DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Mutmachgeschichten

Ein Mann, ein Spot, eine Botschaft: Schluss mit den Vorurteilen über Multiple Sklerose

Martin Martin ist erfolgreich im Beruf, hat eine attraktive Ehefrau und besucht gerne Partys. Alles ganz normal, oder? Ja, wenn da nicht die mitleidigen Blicke wären, verbunden mit der Frage: „Was, Du im Rollstuhl?“ Diese Reaktionen will Martin beenden und zeigen, wie normal das Leben als Rollstuhlfahrer sein könnte, wenn die Barrieren in den Köpfen fallen.

Die Diagnose MS ist ein Schock, bedeutet aber keinesfalls ein Ende der Lebensqualität. In der Serie "Mutmach-Geschichten" stellt die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. Menschen vor, die ihre Krankheit als Chance begreifen, neue Wege zu beschreiten.

Vor 20 Jahren erhielt Martin die Diagnose MS. Als er schlechter gehen konnte, nutzte er ein halbes Jahr lang einen Stock, dann kam der Rollstuhl. Der junge Bayer hat ein Ziel: Er will zeigen, dass der Rollstuhl nur ein Hilfsmittel ist, das ihn nicht „behindert“, sondern befreit. „Der Rollstuhl gibt mir die Freiheit, überall hinzukommen“, erklärt der 42-Jährige im Interview mit dem DMSG-Bundesverband.

Und Martin ist weit gekommen- nicht nur im Beruf, sondern auch mit seinem Spot „Verlier nicht die Lust - mit Humor gegen die MS“, der in den Sozialen Netzwerken zu Diskussionen anregt und schon bald auch im Fernsehen gezeigt werden könnte. Seine Botschaft an Menschen mit Handicap lautet: nicht die Augen verschließen, sondern positiv in die Zukunft schauen.

Mit Humor gegen die Barrieren in den Köpfen

© Bengel Media

Martin Martin lässt sich von der MS nicht die Lebensfreude nehmen.
Der TV-Sender RTL II unterstützt sein Engagement zugunsten der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft. Mit einem Klick auf das Bild sehen Sie mehr.

Mit seinem Clip will Martin „Rollstuhlfahrer aus ihrer Glaskugel herausholen: Wir stehen im Jetzt und haben die gleichen Probleme und Freuden wie alle anderen auch. Es ändert an dem Menschen nichts, wenn man in einem Rollstuhl sitzt. Die Diagnose Multiple Sklerose ist nicht leicht zu ertragen, vor allem wegen der Unsicherheit, aber man bleibt der gleiche Mensch.“

Seit die Auswirkungen der Krankheit bei ihm sichtbarer geworden seien, gehe er offen mit der Krankheit um, berichtet Martin. Sein Arbeitgeber habe ihn von Anfang an unterstützt. Als Medienforscher analysiert er unter anderem das Nutzerverhalten in digitalen Medien.

Der Senior Research Manager bei einem Tochterunternehmen der ProSiebenSat.1 Media SE ist viel auf Dienstreisen unterwegs. Auch hier stoße er immer wieder auf mitleidige Blicke. Damit will er Schluss machen und mit seinem Spot frischen Wind in das Bild vom „traurigen“ MS-Erkrankten bringen. Hilfe beim Umgang mit der Krankheit und auch bei der Wohnungssuche fand Martin bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). Der Austausch mit den hauptamtlichen Beratern des DMSG-Landesverbandes Bayern und anderen Erkrankten gibt ihm Kraft.

„Mir war klar, dass ich auch aktiv Verbandsarbeit machen will“, erklärt Martin seine Motivation, sich zukünftig auch aktiv in der Verbandsarbeit zu engagieren. Bei der letzten Delegiertentagung des DMSG-Landesverbandes Bayern brachte er sein Thema in die Gruppe ein, was vor allem von den jüngeren Delegierten positiv aufgenommen wurde. Noch in der gleichen Woche berichtete Martin auf den Medientagen München einem befreundeten Cartoonisten Peter Böhling (Bulo) von seinen Plänen. Daraufhin habe dieser sofort gesagt:

„Komm wir drehen einen Spot!“

Gesagt getan. In Zusammenarbeit mit Bulo, der auch Herausgeber des Magazins "Clap" ist, wurde der Spot von Bengel Media realisiert. "History"-Senderchef Andreas Weinek sorgte mit seiner Band Blank Weinek für die Musik. Mit ihrem ehrenamtlichen Projekt hoffen die Initiatoren auf Spenden für die Arbeit der DMSG zugunsten von MS-Erkrankten.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

© Privat

Martin und seine Frau genießen jeden Moment im Leben

Martin hat seinen Weg gefunden, mit der MS umzugehen. Mit Humor begegnet er den Herausforderungen im Alltag. Seinen Humor teilt er auch mit seiner Ehefrau Christa. Seit fast zwei Jahren sind die beiden verheiratet. „Wir haben uns gesehen und gewusst: Wir gehören zusammen“, so Martin. Was kaum jemand weiß: Seine Frau war in der ersten Version des Spots beteiligt. Mit dem Kommentar „Du sollst doch nur mir hinterherschauen“ hat sie sich am Ende des Films auf seinen Schoß gesetzt. „Auch als Rollstuhlfahrer bekommt man beim Blick auf andere Frauen von seiner Frau gesagt: Muss das sein?“, schmunzelt Martin. Eben eine ganz normale Beziehung - aus einer anderen Perspektive.

Der MS-Clip habe in seinem privaten und beruflichen Umfeld nur positive Reaktionen hervorgerufen, freut sich Martin über die Unterstützung. Er will auch andere motivieren, niemals aufzugeben und so ist der Clip „Verlier nicht die Lust“ auch ein Appell, die glücklichen und lustigen Momente im Leben zu genießen. Angst sei für ihn ohnehin kein guter Ratgeber, betont Martin: „Es kann alles Mögliche passieren – muss aber nicht“, sagt er, lacht und fährt routiniert mit seinem behindertengerecht umgebauten Auto in die Tiefgarage.

- 10.01.2017