DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

"Die MS hat’s nicht leicht mit mir":Vorbildlicher Mutmacher für Multiple Sklerose-Erkrankte erhält den Hertie-Preis 2013

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat ihren diesjährigen Preis für Engagement und Selbsthilfe an drei Projekte zugunsten von Menschen mit Multipler Sklerose beziehungsweise Demenz verliehen: Einer der Preisträger ist DMSG-Mitglied Daniel Kwaschnik, der mit 17 Jahren die Diagnose MS erhielt und sich entschied zu kämpfen, gegen die Krankheit und für eine Zukunftsperspektive-mit der Internet-Gruppe "Die MS hat’s nicht leicht mit mir" legte er den Grundstein für ein Netzwerk, das bundesweit junge Menschen mit MS verbindet.

"Ich war erschrocken", erinnert sich Daniel Kwaschnik an seine erste Reaktion als ihn der Anruf von der Hertie-Stftung erreichte mit der guten Nachricht von seiner Auszeichnung. "Positiv erschrocken", betont er im Gespräch mit dem Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, der ihn gemeinsam mit dem DMSG-Landesverband Brandenburg für den Hertie-Preis vorgeschlagen hatte: "Ich freue mich sehr über den Preis." Die ganze Fahrt von Hannover bis in seinen Heimatort Eisenhüttenstadt habe er mit "einem Grinsen im Gesicht" zurückgelegt, schmunzelt der 25-Jährige über das unverhoffte Geburtstagsgeschenk. "Mein 26. Lebensjahr hat gut begonnen. Das ist eine tolle Anerkennung", fühlt er sich motiviert weiterzumachen.

Keiner bleibt allein: "Wir sind wie eine Familie"

Nach der MS-Diagnose kanalisierte der gebürtige Brandenburger Angst und Ungewissheit in Tatendrang und griff bei der Suche nach Gleichgesinnten im Jahr 2010 zur Computer-Tastatur - von seiner Website bis zur Vernetzung über die sozialen Medien. Seine positive Energie ist ansteckend: In der von ihm ins Leben gerufenen Facebook-Gruppe "Die MS hat’s nicht leicht mit mir" motivieren er und eine wachsene Zahl an Mitstreitern immer mehr MS-Erkrankte, ihr Leben mutig in die Hand zu nehmen und sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Zu jedem Thema finden sich Gesprächspartner, freut sich Daniel über den großen Zusammenhalt: "Wir sind wie eine Familie." Und die wächst von Tag zu Tag. Auch Angehörige von MS-Erkrankten sind dabei. Mittlerweile 1036 Mitglieder zählt die Gruppe bis heute. Auf Masse kommt es Daniel jedoch nicht an: "Mit 500 Leuten war es genauso toll." Unter den Administratoren befindet sich auch eine professionelle Ansprechpartnerin von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft. Die Betroffenen erreichen somit immer jemanden, der Infos bereithält oder auch mal Trost spendet - in einem geschützten Raum und über geographische Grenzen hinweg.

Doch der heute 25-Jährige ist nicht nur auf den Datenautobahnen unterwegs. Er setzt sich auch bei Veranstaltungen und Aktionen der DMSG im gemeinsamen Kampf für die Interessen von MS-Erkrankten ein. So freut er sich sehr darauf, im Oktober bei der vom DMSG-Bundesverband und der multiple sclerosis international federation (msif) veranstalteten MS World Conference in Berlin auch seine Internet-Gruppe vorstellen zu können. Vom virtuellen Raum in die Realität: Das letzte Treffen von "Die MS hat's nicht leicht mit mir!" fand ebenfalls in Zusammenarbeit mit der DMSG in Hannover statt und vertiefte die Kontakte der aus dem gesamten Bundesgebiet eingeladenen Teilnehmer. Ein Tag, eine Community, ein Ziel: eine Welt ohne Multiple Sklerose. Mehr

Aktuell sind Daniel und seine Freundin Imke dabei, auf Initiative von Aylin, die auch im DMSG-Jugendportal schon Mitstreiter suchte, und dem DMSG-Landesverband Niedersachsen eine Gruppe für junge MS-Erkrankte in Hannover aufzubauen. Ein erstes Treffen hat es bereits gegeben. Im Rahmen des Welt MS Tages 2013 war Daniel mit seinem Weg zum Umgang mit der Krankheit ein Teil der internationalen Motto-Kampagne, mit der unter dem Leitmotiv "Die Zukunft gestalten" auch der DMSG-Bundesverband den Blick auf Perspektiven für junge Menschen mit Multiple Sklerose lenkte. Mehr

5000 Euro Preisgeld helfen das Netz zur Selbsthilfe auszubauen

Der Hertie-Preis zeichnet vorbildliche Aktivitäten von Selbsthilfegruppen und besonders engagierten Menschen im Bereich der Multiplen Sklerose und der neurodegenerativen Erkrankungen aus. Die Sieger kommen dieses Jahr aus Baden-Württemberg, Hannover und Nordrhein-Westfalen. Neben Daniel Kwaschnik ebenfalls mit dem Hertie-Preis ausgezeichnet wurden die Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V. und Silke Groll, die als Mutter einer MS-Erkrankten eine geschlossene Gruppe auf Facebook eröffnet hat. Die Jury, in der auch Werner Flottmann, stellvertretender Vorsitzender im geschäftsführenden Vorstand des DMSG-Bundesverbandes saß, hat ein Preisgeld von insgesamt 25.000 Euro verteilt.

Wofür er seinen Anteil in Höhe von 5.000 Euro einsetzen wird, dazu hat Daniel bereits einige Ideen und Pläne. Mit dem Geld sollen weitere Gruppentreffen mitfinanziert werden, um auch denen die Teilnahme zu ermöglichen, die sich die Fahrt sonst nicht leisten könnten. Besonders Mitglieder, die nicht mehr so mobil sind, würde Daniel auch gerne mal Zuhause besuchen. Zudem will er die Website überarbeiten.

"Die MS hat's nicht leicht mit mir!" - Mit dieser Botschaft motiviert der 25-Jährige, der aktuell im Bundesfreiwilligendienst im Bereich Patiententransporte beruflich aktiv ist, in seinem Song "Lumine" nicht nur MS-Erkrankte: "Jetzt liegt es an Dir, was machst Du daraus? Entdeckst Du die Welt oder bleibst Du Zuhaus?" Für Daniel ist die Antwort klar: "Positiv zu denken ist der beste Weg, um nicht im Selbstmitleid zu versinken."

Quelle: Pressemitteilung der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung - September 2013

- 13.09.2013