DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose: Internationale Studie untersucht die Wirkung von Antikörpern auf den Sehnerv

Eine Entzündung des Sehnervs kann ein erster Hinweis auf Multiple Sklerose sein. Wissenschaftler der Universitäts-Augenklinik Tübingen prüfen jetzt innerhalb einer internationalen Therapiestudie mit speziellen Antikörpern, ob bereits geschädigte Sehnerven regeneriert oder vor weiteren Entzündungen geschützt werden können.

Die Multiple Sklerose entwickelt sich schleichend - teilweise werden die ersten Symptome gar nicht in Verbindung mit dieser Erkrankung gebracht. Wenn jedoch junge Erwachsene unter einer Optikusneuritis - dem entzündeten Sehnerv - leiden, sind die Beschwerden meistens typisch. Die Betroffenen bemerken Schmerzen, wenn sie die Augen bewegen, außerdem erscheint das Sehen auf dem jeweiligen Auge "verschleiert". Farben werden nicht mehr so intensiv wahrgenommen.

Studie mit neuem Antikörper "Anti LINGO-1"

Ein neuer Antikörper könnte den molekularen Schalter umlegen, so dass die fehlende Myelin-Schutzschicht wieder produziert wird. Wie die Antikörper bei Patienten wirken, wird im Rahmen der internationalen Studie wissenschaftlich untersucht. Für diese Untersuchungen ist der Sehnerv besonders geeignet, da er - besser als andere Nervenstrukturen - von außen problemlos einsehbar ist und vermessen werden kann. Jedes Auge besitzt rund eine Million Nervenfasern, die die Signale ans Gehirn weiterleiten. Um diese Nervenfasern des Sehnervs auf wenige Tausendstel Millimeter genau vermessen zu können, benutzt man die sogenannte "alsoptische Kohärenztomografie (OCT)", die viele feine Schichtaufnahmen liefert. Die Experten der Tübinger Universitätsaugenklinik verfügen über langjährige Erfahrung bei dieser Untersuchung und waren an der Entwicklung der Technik maßgeblich beteiligt. Aufgrund dieser Expertise wurde die Neuroophthalmologische Ambulanz am Universitätsklinikum Tübingen unter der Leitung von Prof. Helmut Wilhelm, laut einer Pressemitteilung, als einziges Augenzentrum für diese weltweite Patientenstudie ausgewählt.

Weltweit werden Patienten ein halbes Jahr lang mit dem neuem Medikament behandelt

Die klinische Studie mit dem Antikörper "Anti LINGO-1" ist auf Patienten ausgerichtet, die erstmals unter einer akuten Sehnerventzündung an nur einem Auge leiden - Symptome können unter anderem Augenschmerzen, Sehverluste, Sehstörungen wie Flackern oder eingeschränkte Farbwahrnehmung sein. Nach eingehenden Untersuchungen und Tests erhalten die 90 Probanden im ersten Monat Infusionen mit entzündungshemmenden Medikamenten - die Standardtherapie der akuten Sehnervenentzündung. Danach folgt im sogenannten "Doppelblind-Verfahren" bei den ausgewählten Studienteilnehmern eine 20-wöchige Behandlungsphase, in der eine Gruppe das neue Medikament einnimmt, die andere ein Placebo.

  • Auch das Universitätsklinikum Dresden forscht, ob Antikörper den Sehnerv regenerieren können. Wir berichteten

Quelle: Pressemeldung vom Universitätsklinikum Tübingen - 17.Oktober 2013

- 17.10.2013