DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Antibiotika und Multiple-Sklerose-Risiko

01.06.06 – Wissenschaftler untersuchten den Einfluss von Antibiotika-Einnahme auf das MS-Risiko. Lediglich Penicillin zeigte eine geringe Wirkung

Immer wieder gibt es Hinweise darauf, dass Bakterien, unter anderen auch Chlamydophila pneumoniae, an der Entstehung entzündlicher neurologischer Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose beteiligt sein könnten.

Chlamydien-Infektionen werden auf sexuellem Wege übertragen. Das Bakterium C. pneumoniae führt zu Infektionen der Atemwege und wird für ca. 10% aller in der Bevölkerung auftretenden Fälle von Lungenentzündung verantwortlich gemacht. Infektionen mit C. pneumoniae sind weltweit verbreitet. 70% aller Erwachsenen sind mindesten einmal mit diesem Keim in Berührung gekommen, der innerhalb von Zellen überlebt, dabei aber oft unerkannt bleibt. Neuere Arbeiten weisen auf einen Zusammenhang zwischen solchen dauerhaften Infektionen mit C. pneumoniae und der Entwicklung von chronischen, degenerativen Erkrankungen hin. Ursache soll eine chronische Stimulation von Entzündungsreaktionen sein.

Würde ein Zusammenhang zwischen C. pneumoniae und der Entstehung einer Multiplen Sklerose bestehen, müssten Patienten, die Antibiotika gegen diese Bakterien eingenommen haben, eigentlich ein geringeres Risiko aufweisen, an MS zu erkranken.

Dieser Hypothese ging eine Gruppe von Wissenschaftlern um Dr. Alvaro Alonso aus Boston nach. Sie analysierten Daten von 163 MS-Patienten, deren Verlauf über mindestens drei Jahre verfolgt wurde und verglichen diese mit verschiedenen Kontrollgruppen. Grundlage der Studien war eine Fall-Kontroll-Studie, die in den Jahren 1993 – 2000 in Großbritannien durchgeführt worden war.

Im Ergebnis der Untersuchungen wurde festgestellt, dass ein Einsatz von Antibiotika allgemein sowie ganz speziell gegen C. pneumoniae keinen Zusammenhang zum MS-Risiko erkennen ließ. Dagegen konnte gezeigt werden, dass ein Einsatz von Penicillin innerhalb von drei Jahren vor dem Ausbruch das Risiko eines ersten MS-Schubes vermindern konnte.

Da diese Daten jedoch nur mit einer sehr geringen Patientenzahl (nur zwei der untersuchten MS-Erkrankten hatten vorab Penicillin eingenommen) erhalten wurden sind weitere Untersuchungen an größeren Gruppen notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Quelle:

Am J Epidemiol. 2006 Jun 1;163(11):997-1002.
Epub 2006 Apr 5.

Redaktion:

DMSG, Bundesverband e.V.
01. Juni 2006

- 01.06.2006