DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: graue Substanz im Rückenmark von besonderer Bedeutung

Neues von der ECTRIMS-Tagung: Forscher fanden starken Zusammenhang zwischen Abnahme an grauer Substanz im Rückenmark und Behinderungen bei MS.

Dieser Zusammenhang sei viel stärker als jemals bisher bei Untersuchungen von grauer oder weißer Substanz gemessen. Präsentiert wurden diese Ergebnisse auf der Jahrestagung des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) in Barcelona.

Überraschende Entdeckung

"Die Studie war aufgrund der klinischen Beobachtung gestartet worden, dass sich das Fortschreiten einer MS bei den meisten Patienten durch einen zunehmenden Myelin-Verlust manifestiert", so Dr. Regina Schlaeger von der University of California in San Francisco. "Unsere Feststellung, dass es neben anderen herkömmlichen MRT-Daten die graue Substanz des Rückenmarks war, die mit Behinderung zusammenhing, kam ziemlich unerwartet." Die graue und die weiße Substanz unterscheiden sich insofern, als die graue Substanz vor allem Nervenzellen (Zellkörper) enthält, und relativ mit Myelin umhüllte (myelinisierte) Axone. Die weiße Substanz dagegen besteht zum größten Teil aus langen myelinisierten Axonen und relativ wenigen Zellkörpern. Durch das fetthaltige Myelin erscheint sie weiß.

Weniger graue Substanz bei schubförmiger Verlaufsform

In die Studie schlossen Dr. Schlaeger und ihre Kollegen 142 MS-Patienten sowie 20 Kontrollpersonen ein und untersuchten die verschiedenen Bereiche des Rückenmarks mittels 3T Magnetresonanztomografie (MRT). Klinische Routine sind 1,5T MRT-Geräte; 3T werden heute erst selten im klinischen Bereich verwendet, sind aber leistungsfähiger und liefern genauere Bilder. Im Vergleich mit den Kontrollen hatten Patienten mit schubförmiger MS im Bereich der Hals- und der Brustwirbelsäule geringere Anteile an grauer Substanz, aber keine signifikanten Unterschiede bei der weißen Substanz oder dem gesamten Rückenmark. Im Vergleich von Patienten mit progredienter MS und schubförmigen Patienten zeigten erstere wiederum geringere Mengen an grauer Substanz. Diese wiesen dann aber auch geringere Gesamt-Rückenmarkswerte auf.

Ergebnisse aus statistischen Berechnungsmodellen zeigten die stärksten Korrelationen zwischen dem Bereich der grauen Substanz in der Halswirbelsäule und dem EDSS-Wert (Expanded Disability Status Scale), mit dem Behinderungen bewertet werden. Weniger stark korrelieren der Bereich der grauen Substanz in der Brustwirbelsäule und im Gehirn mit dem EDSS.

Graue Substanz steht in enger Beziehung zur Behinderung

"Bisher hat man gedacht, dass ein Volumenverlust im Rückenmark hauptsächlich durch einen Verlust Axonen (weißer Substanz) zustande kommt. Wir fanden eine vorrangige Reduktion der grauen Substanz bei progredienten Patienten und darüber hinaus eine subtile, selektive Reduktion der grauen Substanz bei schubförmigen Patienten", sagte Dr. Schlaeger. "Die graue Substanz im Bereich der Halswirbelsäule stand in enger Beziehung zur Behinderung (gemessen als EDSS) und einem progredienten Erscheinungsbild. Das sagt uns, dass eine Atrophie der grauen Substanz im Rückenmark in der Tat klinisch bedeutsam ist. Allerdings muss die Validität der Einstufung von Messungen der grauen Substanz als ein Biomarker für die Progression in Längsschnittstudien weiter untersucht werden."

Referenz: Schlaeger R et al. Abstract 208. Presented at: The European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) Congress; Oct. 7-10, 2015; Barcelona.

Quelle: Neurology Advisor Copyright © 2015 Haymarket Media, Inc, www.ms-uk.org - 08. Oktober 2015, Bild: Fotolia Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 14. Oktober 2015

- 14.10.2015