DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose aufhalten – die Krankheitsaktivität erforschen

Können Läsionen im MRT MS-Schübe voraussagen? Der dritte Teil der Serie der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. zur Jahrestagung der Amerikanischen Akademie für Neurologie (AAN) informiert über Neuigkeiten zum Thema Krankheitsaktivität: Was beeinflusst diese und sind Prognosen möglich?

Mehr als 12.000 Experten diskutierten in Philadelphia neue Aspekte neurologischer Erkrankungen. Ein Schwerpunkt waren aktuelle Erkenntnisse zum Thema Multiple Sklerose. Der DMSG-Bundesverband stellt einige der wichtigsten Studien in einer Serie vor.

Teil 3: Die Krankheitsaktivität erforschen:

Können Läsionen im MRT Schübe voraussagen?

Mit Hilfe einer großen Datenmenge von Menschen mit schubförmiger MS, die an drei klinischen Studien beteiligt waren, verglichen Dr. Nancy Richert und Kollegen die mittels Kernspintomografie, auch Magnetresonanztomografie (MRT) genannt, gewonnenen Bilder von Läsionen oder Spots von Krankheitsaktivität mit dem späteren Verlauf der Erkrankung.

Das Ergebnis: Patienten, die eine oder mehrere neue oder sich vergrößernde Läsionen (T2) im ersten Jahr hatten, erlebten mit doppelter Wahrscheinlichkeit im zweiten Jahr einen Krankheits-Schub als diejenigen, die diese ersten Läsionen nicht hatten. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass MRT-Bilder frühe Anzeichen zukünftiger Aktivitäten abbilden und Therapieentscheidungen beeinflussen könnten.

Der Einfluss von MS auf den Geschmacks- und Geruchssinn

Auch Veränderungen hinsichtlich ihres Geruchs- und Geschmacksvermögens können bei Menschen mit MS als Symptom auftreten. Diese Veränderungen zu beobachten, kann ein Weg sein, die zugrundeliegenden Veränderungen in der Krankheitsaktivität zu verfolgen. In einer kleinen Studie stellte Dr. Gabriele de Luca (Oxford University) fest, dass 12 von 17 MS-Erkrankten auch Veränderungen des Geruchssinnes hatten und dass diese Tatsache mit einer Zerstörung des nervenisolierenden Myelins im Riechnerv in Zusammenhang stand.
Dr. Felix Schmidt (Berlin) kam in seinen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass eine Fehlfunktion, sowohl bei Geruch als auch bei Geschmack, mit dem jeweiligen EDSS-Score in Zusammenhang gebracht werden konnte.

Toxische Zellen bei MS

Dr. Robert Lisak und seine Mitarbeiter an der Wayne State University und am Montreal Neurological Institute berichteten, dass B-Zellen aus dem Blut von Patienten mit schubförmiger MS vermutlich etwas absonderten, das in Laborschalen wachsende Nervenzellen abtötete. Bei B-Zellen aus dem Blut gesunder Kontrollen konnte dieser Effekt nicht beobachtet werden. Frühere Arbeiten des gleichen Teams hatten bereits ergeben, dass B-Zellen von MS-Erkrankten toxisch (giftig) gegen myelinbildende Zellen wirken. Bei dem toxischen Faktor handelt es sich nicht um ein bekanntes Produkt des Immunsystems wie z.B. ein Immunglobulin.
Gelingt es, diesen Faktor zu identifizieren, könnte das zu wichtigen Einsichten und gezielteren Therapien führen, die speziell gegen B-Zellen gerichtet wären.

Sie haben die ersten beiden Teile der AAN-Serie verpasst? Kein Problem. Hier können sie die Berichte lesen:

- 24.06.2014