DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Welt MS Tag

Multiple Sklerose reißt Löcher in den Alltag: RepAdeal verwandelt seine Krankheit in Kunst

Schon mal gehört, wie man aus Multiple Sklerose Kunst macht? Adil ist das gelungen-unter dem Künstlernamen "RepAdeal" verpackt er seine Einstellung zur MS in einen Rap-Song: Die Diagnose MS erhielt er 2007 mit damals 16 Jahren.Dieses Schicksal hat sein Leben umgekrempelt.

Leben mit Multiple Sklerose bringt viele Arten von Veränderungen mit sich – für die Erkrankten, aber auch die Menschen in ihrem Umfeld.

Im Rahmen des Welt MS Tages 2015 stellt der Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft unter dem Motto

"MS reißt Löcher in den Alltag"

Beispiele von Menschen vor, denen es gelungen ist, verschiedene Barrieren im Leben mit der noch immer unheilbaren Krankheit zu durchbrechen und für sich selbst neue Perspektiven zu entwickeln.

Die Leere nach der Diagnose

Adil lebt seit acht Jahren mit MS

Auch für Adil waren die ersten Monate mit MS eine schwierige Zeit: "Vor allem psychisch", berichtet er im Interview mit dem DMSG-Bundesverband. "Mit meiner Familie habe ich kaum über die Diagnose geredet. Meine Eltern wussten es, aber wir haben uns darüber kaum unterhalten und meine Geschwister waren alle noch jünger als ich. Wenn mich jemand fragt 'Was haben deine Freunde dazu gesagt? ' sage ich ihnen: Gar nichts - ich hatte damals keine Freunde. Einzig ein paar Schulkameraden haben gesagt, 'das ist schlimm und bitter', aber ohne übertriebene Reaktion."

Leben im Jetzt

Seit Jahren betreibt Adil Krafttraining. Bewegung und Sport helfen ihm auch beim Umgang mit der Krankheit. "Als es mir besser ging war ich war einfach nur froh und beschloss, ab sofort jeden Moment zu genießen", berichtet er. Angetrieben von dieser Einstellung habe er an sich selbst gearbeitet, sowohl körperlich als auch mental: "Ich hörte viel Rap, darunter auch Songs, in denen es um das 'Real Life' - und das Leben in harten Zeiten ging. Ich war auch zuvor nicht der typische Teenager, der sich mit der Musik identifiziert, die er im Alltag hört", erklärt er, warum ihn die folgende Entwicklung seines Umgangs mit der Krankheit selbst überrascht habe.

Am Anfang stand eine Idee

In einem Urlaub habe er sich gedacht: "Vielleicht könnte ich auch mal probieren, Songs zu schreiben. Ich konnte nicht singen, nicht rappen, nicht 'Songwriten ', ich hatte nur die Idee. Trotzdem begann ich, Texte zu schreiben, darunter auch über den Beginn meiner MS. "Wer hat dir gesagt, dass du über so einen Text schreiben sollst?” oder Wie bist du auf dieses Thema gekommen?” zitiert er typische Fragen von Musikerkollegen: "Sie hatten so eine Musik wie meine zum ersten Mal erlebt, doch auf die Idee hat mich keiner gebracht - außer ich mich selbst." Dabei sei ihm aufgefallen, wie sich sein Leben gebessert hatte, verdeutlicht Adil, wie er eine andere Sicht auf die MS entwickelte.

Musik als Seelen-Therapie

Er gewann neues Selbstvertrauen und Stärke: "Plötzlich hatte ich ein anderes Bild, nicht das typisch negative", betont der 24-Jährige. Zu diesem Zeitpunkt sei ihm klar geworden, dass er auf jeden Fall einen Song aufnehmen und dieses Beispiel weitergeben musste: "Denn ich hab gewusst: Die richtige Musik ist Inspiration und Motivation zum Weitermachen. Musik ist Leben, eine Art Seelentherapie, die dir oft hilft, wenn du dich schlechter fühlst - nicht nur bei MS, auch in anderen Bereichen des Alltags."

Musik als Inspiration

Im Alltag hat Adil im Moment keine Probleme mit MS-Symptomen. "Ich habe trotzdem ein Jahr lang als Lkw-Entlader gearbeitet, wo es eine starke Belastung für den Körper gibt und ich hab bewiesen, dass ich den Job machen konnte", betont er und fügt hinzu: "Das Einzige, was auffällig ist, dass nach dem Ausdauersport meine Beine schlapp machen und ich wenig Kraft in den Beinen habe. Das geht aber jedes Mal nach wenigen Stunden weg und ich spüre keine Nachteile mehr.

Mit der Idee vom Song schreiben konnte ich meine MS verarbeiten. Seitdem habe ich einen klaren Überblick über mein Schicksal, und ich verteufle es nicht mehr. Inzwischen hab ich noch mehr geschrieben und erkannt, dass die schwierige Zeit sogar der Grund dafür war, wieso ich stärker geworden bin und viel für’s Leben gelernt habe. Heute lebe ich in Frieden mit der MS und habe mir sogar ein Tattoo dazu stechen lassen." Weitere postive Effekte stellten sich ein, seitdem er auf die Ernährung achte. So könne er sich vorstellen, als Wellness-Coach zu arbeiten, erklärt Adil: "Damit kann ich alle drei Elemente kombinieren: Ernährung - Bewegung - Persönliche Entwicklung.

Jeder muss seinen eigenen Weg finden

Mich interessiert auch, wie sich andere Leute mit MS verändern können", sagt Adil. "Ich empfehle jedem, sein Schicksal auf eigene Art zu verarbeiten. Ob es Musik ist, Texte schreiben oder was auch immer. Finde deinen Weg, wie du deine Erlebnisse reflektieren kannst. Und das ist das, was ich in meinem Lied sagen will: Das Schicksal bestimmt nicht unser Leben, sondern unsere Einstellung bestimmt unser Schicksal."

Gemeinsam stärker als MS

Der PicBadge zum Welt MS Tag 2015 ist da:
Mit dem kostenlosen digitalen Ansteckbutton kann in den sozialen Netzwerken ein Zeichen der Solidarität für die weltweit mehr als 2,5 Millionen MS-Erkrankten gesetzt werden. Grenzübergreifend lautet die Botschaft: Gemeinsam sind wir stärker als MS!
Mit einem Klick kommen Sie zum Download

 
Redaktion: DMSG- Bundesverband e.V. - 21. Mai 2015
 

- 21.05.2015