DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Die Progression der Multiplen Sklerose im Blick: Die Rolle der Magnetresonanz-Tomographie (MRT)

Können bildgebende Verfahren das Fortschreiten von Multiple Sklerose (MS) darstellen? Eine Studie von Forschern aus Berlin geht dieser Frage nach.

Bekannt ist, dass MS durch einen Verlust an Myelin charakterisiert wird. Durch diesen Verlust entstehen im Gehirn und im Rückenmark Zerstörungsherde im Gewebe, die ‚Läsionen‘ genannt werden und vielfältige MS-Symptome zur Folge haben. Eine aktuelle Studie an der Charité Universitätsmedizin Berlin, die in der Zeitschrift PLoS One veröffentlicht wurde, untersuchte, ob bildgebende Verfahren dazu verwendet werden können, den Verlauf der Zerstörungen im Nervensystem MS-Erkrankter zu verfolgen.

Untersucht wurde auch, ob eine unterschiedlich lange Erkrankungsdauer Unterschiede in den MS-Läsionen ergibt. 17 Patienten mit MS oder einem klinisch isolierten Syndrom (CIS, das als Frühstadium einer MS betrachtet wird) und kürzerer Krankheitsdauer (weniger als 60 Monate), sowie 11 Personen mit einer längeren Krankheitsdauer (mehr als 60 Monate) nahmen an der Studie teil. Mittels 7T-MRT wurde untersucht, wie die Zerstörungen im Nervengewebe in den beiden Gruppen aussahen. Dabei stellten die Forscher fest, dass in der Gruppe mit der längeren Krankheitsgeschichte bei weniger Patienten ein so genanntes "Phasenänderungsmuster" (phase alteration pattern) zu finden war. Diese Erscheinung kann darauf hindeuten, dass um die Läsionen herum Entzündungen vorhanden sind – ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem gerade einen Angriff auf das Myelin fährt.

Die Wissenschaftler führen das geringere Auftreten dieser Phasenänderungen bei der Gruppe mit der längeren Krankheitsdauer darauf zurück, dass bei älteren Läsionen keine Immunangriffe mehr auftreten, sondern diese eher Bereiche sind, wo das Gewebe bereits zerstört und abgestorben ist.

MRT als Instrument für die individuelle Therapieentscheidung

Insgesamt zeigt die Studie, dass das Ausmaß und die Dauer der Zerstörungsvorgänge bei Multipler Sklerose durch MRT-Techniken und Analysen spezifischer Eigenschaften von Läsionen festgestellt werden kann. Es zeigten sich unterschiedlich Muster von Phasenveränderungen in den Läsionen von Patienten mit unterschiedlich langen Erkrankungszeiten. Nun muss in Langzeitstudien nachgewiesen werden, inwieweit das MRT die Aktivität und die Entwicklung individueller MS-Läsionen verfolgen kann. So könnte das MRT als ein hilfreiches "Werkzeug" dafür dienen festzustellen, wie lange eine MS bereits fortgeschritten ist und ebenso zu verstehen, ob Läsionen Bereiche der Entzündung oder bereits erfolgter Zerstörung darstellen. Nicht zuletzt wäre das ein weiterer Schritt, eine Therapie auf dieser Grundlage individuell einstellen zu können.

Originalquelle: Abstract

Quelle: multiplesclerosisnewstoday - 22. Juli 2015

- 31.07.2015