DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Sobek-Forschungspreise 2012 würdigen richtungsweisende Multiple Sklerose-Forschung

Zum 13. Mal fand die Sobek-Preisverleihung in Zusammenarbeit mit dem DMSG-Bundesverband und der AMSEL, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg, im Stuttgarter Schloss statt: Seit dem Jahr 2000 wurden insgesamt 1,42 Millionen Euro für wegweisende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose an Sobek-Forschungspreisträger und Sobek-Nachwuchspreisträger vergeben, die vor allem ein Ziel verfolgen: mehr Lebensqualität für die 2,5 Millionen MS-Erkrankten weltweit.

"Hoffnungsträger für unheilbar erkrankte Menschen zu sein, ist eine hohe Verantwortung. MS-Forscher fühlen sie und was noch wichtiger ist: Sie tragen ihr umfassend Rechnung", mit diesen Worten würdigte der Schirmherr des Bundesverbandes der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundespräsident a.D. Christian Wulff in seinem Grußwort in Stuttgart die große Zahl hochkarätiger Wissenschaftler und Kliniker, die sich der Suche nach den Ursachen und Therapien der Multiplen Sklerose verschrieben haben.

"Ihre Arbeit bedeutet mehr als die Lösung wissenschaftlich interessanter Fragestellungen. Es bedeutet Lebensqualität für 2,5 Mio. Menschen weltweit", sagte Ursula Späth, Schirmherrin der AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg. Einer dieser herausragenden Hoffnungsträger ist Prof. Dr. rer. nat. Christian Münz, der in diesem Jahr mit dem mit 100.000 Euro europaweit höchstdotierten MS-Forschungspreis ausgezeichnet wurde.

Preisträger Prof. Christian Münz stellt Impfstoff gegen Epstein-Barr-Virus in Aussicht

Der im schwäbischen Wertingen geborene Preisträger ist seit 2008 Direktor des Instituts für Experimentelle Immunologie der Universität Zürich und befasst sich seit vielen Jahren intensiv und höchst erfolgreich mit Fragen der Autoimmunität und hier besonders mit der Rolle von bestimmten Virusinfektionen und Tumoren. "Ihre fundamentale und preiswürdige Entdeckung bezieht sich auf eine neuentschlüsselte Funktionsweise von Immunzellen. Ihre Beobachtungen sind bei krankhafter Störung der Immunkontrolle von grundlegender Bedeutung, unter anderem bei der Multiplen Sklerose. Diese Entdeckungen werden in den folgenden Jahren auch für ganz neue experimentelle Therapieformen interessant sein. Es gibt guten Grund zur Hoffnung, dass all dies MS-Betroffenen alsbald zugutekommen könnte", so die baden-württembergische Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Theresia Bauer, in ihrer Laudatio.

Prof. Münz, ist der Nachweis gelungen, dass die für die Immunkontrolle wichtigen Antigene als "selbstverdaute" Bruchstücke auf den Antigen-präsentierenden Zellen so dargeboten werden, dass sie von T-Lymphozyten, die für die Kontrolle und Steuerung des Immunsystems bedeutsam sind, erkannt werden. In seinem Vortrag "MS und Epstein-Barr-Virus – ein Hausgast, der uns ein zögerliches Willkommen übel nimmt" erläuterte der Wissenschaftler seine Erkenntnisse und gewährte einen Ausblick auf seine weiteren Forschungen: "Ziel unserer weiteren Forschungen auf diesem Gebiet ist es, einen Impfstoff zu entwickeln, mit dem Jugendliche gegen das Epstein-Barr-Virus immunisiert werden können, so dass sie kein Pfeiffersches Drüsenfieber entwickeln."

Ministerin Bauer dankte der 1994 in Renningen gegründeten Roman, Marga und Mareille Sobek-Stiftung für ihr großartiges finanzielles Engagement bei der Förderung des Fortschritts im Bereich der Multiplen Sklerose und der dazu gehörigen Grundlagenforschung. Sie bescheinigte diesem renommierten, so hoch dotierten Preis: "Der Sobek-Preis trägt mit dazu bei, die Forschung über MS voranzutreiben, aber eben auch die Öffentlichkeit an dieser Entwicklung teilhaben zu lassen. Ich bin mir sicher, die heutige Preisverleihung wird vielen Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen Mut und Zuversicht geben, denn sie zeigt, dass die Erforschung dieser heimtückischen Krankheit Fortschritte macht."

Sobek-Nachwuchspreisträgerin PD Dr. med. Luisa Klotz entdeckte Rezeptoren im Immunsystem, die den Verlauf der MS bremsen könnten

Prof. Klaus V. Toyka, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates der Sobek-Stiftung, Ehrenvorsitzender und Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes stellte die Sobek-Nachwuchspreisträgerin 2012, PD Dr. med. Luisa Klotz, vor. Er lobte die 37-jährige als herausragende junge Wissenschaftlerin, deren beeindruckende Leistungsbereitschaft, Ausdauer, Motivation und Unbeirrbarkeit beispielhaft sei und die "nicht nur ihre klinische und wissenschaftliche Laufbahn auf höchstem Niveau und mit großem Erfolg absolviert hat, sondern auch noch eine Familie gründete und zwei Kinder geboren hat." Die Neurologin, die ihre prägenden Jahre an der Universität Bonn verbrachte, ist seit 2011 als Arbeitsgruppenleiterin an der neurologischen Universitätsklinik in Münster tätig. Dr. Klotz erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Nachwuchspreis für ihre experimentellen Forschungen auf dem Gebiet der Immunregulation und ihren Störungen. Ihr gelangen wichtige Entdeckungen an einem erst vor wenigen Jahren erkannten Schaltmolekül des Immunsystems.

Quelle: Bilder von AMSEL, DMSG-Landesverband Baden Württemberg e.V.

- 03.12.2012