DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Die Rechte von Menschen mit Multipler Sklerose stärken

Mehr politisches Mitspracherecht für Patientenvertreter und leichterer Zugang zu Versorgungsleistungen im klinischen, rehabilitativen und ambulanten Bereich: Im Interview mit der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.spricht Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU), Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege, über seine Aufgaben und Ziele.

Karl-Josef Laumann wurde Anfang dieses Jahres vom Bundeskabinett in das neu geschaffene Amt des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege berufen (Wir berichteten) und ist somit auch ein Ansprechpartner für die Anliegen von Multiple Sklerose-Erkrankten. Welche Scherpunkte er in seiner politischen Arbeit setzen will, verrät er im Interview mit dem DMSG-Bundesverband:

Die Patientenbeteiligung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ist ein wichtiges Instrument, um die Interessen kranker Menschen wahrzunehmen. Bislang haben die Patientenvertreter hier jedoch kein Stimmrecht. Aus Sicht der DMSG ist dies vorrangig notwendig

Karl-Josef Laumann: Ich unterstütze ein Mitbestimmungsrecht der Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss in Verfahrensfragen. Ein selbstbewusstes Gesundheitssystem muss davor überhaupt keine Angst haben. Die Patientenvertreter müssen ernst genommen werden. Und ernst genommen wird man nur, wenn man gut informiert und auf Augenhöhe mit am Tisch sitzt. Patientenvertreter haben daher in den vergangenen Jahren immer mehr Rechte, Aufgaben und Kompetenzen in unserem Gesundheitswesen erhalten. Das ist gut und richtig so. Gerade am Beispiel des Gemeinsamen Bundesausschusses sehen wir doch, dass sich die Patientenbeteiligung bewährt.

Anmerkung der Redaktion: Der DMSG-Bundesverband vertritt die Interessen von Multiple Sklerose-Erkrankten im G-BA: Mehr

Die Koordination der Versorgungsleistung für MS-Erkrankte auf der klinischen, rehabilitativen und ambulanten Ebene ist häufig nicht gegeben. Dadurch entstehen Versäumnisse im Hinblick auf zu erreichende Therapieergebnisse. Was können Sie als Beauftragter

Karl-Josef Laumann: Menschen mit einer schweren chronischen Erkrankung wie der MS benötigen eine kontinuierliche und fächerübergreifende medizinische Versorgung – Zuhause und im Krankenhaus. Deshalb wollen wir Leistungslücken zwischen ambulanter und stationärer Versorgung schließen. Zum Beispiel wollen wir das Entlass-Management stärken. Krankenhäuser sollen in Zukunft auch Verordnungen für zu Hause ausstellen können, etwa für die häusliche Pflege. Ich finde es auch wichtig, dass ein Arzt so eingebunden wird, dass er alle anderen Therapien kennt. Denn nur so kann er sie optimal abstimmen, damit unerwünschte Nebenwirkungen vermieden werden.

Die nächste Pflegereform soll in den nächsten Jahren auf den Weg gebracht werden. Sind darin auch Verbesserungen für jüngere pflegebedürftige MS-Erkrankte angedacht, die bislang in der Regel immer noch in Seniorenpflegeheimen betreut werden müssen?

Karl-Josef Laumann: Mit der anstehenden Pflegereform wird die Bundesregierung die häusliche Pflege weiter stärken. Ziel ist es, dass pflegebedürftige Menschen, die das wollen, so lange wie möglich zu Hause bleiben können. Hier sieht die Reform eine ganze Reihe von Verbesserungen bei den Betreuungsleistungen vor, die allen Pflegebedürftigen zugute kommen wird. So wird etwa die Inanspruchnahme von Kurzzeit- und Verhinderungspflege sowie von Tages- und Nachtpflege flexibler gestaltet. Sie können besser miteinander kombiniert werden – ganz nach dem persönlichen Bedarf. Zudem werden zukünftig alle pflegebedürftigen Menschen Anspruch auf 100 Euro monatlich zur Finanzierung zusätzlicher Betreuungs- und Entlastungsleistungen haben und die Zuschüsse für Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen werden auf bis zu 4.000 Euro je Maßnahme erhöht.

Welche Ziele haben Sie sich für diese Legislaturperiode gesetzt?

Karl-Josef Laumann: Die Pflege ist oftmals kein einfacher Lebensabschnitt. Darum setze ich mich dafür ein, gute, zukunftsfeste und insbesondere menschenwürdige Rahmenbedingungen für die Pflege zu schaffen. Hier ist in den vergangenen Jahren zu wenig geschehen. Ich will das Bewusstsein für die immensen Herausforderungen schärfen und meinen Beitrag dazu leisten, dass die Pflege endlich als "normaler" Teil des öffentlichen Lebens begriffen wird, der immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft betrifft.
Im Hinblick auf die Patientinnen und Patienten ist es mein wesentliches Ziel, ihre Rechte zu stärken. Dazu müssen wir die Transparenz in unserem Gesundheitswesen weiter erhöhen und für mehr Sicherheit sorgen. Wir brauchen zum Beispiel endlich eine ehrliche und sachliche Debatte über Behandlungsfehler in Deutschland. Wir brauchen eine Kultur, in der Fehler weder skandalisiert noch totgeschwiegen werden. Wer Fehler macht, muss dafür auch gerade stehen. Und er muss aus ihnen lernen.

- 29.07.2014