DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Rauchen beeinflusst Multiple Sklerose

23.07.2009 – Raucher verfügen nicht nur über ein erhöhtes Risiko, an Multipler Sklerose zu erkranken, sie müssen auch damit rechnen, durch ihren Tabakkonsum den Verlauf der Erkrankung negativ zu beeinflussen. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Harvard-Universität.

Die Studie untersuchte die gesundheitliche Entwicklung von MS-Erkrankten über einen Zeitraum von durchschnittlich drei Jahren. Wie auch frühere Studien bereits gezeigt haben, zählt Rauchen zu den Einflüssen, die den Ausbruch der Erkrankung fördern. In der aktuellen Studie wurde nun auch nachgewiesen, dass die Erkrankung bei Rauchern symptomatisch schneller fortschritt. Für die Studie, die sowohl Raucher, Nichtraucher als auch Exraucher einschloss, wurden Teilnehmer beobachtet, die im Schnitt 49 Jahre alt waren und 9,4 Jahre an MS litten. Insgesamt waren 1.465 Patienten beteiligt; davon 257 Raucher, 428 Ex-Raucher und 780 Nichtraucher.

Das Forschungsteam verband mit der Studie das Ziel, Raucherbiografien und Schweregrade der MS (EDSS und MSSS) sowie MRI-Messungen in Beziehung zu setzen und auszuwerten, um zu erkennen, ob die Erkrankung bei Rauchern schneller voranschreitet als bei Nichtrauchern. Dabei zeigte sich, dass sich die Ergebnisse von ehemaligen Rauchern nicht wesentlich von denen von Nichtrauchern unterschieden – das Aufhören lohnt sich also.

Darüber hinaus stellte sich die Frage, ob das Rauchen den Übergang von der schubförmigen zur sekundär-progressiven Form der MS maßgeblich beeinflusst. Schon zu Beginn der Studie konnte festgestellt werden, dass die teilnehmenden Raucher viel ausgeprägtere Krankheitssymptome zeigten als die Nicht- und Exraucher. Auch ein primär progredienter Verlauf war unter den Rauchern häufiger. Bei Rauchern mit schubförmigem Verlauf kam es schneller zum Beginn der sekundär progredienten Phase als bei Nichtrauchern.

Dass der Genuss von Tabak für die Nervenzellen schädlich ist, ist bekannt. Die Studie bietet jetzt nachweislich Anhaltspunkte, dass Rauchen nicht nur negative Auswirkungen auf den Verlauf von MS mit sich bringt, sondern ihn auch beschleunigt. Der Grund dafür sind Giftstoffe im Tabak, die die Myelinschicht der Nervenzellen zerstören, was bei MS ohnehin der Fall ist. Auch schwächt Nikotin das Immunsystem. Selbst wenn der letzte Beweis für einen eindeutigen Zusammenhang, laut Brian C. Healy, Mitautor der Studie, immer noch fehlt, gilt für MS-Erkrankte in jedem Fall weiterhin, besser auf das Rauchen zu verzichten.

Weitere Informationen in englischer Sprache finden Sie hier:

Originalarbeit:

Brian C. Healy, PhD; Eman N. Ali, MD; Charles R. G. Guttmann, MD; Tanuja Chitnis, MD; Bonnie I. Glanz, PhD; Guy Buckle, MD; Maria Houtchens, MD; Lynn Stazzone, MSN, NP; Jennifer Moodie, MD; Annika M. Berger, MD; Yang Duan, MD; Rohit Bakshi, MD; Samia Khoury, MD; Howard Weiner, MD; Alberto Ascherio, MD: Smoking and Disease Progression in Multiple Sclerosis, in: Arch Neurol. 2009;66(7):858-864.

Informationen zu früheren Studien finden Sie hier:

  

Quelle: Research News of the National Multiple Sclerosis Society (NMSS) – 16. Juli 2009

- 23.07.2009