DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Reise und Freizeit

EU-Verordnung erleichtert Flugreisen für Menschen mit Behinderung

05.08.2008 - Die Verordnung der Europäischen Union über die Rechte von Flugreisenden mit Behinderung bzw. Mobilitätseinschränkung (Nr. 1107/2006) gilt ab 26. Juli 2008 in allen EU-Mitgliedsstaaten. Sie enthält Vorschriften zum Schutz und zur Hilfeleistung für Menschen mit Handicap, die sie vor Diskriminierung schützen und sicherstellen sollen, dass sie Hilfe auf Flughäfen erhalten.

Bereits seit dem 26. Juli 2007 sind die Regelungen zur Beförderungs- und Informationspflicht (Artikel 3 und 4) bindend. Sie besagen, dass sich ein Luftfahrt- oder Reiseunternehmen grundsätzlich nicht wegen der Behinderung oder der eingeschränkten Mobilität des Fluggastes weigern darf, eine Buchung für einen Flug zu akzeptieren oder diesen trotz gültigem Flugschein an Bord zu nehmen. Es sei denn, die Buchung/Anbordnahme widerspricht den geltenden Sicherheitsanforderungen. Die Verweigerung einer Flugreise muss schriftlich begründet werden. Außerdem hat das Unternehmen im Rahmen des Möglichen eine annehmbare Alternative anzubieten.

Im Einzelnen sieht die EU-Verordnung ab 26. 07. 2008 folgende Verpflichtungen vor:

Fluggesellschaft, Reiseveranstalter und Reisevermittler müssen alle Maßnahmen ergreifen, die erforderlich sind, um Meldungen des Hilfsbedarfs von Flugreisenden mit Behinderung/Mobilitätseinschränkung an all ihren Verkaufsstellen innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten entgegenzunehmen. Dies gilt auch für Telefon- und Internetverkaufsstellen. Wird ein Hilfebedarf 48 Stunden vor Abflugzeit gemeldet, muss diese Information mindestens 36 Stunden vor Abflugzeit an die Leitungsorgane des Abflug-, Ziel- und Transitflughafens sowie an die Fluggesellschaft weitergeleitet werden. Erfolgt die Meldung später, muss die Weiterleitung so schnell wie möglich erfolgen.

Flugreisende mit Behinderung/Mobilitätseinschränkung haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf verschiedene kostenlose Hilfeleistungen. Darunter fallen Assistenzleistungen, um an bestimmte Orte inner- und außerhalb des Flughafens zu gelangen sowie Unterstützung bei der Gepäckaufgabe, beim Verstauen des Handgepäcks, entsprechende Vorkehrungen zum Betreten und Verlassen des Flugzeuges bereit zu halten. Die Fluggesellschaften sind zudem verpflichtet, Hilfsmittel, beispielsweise Rollstühle, kostenlos mitzunehmen. Die geleistete Hilfe muss, soweit dies möglich ist, auf die besonderen Bedürfnisse des einzelnen Fluggastes zugeschnitten sein.

Die Luftfahrtunternehmen und Leitungsorgane von Flughäfen tragen Sorge dafür, dass ihre eigenen und die Mitarbeiter von Subunternehmen, die für Assistenzleistungen vorgesehen sind, geschult werden, um adäquate Hilfe leisten zu können.

Jeder Mitgliedstaat muss eine Stelle benennen, die für die Durchsetzung der Verordnung zuständig ist. Die Mitgliedstaaten sind darüber hinaus verpflichtet, für Verstöße gegen die Verordnung Vorschriften über Sanktionen, die wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sind, festzulegen. In Deutschland sollten sich behinderte oder mobilitätseingeschränkte Menschen, die die nun geltenden Regelungen verletzt sehen, zunächst an den maßgeblichen Flughafen bzw. das Luftfahrtunternehmen wenden. Sollten sie hier auf Schwierigkeiten stoßen, so können sie ihre Beschwerde beim Luftfahrtbundesamt in Braunschweig (email fluggastrechte@lba.de, Tel.: 0531/2355-100) einreichen.

Die EU-Verordnung ist ein richtiger Schritt in Richtung gleichberechtigter Teilhabe von Menschen mit Handicap am gesellschaftlichen Leben, dazu gehört Mobilität. Aber auch der Einzelne kann durch sorgfältige Planung im Vorfeld dazu beitragen, dass eine richtige und gezielte Betreuung und ein möglichst stressfreier Reisebeginn gewährleistet sind. Dazu gehören die individuelle Information über die Erkrankung, ein Bedürfniskatalog, eine ärztliche Flugtauglichkeitsbescheinigung sowie eine Medikamentenbescheinigung, ggf. Gewichts- und Maßangaben des Rollstuhls und last but not least die rechtzeitige Ankunft am Flughafen.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Quelle: Information des European Disability Forum; EU-Verordnung Nr. 1107/2006

- 05.08.2008