DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose – internationaler Aktionsplan zur chronisch progredienten MS

Mehr als 170 MS-Experten aus aller Welt arbeiten im Rahmen einer Internationalen Forschungsinitiative an Strategien zur Entwicklung wirksamer Behandlungen für die progressiven Verlaufsformen der Multiplen Sklerose-im zweiten Teil der Serie über die fünf Schwerpunkte im Aktionsplan berichtet der Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft über "Experimentelle Modelle für die vorklinische Überprüfung von Therapien" und "Strategien für klinische Studien".

Anders als bei der schubförmigen MS beschränkt sich die Therapie der selteneren chronisch progredienten (schleichenden) Verlaufsformen bisher vornehmlich auf eine symptomatische Behandlung. In Mailand diskutierten die Teilnehmer zwei Tage lang die Hindernisse, die zu bewältigen sind, um Therapien zu finden, die das Fortschreiten der MS aufhalten und vielleicht sogar die Symptome der Krankheit verbessern könnten. Das Meeting wurde von der "International Progressive MS Collaborative" (IPMSC, Internationale Forschungsgemeinschaft Progressive MS) einberufen. Bei dieser Gruppe handelt es sich um eine gemeinsame Initiative der Internationalen MS-Gesellschaft (MSIF) und der Nationalen MS-Gesellschaften von Kanada, Italien, den Niederlanden, Großbritannien und den USA.

Fünf Bereiche weisen die Zielrichtung

Die internationale Arbeitsgruppe hatte vor dem Meeting einen Bericht vorgelegt, in dem fünf Arbeitsbereiche mit besonderer Priorität definiert sind. Diese Arbeitsbereiche wurden in Mailand vertieft diskutiert und dabei herausgearbeitet, welche Ziele anvisiert werden, um die Forschungen zur progressiven MS voranzubringen.

Im zweiten Teil geht es um:

Experimentelle Modelle für die vorklinische Überprüfung von Therapien

• Zur frühzeitigen Überprüfung möglicher neuer Therapien haben sich Tiermodelle der schubförmigen MS als sehr hilfreich erwiesen. Solche "Modellerkrankungen" gibt es für die progressiven Formen der MS nicht, was die Entwicklung neuer Therapien eher behindert. Deshalb ist es dringend notwendig, Tiermodelle zu entwickeln, die die Symptome und die diesen zugrunde liegende Gewebezerstörung wie sie bei progressiver MS zu sehen sind, widerspiegeln.

• Einige bereits existierende Modelle erlauben die Untersuchung spezifischer Aspekte der Progression, wie zum Beispiel Myelinzerstörung und – reparatur.

• Bei der progressive MS ist in der Regel das Rückenmark beteiligt und es gibt oxidative Schädigungen, die mit fortschreitendem Alter zunehmen. Umfangreicheres Wissen über die Ursachen und den Verlauf der Progression und den Einfluss des Alterns kann die Entwicklung neuer Modelle zur Medikamenten-Testung voranbringen.

Strategien für klinische Studien

• Beim Test neuer Therapien bei der schubförmigen MS kann man Veränderungen durch MRT-Aufnahmen auch schon in kürzeren Studienzeiträumen (6 Monate) in Phase II Studien finden. Es gibt gegenwärtig keine gleichgeartete Möglichkeit, einen Erfolg eines Medikaments bei progressiver MS in 6 Monaten nachzuweisen.

• Es besteht ein dringender Bedarf an "Biomarkern”, die die Schädigung an Nervenfasern oder deren Intaktheit sowie andere Faktoren, die zum Fortschreiten der Erkrankung beitragen, messen können. Es gibt zunehmend Hinweise auf einen Kandidaten-Marker in der Rückenmarksflüssigkeit, der an der Zerstörung von Nervenfasern beteiligt sein könnte. Dieser wird "Neurofilament" genannt und könnte als frühes Zeichen für einen Schutzmechanismus für die Nervenzellen dienen. In Europa gibt es ein Konsortium (Bio MS) zur Erforschung von Biomarkern in der Rückenmarksflüssigkeit, das dringend die fortlaufende Notwendigkeit betont, in Studien nach Markern in der Rückenmarksflüssigkeit zu suchen, um die Analyse dieses Mediums aussagekräftiger zu machen.

• Viele Studien zur progressiven MS sind nach den heutigen Anforderungen zu wenig aussagekräftig, da sie zu wenige Studienteilnehmer haben (progressive MS ist ja deutlich seltener als die schubförmige Form). Es sind neue Studiendesigns notwendig, mit denen die Zahl der Teilnehmer verkleinert werden kann und die Studiendauer verkürzt, so dass mehr Therapien schneller und mit geringeren Kosten getestet werden können. Auf dem Meeting gab es eine spannende Diskussion zu einer neuen Studie bei sekundär progredienter MS, die derzeit in UK läuft und die ein neues "adaptives", auf verschiedene Situationen angepasstes, Design hat.


Mehr über die Schwerpunkte "Studiendesign und die Messung des klinischen Outcome" und "Symptom Management und Rehabilitation" ist in Kürze im dritten Teil der Serie über den internationalen Aktionsplan zur chronisch progredienten MS auf www.dmsg.de zu les


Hintergrund: Bei 10 bis 15 Prozent der Erkrankten nimmt die MS einen primär chronisch-progredienten Verlauf. Nach einer durchschnittlichen Krankheitsdauer von 10 bis 15 Jahren gehen etwa 30 bis 40 Prozent nach anfänglich schubförmigem Verlauf in die (sekundär) progrediente Verlaufsform über. (Multiple Sklerose, Herausgeber Rudolf M. Schmidt und Frank A. Hoffmann)

Quelle: Research News National MS Society, USA

- 03.05.2013