DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

"Road to Teheran"-Lauf gegen Multiple Sklerose: Move on - Stay strong

5000 Kilometer. Allein. Zu Fuß. Was treibt einen an Multipler Sklerose erkrankten Studenten dazu, mit elf Kilo Gepäck von Bonn bis in den Iran zu laufen? Der junge Sportler Christopher stellt sich auf diese Weise seiner Krankheit und möchte auch andere motivieren, niemals aufzugeben und immer wieder aufzustehen: Der Weg ist das Ziel und die Strecke Bonn–Klagenfurt war erst der Anfang, nicht umsonst lautet das Motto seiner Tour "Road to Teheran".

Der 27-Jährige will die Strecke bis in den Iran in jährlichen Etappen laufen. "Move on - Stay strong” (Lauf weiter – bleib stark) lautet seine Devise.
Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. begleitet sein Projekt in den kommenden Jahren.

Die Diagnose MS kann Christopher nicht stoppen

Sport spielt schon lange eine große Rolle im Leben des Psychologie-Studenten. Seit Jahren schafft er es bei renommierten Marathonläufen in Deutschland und Österreich immer wieder an die Spitze des Teilnehmerfeldes. Kurzzeitig ausgebremst wurde Christopher im März 2013 als er für die österreichischen akademischen Meisterschaften in der Disziplin Halbmarathon trainierte. "Eine Zeit von 01:15:00 war von meinem Trainerstab angepeilt worden und eine Top 10-Platzierung", berichtet er im Interview mit dem DMSG-Bundesverband. Doch es kam anders: "Sowohl meine rechte Hand als auch mein rechtes Bein wurden 3 Wochen vor dem Wettkampf taub. Beide wachten selbst nach einigen Tagen nicht auf, sodass ich eine ganze Woche lang im Krankenhaus lag. Diagnose: Multiple Sklerose", blickt Christopher zurück auf die wohl schwerste Zeit.

Über den Sport zurück ins Leben

"Zwei Tage nach meiner Entlassung stand ich zwar wieder auf der Laufbahn, konnte aber kaum drei Kilometer laufen, da mein Bein mir nicht gehorchte, berichtet der 27-Jährige: "Von Familie, Freunden und Trainerstab angespornt kämpfte ich mich wieder zurück, startete in Wien und katapultierte mich in die Top30."

Schritt für Schritt gegen MS: Der Weg ist das Ziel

"Road To Teheran" ist ein Projekt mit dem Ziel, auf Multiple Sklerose aufmerksam zu machen. Christophers Plan ist es, die Strecke Bonn-Teheran allein zu bewältigen. Nicht an einem Stück. Ihm ist klar, dass er auf seinen Körper Rücksicht nehmen muss. Aus diesem Grund hat er sich vorgenommen, die 5000 Kilometer Strecke bis in den Iran in jährlichen Abschnitten zu absolvieren. Dem Studenten und Sportler geht es darum, auch andere MS- Erkrankte zu motivieren, ihre Träume und Ziele zu verwirklichen – jeder gemäß seinen individuellen Stärken. Als erfahrener Sportler war es für ihn naheliegend, zu laufen und so seine persönlichen körperlichen Grenzen neu auszuloten.

"Move on - Stay strong” (Lauf weiter – bleib stark) über sieben Staatsgrenzen

Seine Route wird ihn in den nächsten Jahren durch Deutschland, Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Türkei und den Iran führen. Christopher wird dabei sieben Staatsgrenzen überschreiten. Die Übernachtung erfolgt im Zelt oder bei Menschen, die er unterwegs kennenlernt. Keine leichte Aufgabe. "Schon in Deutschland war es manchmal hart, wenn keine Übernachtungsmöglichkeit in Sicht war, die blutigen Füße schmerzten und auch das Nahrungsangebot zu wünschen übrig ließ". Der Langstreckenläufer Christopher hielt tapfer durch und schaffte es an sein erstes Etappenziel Klagenfurt in Österreich, wo er von Freunden und Studienkollegen erwartet wurde.

