DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Sommer, Sonne, Hitze: Wie MS-Erkrankte die heiße Jahreszeit gut gestalten können

Die derzeitigen hohen Temperaturen stellen für viele Multiple-Sklerose-Erkrankte eine große Herausforderung dar. Symptome verschlechtern sich, der Alltag ist in hohem Maße von Erschöpfung geprägt, die Lebensqualität leidet. Der Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft informiert darüber, was Linderung verschafft und welche Maßnahmen ergriffen werden können.

 

Die Auswirkungen von Hitze auf den Körper ernst zu nehmen und gut auf sich zu achten, ist angesichts häufiger werdenden Hitzewellen von großer Bedeutung. Das betont Dr. Gerald Quitterer aus dem Vorstand der Bundesärztekammer, die aktuell auf Landes- und kommunaler Ebene einen Aktionsplan für Hitzeschutz fordert. "Hitzewellen bedeuten Schwerstarbeit für den Körper. Daher ist es mit Blick auf die ärztliche Versorgung wichtig, besonders gefährdete Patientinnen und Patienten über die gesundheitlichen Risiken und die adäquaten Gegenmaßnahmen aufzuklären", so Quitterer.

Für viele MS-Erkrankte verursacht Wärme eine vorübergehende Verschlechterung ihrer Symptome. Sie fühlen sich schlapp, müde und benommen bei schwülem Wetter oder bemerken eine Verschlechterung ihrer Behinderung. Die Körperinnentemperatur steigt an und kann zum Beispiel zu erhöhter Fatigue, allgemeiner Schwäche, Lähmungen sowie einer Sehverschlechterung und Zunahme der Spastik führen.

Der Grund dafür wird als das so genannte Uhthoff-Phänomen bezeichnet, das bei Patienten mit Multipler Sklerose auftretende Verstärkungen neurologischer Symptome oder der allgemeinen Leistungsfähigkeit im Rahmen erhöhter Umgebungs- oder Körpertemperatur (auch bei Fieber) beschreibt.

Hervorgerufen werden diese unerwünschten Effekte durch die temperaturabhängig verschlechterte Leitfähigkeit in den von der MS beeinträchtigten Abschnitten im Zentralnervensystem.

Hitze kann die Krankheit nicht dauerhaft verschlimmern
Die gute Nachricht: Die Symptome bilden sich nach einer Absenkung der Temperatur wieder zurück. Ein Schub wird in der Regel durch erhöhte Temperaturen nicht ausgelöst. Sobald der MS-Erkrankte wieder "abkühlt", verschwinden meist auch die durch das Uhthoff-Phänomen ausgelösten Beeinträchtigungen.

Was allerdings wissenschaftlich bewiesen ist, ist, dass Hitze nicht nur kognitive Funktionen einschränken kann. Auch die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen im Gehirn verlangsamt sich.

Wie kann man der Wärme also am besten begegnen?

Viele Maßnahmen sind einfach zu realisieren:

Viel trinken! Trinken Sie so viel wie möglich! Das körpereigene Kühlsystem (Schwitzen) sollte so effektiv wie möglich funktionieren. Aber dadurch geht viel Körperflüssigkeit verloren. Diese muss unbedingt ersetzt werden, um einer Austrocknung vorzubeugen - Wasser sollte das Getränk der Wahl sein; gut sind auch Saftschorlen oder Kräuter- und Früchtetees. Vermeiden Sie Kaffee, da er die Ausscheidung von Flüssigkeit fördert und den Genuss von Alkohol.

Kleidung! Die Kleidung sollte leicht und durchlässig sein (Baumwolle), um eine optimale Transpiration zu sichern.

Kühle Orte aufsuchen! Setzen Sie sich so wenig wie möglich der Wärme aus! Wenn möglich in schattigen, eventuell klimatisierten Räumen bleiben. Ventilatoren und transportable Klimageräte können hilfreich sein. Bei nicht vermeidbarem Aufenthalt in der Sonne unbedingt eine Kopfbedeckung tragen.

Sorgen Sie für Abkühlung! Lassen Sie die Rollläden bei starker Sonne herunter. Nehmen Sie ein kühles Bad oder eine kühle Dusche. Kühlen Sie Stirn und Nacken mit Eiswürfeln. Lassen Sie ab und zu kaltes Wasser über die Arme laufen. Auch kühle Fußbäder können hilfreich sein.

Der Handel bietet Wassersprays an – Sie können sich diese aber auch ganz einfach aus einer leeren, sauberen Sprayflasche selbst herstellen. Bei einer verstärkten Spastik können kühle Umschläge (z. B. Kühlelemente, die in ein Handtuch eingewickelt sind) helfen.

Vorsicht ist jedoch geboten, vor allem wenn gleichzeitig das Temperaturempfinden der Haut eingeschränkt ist: Diese Umschläge sollten immer nur kurz, das heißt einige Minuten angewendet und lieber später noch einmal wiederholt werden. Unterstützend wirken auch die angebotenen Kühlelemente wie Westen, Stirn- und Nackenbänder. Praktisch ist auch ein tragbarer Mini–Ventilator (batteriebetrieben), der in die Handtasche oder den Rucksack passt. 

Planen Sie Ihren Tag! Gestalten Sie Ihren Tagesablauf so, dass erforderliche Arbeiten in den kühleren Stunden des Tages stattfinden können. Vermeiden Sie übermäßige Anstrengungen!

Einen Grund für Menschen mit MS, grundsätzlich die Sonne zu meiden, gibt es übrigens nicht. Wer den Sommer und die Wärme der Sonne liebt, kann sie in Maßen auch genießen, wenn er die Vorsichtsmaßnahmen beachtet und die Signale seines Körpers ernst nimmt. Bei Fragen konsultieren Sie bitte Ihren Hausarzt oder Neurologen.

 

Quellen: DMSG-Bundesverband e.V., 21.08.2020
Pressemitteilung Bundesärztekammer 14.08.2020
Interview mit Prof. Dr. med. Peter Flachenecker, Chefarzt am Neurologischen Rehabilitationszentrum Quellenhof in Bad Wildbad, Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes, 03.07.2017

 

 

- 21.08.2020