DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Leben mit MS

"Es war eine hammergeile Zeit": Laura erlebt unvergessliche Ferien im kanadischen Summer Camp für junge Menschen mit Multipler Sklerose

Kanufahren, Tauchen, Bogenschießen und am Lagerfeuer Erfahrungen austauschen-nicht nur über das Leben mit MS: "Das waren Erlebnisse, die ich nie im Leben vergessen werde", bedankt sich Laura für die vom Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft ermöglichte Reise ins Merrywood Camp am Big Rideau Lake in Ontario.

Das MS Summer Camp in Kanada nimmt jedes Jahr auch einen Teilnehmer aus Deutschland auf.

Laura stand als einzige Deutsche im Mittelpunkt des Interesses.

Seit fünf Jahren bietet die Kooperation des DMSG-Bundesverbandes mit der kanadischen MS-Gesellschaft jeden Sommer dem Gewinner der Verlosung auf www.dmsg.de die Gelegenheit, in einem Feriencamp für an MS erkrankte Jugendliche eine Auszeit vom Alltag mit der Krankheit zu erleben. Dieses Mal zog Laura aus dem kleinen Ort Schutterwald das große Los und reiste nach Kanada - ein Jahr nachdem die Diagnose MS das Leben der Abiturientin durcheinander gewirbelt hatte.

Der DMSG-Bundesverband berichtete

Das Mädchen vom Dorf fliegt über den großen Teich

Berührungsängste? Fehlanzeige: Laura wird von ihren Campkollegen auf Händen getragen

"Alles hat super geklappt", berichtet Laura nach ihrer Rückkehr im Interview mit dem DMSG-Bundesverband.
Als einzige Hürde bei der Einreise habe sich der kanadische Zoll entpuppt. "Die haben mir nicht geglaubt, dass ich ins MS Summer Camp reise und immer wieder gefragt, ob ich in Kanada arbeiten will", schmunzelt sie, "gut, dass ich schon acht Jahre Schulunterricht in Englisch hatte, das konnte ich brauchen." Nach der Zeit im Camp waren die Sprachkenntnisse ohnehin kein Problem mehr: "Zum Schluss habe ich sogar auf Englisch gedacht", betont Laura eine positive Nebenwirkung ihres Aufenthaltes im Summer Camp.

Berührungsängste kein Thema im MS Summer Camp

"Laura muss tanzen": Diesen Wunsch ihrer Mitcamper erfüllt die junge Deutsche gerne.

Vielmehr hat sich das Tanzmariechen aus Germany schnell zum "Star" im Camp entwickelt. Die Sportbegeisterten Kanadier und US-Amerikaner waren fasziniert vom Gardetanz der Abiturientin, die mit den Darbietungen aus ihrem Repertoire als Tänzerin in der Narrenzunft ihres Heimatortes auch ein Stück deutsche Karnevals-Kultur ins Camp-Leben einbrachte. In der abendlichen Talent-Show am Lagerfeuer etablierte sich die junge Deutsche schnell als eine der Hautdarstellerinnen. Die 18-Jährige wurde sofort in die Gruppe integriert. Ein eingespieltes Team. Nur fünf der insgesamt 26 Teilnehmer im Alter zwischen 15 und 21 Jahren waren - wie Laura - zum ersten Mal dabei. "Alle wollten etwas über Deutschland erfahren", sei Laura überrascht gewesen, wie wissbegierig die jungen Kanadier und US-Amerikaner sie mit Fragen bestürmten. Die Themen reichten von Schule, Familie bis zum Zeitpunkt der MS-Diagnose und ihrer Therapie-"Geschichte".

Keine Zeit für Heimweh

Laura war bei allen Aktionen dabei, wie hier beim Sledge-Hockey

Morgens um 9.00 Uhr startete der Tag mit Rollstuhl-Basketball, danach erprobte sie sich im Bogenschießen, Segeln oder lernte Tauchen. Mittags wurden die 90 Minuten Freizeit für ein entspanntes Bad im Pool genutzt. Am Nachmittag stand Kanufahren auf dem Programm oder auch Sledge-Hockey. "Das war cool", schwärmt Laura. Jeden Tag vier Aktivitäten. "Ich hatte noch nicht mal Zeit, mein Handy zu vermissen", scherzt Laura. Stress kam dennoch nicht auf. "Es ging uns allen gleich", lobt sie die entspannte Atmosphäre in der Gemeinschaft junger MS-Erkrankter: "Niemand musste sich schämen, mal eine Runde auszusetzen." Abends seien alle erschöpft gegen 22 Uhr ins Bett gefallen. Nur am letzten Tag blieben die Camper bei ihrer Abschiedsparty länger wach und tanzten bis in die Nacht.

