auf ihn aufmerksam geworden.

© Privat

Kevin

Kevin ist ehrgeizig und hat in seinem Leben viele Ziele erreicht. Seine Ausbildung bei Kassel Marketing schloss er mit Bravur ab. Danach erhielt der gelernte Veranstaltungskaufmann eine aussichtsreiche Anstellung als Eventmanager in Wuppertal. Zuvor war er ein halbes Jahr durch Australien gereist. Seit vielen Jahren führte Kevin ein glückliche Beziehung, schmiedete Zukunftspläne mit seiner Freundin. Irgendwann eine Familie zu gründen und ein Haus zu bauen, war bereits im Gespräch. Auch körperlich ging es ihm bestens. Fünfmal in der Woche besuchte er das Fitnessstudio. Alles lief super - bis ihm beim Training plötzlich die Hantel aus der Hand fiel: Ausfallerscheinungen der rechten Köperhälfte, Sehverlust auf dem rechten Auge.

Dann ging alles ganz schnell. In einer Klinik verkündete ihm der Chefarzt: "Sie haben MS, schubförmige Variante." Mit diesen Worten ist seine Welt zusammengebrochen, erinnert sich Kevin: "Ich lag da in dem Krankenhausbett, Dann bin ich raus gerannt auf ein Feld in der Nähe des Krankenhauses und habe meine Mutter und meinen besten Freund angerufen."

Multiple Sklerose stellt alles auf den Prüfstand

Nach der Diagnose fiel Kevin in ein tiefes Loch. MS? Was ist das? Wie geht es weiter? Werde ich jetzt pflegebedürftig? Verunsichert von diesem Befund bat er seinen Chef, ihn aus dem Vertrag zu entlassen und kehrte nach Kassel in den Schoß seiner Familie zurück. Dem Schock folgten Depressionen. Quälend die Ungewissheit: "Wache ich morgen auf und kann nicht mehr laufen, trotz der teuren Medikamente , die ich bekomme? Hinzu kam die Angst, nicht geliebt zu werden, berichtet Kevin: „Wer geht das Risiko ein, sich in einen Mann zu verlieben, der dir keine Sicherheit geben kann oder gepflegt werden muss?“ Er zog sich zurück von Freunden und seiner Freundin, mit der er bereits eine Familie und einen Hauskauf geplant hatte. Für seine Zukunft sah er schwarz: „Warum sollte die Pharmaindustrie eine Medizin entwickeln, die MS heilt? Ich bin ich doch ein Goldesel, wenn ich als junger Mensch hochpreisige Medikamente lebenslang brauche.“ 

Es ist ok, Angst zu haben

Doch Kevin ist ein Kämpfer. Er trainiert weiter - mindestens viermal in der Woche und achtet auf eine gesunde Ernährung. Durch die MS-Therapie verschwanden alle seine Beeinträchtigungen wieder. Seit mehr als zwei Jahren ist Kevin schubfrei.

Ein Zufall schenkte ihm neuen Lebensmut – beim Besuch in der Metzgerei

Die Verkäuferinnen kennen Kevin seit Jahren und fragten ihn, warum er so traurig sei. Als er sein Herz ausschüttete und von der MS und seiner Arbeitslosigkeit berichtete, hörte unbemerkt ein Mann in der Warteschlange hinter ihm zu. Wie sich am nächsten Tag herausstellte, handelte es sich dabei um den Chef eines Großhandels für Sanitätsprodukte. Als Kevin erneut in der Metzgerei einkaufte, hatten die Verkäuferinnen eine gute Nachricht für ihn: „Der Kunde von gestern hat einen Job in Festanstellung für dich.“ Ein Volltreffer, denn sein Chef unterstützt ihn und weiß seine fachlichen Kompetenzen zu schätzen. 

Diese positive Erfahrung hat Kevin umdenken lassen: "Warum soll ich jetzt depressiv sein, wenn ich doch alles machen kann?" Sicher gibt es Arbeitgeber, die aufgrund von Vorurteilen, keine MS-Erkrankten einstellen. Aber genau da gilt es, einzusetzen, aufzuklären und zu zeigen, wie viel Power in jedem einzelnen steckt. 

Gemeinsam stärker als Multiple Sklerose

Über seinen persönlichen Kampf gegen MS spricht Kevin in seinen Videos. Er spricht von den vielen Facetten im Prozess bis zur Akzeptanz der Krankheit - sensibel, authentisch, manchmal traurig, dann wieder mit viel Humor lässt der 26-Jährige die Zuschauer an seinem Erleben teilhaben. Die Filme haben für ihn eine therapeutische Wirkung, erklärt Kevin: "Seitdem ich Videos mache, sind meine Ängste weg. Das will ich anderen mitgeben: Es ist ok, Angst zu haben, aber es lohnt sich, nicht aufzugeben und aktiv seinen eigenen Weg zu suchen!"

Gemeinsam mit den MS-Reportern der DMSG will Kevin den vielen Fragen rund um das Leben mit MS auf den Grund gehen - von Beruf, Liebe, Therapie und vieles mehr. 

Als MS-Reporter will Kevin aber auch alle MS-Erkrankten ermutigen, niemals die Hoffnung aufzugeben und jeden Moment im Leben zu genießen. "Ich habe auch die kleinen Dinge zu schätzen gelernt, materielle Dinge sind mir nicht mehr so wichtig", erklärt der 26-Jährige.

Jeden Moment genießen - Träume erfüllen

Aktuell erfüllt Kevin sich einen Traum: Er pilgert durch Japan - und teilt als MS-Reporter seine Erlebnisse mit den Lesern auf dem Facebook-Kanal des DMSG-Bundesverbandes.

Wie wird man ein MS-Reporter? Wer gerne ebenfalls als ehrenamtlicher MS-Reporter aktiv werden möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Einfach eine Mail mit einer kurzen Vorstellung an den DMSG-Bundesverband schicken.
Die Adresse lautet: MS-Reporter@dmsg.de

Wir freuen uns auf viele Ideen, Videos und Erfahrungsberichte! Zum Beispiel zu den Themen: Was hat die MS in Ihrem Leben geändert; wie gehen Sie damit um? Oder auch: Was müsste sich ändern, um Menschen mit MS das Leben zu erleichtern?

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Kevin freut sich darauf, gemeinsam mit der MS-Community ein hilfreiches, informatives und unterhaltsames Projekt auf die Beine zu stellen.

Mittlerweile sind auch die Presse und das Fernsehen auf das Engagement von Kevin aufmerksam geworden. Das ARD-Magazin "Brisant" und der Hessische Rundfunk berichteten über den 26-Jährigen und wie seine Videos ihm geholfen haben, sich von der MS nicht den Spaß am Leben verderben zu lassen. 

Quellen: www.dmsg.de, Martina Heise-Thonicke (HNA), HR, ARD - 28.03.2017

- 28.03.2017