Niemals aufgeben: MS ist keine Rote Karte

Vor dem Start seines großen Benefiz-Laufes hatte Christopher neben seiner Magisterarbeit seit vielen Monaten diszipliniert für sein großes Projekt trainiert." Gestern hatte ich eine 12km-Einheit ohne Gepäck in knapp über eine Stunde, heute frei. Morgen kommt dann noch ein Abschlusstraining über 5km, wo ich mich an das Tempo für Sonntag einstelle und letzte "Check-Ups" mache. Am Sonntag selber werde ich dann die circa 25km bestreiten von Bonn nach Remagen, um gut und locker ins Laufprojekt zu starten. Montag wird dann "angegriffen" mit den vollen 50 Kilometern", verriet Christopher seinen Trainingsplan kurz vor dem Startschuss.

Zurück in Bonn

"Komisches Gefühl nach 5 Wochen wieder in Bonn zu sein und die 1.000 Kilometer in unter zwei Tagen zu machen. Habe eine Mitfahrgelegenheit von Klagenfurt nach Würzburg genutzt und bin dort gestern Abend gegen 22 Uhr angekommen. Zum Glück habe ich Michael über Couchsurfing gefunden, der mich spontan aufgenommen hat. Die Nacht wäre sonst ein bisschen hart geworden. Gestern dann weiter "gehüpft" nach Bonn per Fernbus. Momentan bin ich mehr oder weniger in einer Non-Stop-Fress-Phase beantworte Fanpost (sorry, wenn ich was verspätet bin mit dem Antworten) und bearbeite Videos, die ich während der Reise gemacht habe.

Der ohnehin sehr schlanke junge Mann hat während seines Laufes viel Körpergewicht verloren. "Weil ich die Möglichkeit nicht hatte, die Dinge zu essen, die ich zu diesem Zeitpunkt brauchte", erklärt Christopher, die Notwendigkeit, eine Lösung für den Rest der Reise zu finden.

Der Anfang ist gemacht: nach dem Lauf ist vor dem Lauf

"Road To Teheran" soll nicht nur ein einmaliger Roadtrip sein, um auf MS aufmerksam zu machen und aufzuklären. Die Aktion soll auch all jene, die ebenfalls betroffen sind, ermutigen, sich nicht aufzugeben. Weiterzumachen. Einen Fuß vor den anderen zu setzen. Und das Leben trotz Diagnose weiterhin zu genießen. Weil MS keine "Rote Karte" ist, nicht das frühzeitige Aus bedeutet und nicht zwangsläufig zum Handicap werden muss.

Weiter ab Klagenfurt

Der zweite Teil seiner Tour soll im kommenden Jahr im Frühling/Sommer ab Klagenfurt starten. Dann will Christopher weiter laufen durch Slowenien. In der Zwischenzeit plant er, mit anderen MS-Erkrankten in MS-Gruppen ins Gespräch kommen. "Ich freue mich, dass ich die ersten 1.000 Km meiner Reise und Verständnisses gemacht habe, wie viel Bewegung besteht. Und Interesse, auch. Es ist noch für mich atemberaubend, was hier geschieht, und wie international es gekommen ist", schreibt ber auf seiner Facebook-Pinnwand. "Jeder muss seinen eigenen Weg finden, mit der Krankheit umzugehen und sein Leben neu aufzustellen", weiß Christopher. Für ihn ist der erfolgreiche Abschluss der ersten Etappe seines großen Projektes ein weiterer Beweis dafür, dass er auch mit der Krankheit noch sportlich aktiv sein und Großes erreichen kann. "Ich wollte schon immer eine Aktion für den guten Zweck starten, wusste aber nicht genau wie." Umso begeisterter ist er von der Resonanz: "Es ist für mich beeindruckend, wie viel Interesse auch international besteht", freut sich Christopher über die vielen positiven Reaktionen auf seine Aktion: "Damit habe ich nicht gerechnet."
Fortsetzung folgt…

Wer sein Engagement für die DMSG und deren Arbeit für Menschen mit MS unterstützen will, kann mit einer Spende ein Zeichen setzen.

  • Betreff "Road To Teheran",
    Bank für Sozialwirtschaft
    IBAN: DE17251205100000404040
    BIC: BFSWDE33HAN
  • Vielen Dank!

 

Noch Fragen? Mehr über die Erlebnisse auf seinem Weg durch Deutschland und Österreich sind hier zu finden.

Quelle: Bilder ©Christopher

- 17.11.2014