Kulinarische Spezialitäten

Poutine mit Musik

Auch kulinarisch war im Camp für alles gesorgt:
Kleine Sünden, wie Muffins und Cookies, wurden ebenso serviert, wie gesunde Spezialitäten. Jeder konnte sich im gemeinsamen Speisesaal auswählen, was ihm schmeckt.
Neu für Laura war eines der Lieblingsgerichte der Kanadier: "Poutine", eine Fast-Food-Spezialität aus Pommes frites, Käse und Bratensauce. Das gemeinsame Kochen und Backen machte allen viel Vergnügen. Beim Essen wurden die nächsten Pläne geschmiedet für Spiele, Ausflüge und die geselligen Stunden am Lagerfeuer. Hier durfte der jeden Abend gemeinsam gesungene Camp Merrywood-Song nicht fehlen. Text und Melodie hatte Laura schnell gelernt und machte so auch bei den in der Gruppe spontan inszenierten Theaterstücken auf der Bühne und in der Disko eine gute Figur.

Untergetaucht im in kanadischen Untiefen

Laura auf Tauchstation

"Das Wetter in Kanada war perfekt, höchstens 26 Grad", erzählt Laura. Auch beim Ausflug in den Waterpark Quebec spielten die Temperaturen mit. Hier sorgte der Überraschungsbesuch eines bekannten Politikers für Begeisterungsstürme unter den jungen Kanadiern. Laura interessierte sich mehr für das Transportmittel ihrer Gruppe: einen historischen Schulbus, wie man ihn aus Filmen kennt.

Wenn das Abenteuer ruft

In der Schleuse: Bei ihrer Kanutour über den See scheuten die Camper keine Hindernisse

Ein weiteres Highlight war eine gemeinsame Kanutour über den See mit Übernachtung im Zelt. Beim Paddeln war Muskelkraft gefragt. Zugleich wurde beim Ausbalancieren in den kleinen Booten der Gleichgewichtssinn geschult. Im Vordergrund stand jederzeit der Spaß. Die Betreuer hatten stets ein Auge auf die Sicherheit und auch die medizinische Versorgung war gesichert. Zum Glück habe ihre MS sie während des Urlaubs in Ruhe gelassen, erzählt Laura, die Zuhause sonst alle zehn Wochen mit einem neuen Schub zu kämpfen hatte.

Kein Schub, aber jede Menge Action

Unter Mädels: Laura im Kreise ihrer Zimmergenossinnen

Laura teilte sich mit fünf weiteren jungen Mädchen eine der klimatisierten Holzhütten. Obwohl die Krankheit im Camp in den Hintergrund gerückt sei, war die junge Deutsche interessiert am Austausch mit den anderen jungen MS-Erkrankten. So habe sie erfahren, dass die Kanadier einen großen Teil ihrer Medikamente selbst bezahlen müssen. Im Gegenzug seien die Kanadier beeindruckt gewesen, dass die Krankenkassen in Deutschland die Therapie-Kosten übernehmen.

"Das Camp ist ein genialer Ort"

Zum Abschied erhält Laura einen Bilderrahmen mit Grüßen von ihren neuen Freunden

Mit 40 Kontakten zu ihren neuen Freunden aus Kanada, den USA, England und Schweden im Gepäck kehrte Laura nach Hause zurück. Neben den 26 jungen Campern seien ihr auch viele der Betreuer ans Herz gewachsen. Darunter befinden sich viele ehemalige Camper, die die Altersgrenze überschritten haben und auf diesem Weg weiter am Camp teilnehmen können. Umso mehr freute sich die junge Deutsche über ihr Abschiedsgeschenk: einen Bilderrahmen voller persönlicher Grüße von ihren Camp-Kollegen. "Das war toll", betont Laura, "wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich nächstes Jahr wieder ins Camp fliegen, um alle wiederzusehen: Das ist ein genialer Ort."

Laura setzt die Segel in Richtung Zukunft

Laura (rechts) nimmt nach ihrem Traumurlaub in Kanada Kurs auf eine Zukunft als Realschullehrerin.

Zurück in der Heimat hat Laura ihre Zukunftspläne kurzfristig umgestellt. Das angestrebte Lehramtsstudium muss warten. Die Abiturientin hat keinen Studienplatz bekommen. Doch Laura gibt nicht auf: Um ihre Chancen auf einen Start ins Studium im nächsten Jahr zu erhöhen, will sie jetzt ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen: "Am liebsten an einer Schule in meinem Dorf", erklärt sie.

- 04.09.2015