DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Zeckenschutzimpfung auch bei Multipler Sklerose möglich

03.08.2007 – Vielerorts sind die Zecken in diesem Sommer auf dem Vormarsch. Sie übertragen unter anderem das gefährlich FSME-Virus.

Immer wieder fragen sich MS-Erkrankte, die in FSME-Risikogebieten leben oder in diese reisen möchten, wie gefährlich ein Zeckenbiss ist und ob auch bei Multipler Sklerose hier eine Impfung schützen kann. PD Dr. med. Mathias Mäurer, Geschäftsführender Oberarzt der Neuroimmunologischen Ambulanz an der Neurologischen Klinik der Universität Erlangen und Mitglied des Ärztlichen Beirates der DMSG, Bundesverband e.V. gibt auf diese Frage eine Antwort:

Zeckenschutzimpfung bei Multipler Sklerose

Die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist eine durch Zecken auf den Menschen übertragene Viruskrankheit, die eine hoch-fieberhafte Hirnhautentzündung hervorrufen kann. In schweren Fällen wird auch eine Beteiligung von Gehirn und Rückenmark beobachtet, die zu bleibenden neurologischen Defiziten führen kann.

Dementsprechend kann die die FSME-Impfung allen Menschen empfohlen werden, die sich vorübergehend oder dauerhaft in FSME-Risikogebieten in Deutschland aufhalten. Nach den derzeitigen Erhebungen des Robert-Koch Institutes kann der gesamte Süden von Deutschland als FSME-Risikogebiet angesehen werden, sporadische Fälle sind jedoch auch in der Mitte und im Norden von Deutschland gemeldet worden.

Der FSME-Impfstoff ist ein Totimpfstoff, der intramuskulär verabreicht wird. Zur Grundimmunisierung werden zwei Injektionen eines Impfstoffs im Abstand von ein bis drei Monaten verabreicht, eine dritte Impfung erfolgt neun bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung. Die FSME-Schutzimpfung kann gleichzeitig mit anderen Schutzimpfungen vorgenommen werden.

Nach unserem derzeitigen Wissen kann die FSME Impfung auch bei MS denjenigen Patienten, die sich vorübergehend oder dauerhaft in Risikogebieten aufhalten, empfohlen werden.

Baumhackl und Mitarbeiter (Vaccine 2003) haben den Zusammenhag zwischen FSME Impfung und Krankheitsaktivität bei MS Patienten in einer Fall-Kontroll-Studie untersucht. Es konnte kein Zusammenhang zwischen der Impfung und einer Zunahme der Krankheitsaktivität gefunden werden – die Autoren konnten weder ein Zunahme der MRT Aktivität, eine Zunahme klinischer Schübe, noch eine Zunahme der Krankheitsprogression bei den untersuchten MS Patienten beobachten.

Somit lässt sich auch für die FSME Impfung festhalten – wie dies zuvor auch schon für die Impfung mit anderen Totimpfstoffen gegen Influenza-, Tetanus- oder Varizella - Infektionen konstatiert wurde – dass das Risiko, durch die Infektionskrankheit FSME selbst Schaden zu erleiden, bzw. dadurch eine Verschlechterung der MS in Kauf nehmen zu müssen höher ist als das Risiko durch die Impfung eine Verschlechterung der MS zu erleiden.

Grundsätzlich spricht nichts gegen einen Impferfolg unter der kontinuierlichen Anwendung von Basistherapeutika wie Interferonen oder Glatirameracetat. Hingegen kann der Impferfolg unter einer immunsuppressiven Therapie, z.B. unter Therapie mit Azathioprin oder Mitoxantron, gefährdet sein. Falls unter Mitoxantrontherapie eine Impfung vom Patienten gewünscht wird, so sollte diese keinesfalls in der Phase vorgenommen werden, in der die Leukozytenanzahl nach der Medikamentengabe am geringsten ist sondern allenfalls in der Phase der Erholung des Immunsystems vor der nächsten geplanten Infusion.

PD Dr. Mathias Mäurer
Neuroimmunologische Ambulanz
Neurologische Klinik, Universitätsklinikum Erlangen

Quelle: "Der Neurologe und Psychiater", Nr.7/2007

 
 
 
Und hier noch einige Tipps, wie Sie einer Infektion durch Zeckenbiss vorbeugen können:
 
 
 
 

• Zecken halten sie sich insbesondere im Gestrüpp, in hohen Gräsern und Farnen oder im Unterholz auf (bis ca. 1,5 m Höhe) und lauern dort auf ihren Wirt. Wenn dieser sich durch das Gras bewegt, werden die Zecken abgestreift. Die weit verbreitete Ansicht, dass sich Zecken von Bäumen herabfallen lassen, trifft dagegen in der Regel nicht zu.

• Zecken sind hauptsächlich in den Monaten März bis November aktiv. Meiden Sie in dieser Zeit unwegsames Gelände oder Unterholz. Auch in Heuhaufen oder Futterstellen können sie sich aufhalten.

• Tragen Sie geschlossene Kleidung – so kommen die Zecken nicht an Ihre Haut! Helle Kleidung erleichtert es, Zecken besser sehen und sofort entfernen zu können.

• Nach einem Aufenthalt in der Natur, insbesondere in Risikogebieten, sollten Sie Ihren Körper nach Zecken absuchen und möglichst die Kleidung wechseln.

• Eine Zeckenentfernung ist mit verschiedenen Hilfsmitteln (z.B. einer Zeckenzange) möglich. "Hausmittel" wie Öl, Klebstoff oder Wachs sind nicht geeignet – die Zecke sondert dann mit ihrem Speichel zusätzlich Krankheitserreger in die Stichwunde ab.

• Nach dem Entfernen der Zecke sollten Sie die Stichstelle reinigen und desinfizieren. Beobachten Sie die Wunde einige Tage. Sollte es zu einer größeren, kreisförmigen Hautrötung, die sich von der Stichstelle nach außen verbreitet, kommen, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, denn das könnte für eine Infektion mit Borrelien sprechen. Diese Bakterienart kann eine Infektionskrankheit, die so genannte Borreliose, hervorrufen. Die Borreliose wird auch Lyme-Krankheit bzw. Lyme-Borreliose genannt - nach dem Ort Lyme (Connecticut, USA), in dem gehäuft Gelenkentzündungen nach Zeckenstichen auftraten.
Die Krankheit kann zu Veränderungen der Haut an der Stichstelle, Entzündungen an den Gelenken sowie Beeinträchtigungen des Nervensystems führen.
Bei einem Verdacht auf eine Borrelien-Infektion kann die frühzeitige Behandlung den Ausbruch der Erkrankung verhindern.

Weiterführende Informationen, unter anderem auch zu den FSME-Risikogebieten finden Sie hier

Quelle: DNP, 7/2007; Zecken-Info

- 03.08.2007