DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Barrierefrei Reisen mit Multiple Sklerose: mit Wohnmobil und Rollstuhl um die Welt

Gisela von Mossen und ihr an Multiple Sklerose erkrankter Mann Gerd bereisten zwischen 1983 und 2005 die schönsten Landschaften und Städte dieser Welt – 230.000 Kilometer im Wohnmobil mit dem Rollstuhl im Gepäck: "Das ist fast sechsmal um die ganze Welt", ermutigt die Hamburgerin in ihrem E-Book die Leser: "Ich möchte zeigen, dass man das Leben auch mit Handicap in vollen Zügen genießen kann".

Die Diagnose Multiple Sklerose ist ein Schock, bedeutet aber keinesfalls ein Ende der Lebensqualität. In der Serie "Mutmachgeschichten" stellt der DMSG-Bundesverband Menschen vor, die diese Krankheit als Chance begreifen, neue Wege zu beschreiten. Gerd von Mossen ist erst 24 Jahre alt als er die Diagnose MS erhält - frisch verliebt, eine Karriere als Ingenieur vor sich und den Kopf voller Zukunftspläne. Für seine große Liebe Gisela, eine junge Sekretärin aus Nienburg an der Weser, war sofort klar, dass sie ihm zur Seite stehen will. Sie heirateten, bekamen zwei Töchter – und ahnten nicht, welche große Reise ihnen noch bevorsteht.

Taubheitsgefühl in den Armen und Beinen können den jungen Ingenieur nicht bremsen. Zunächst am Gehstock, später mit dem Auto koordiniert er als Geschäftsführer bei verschiedenen Bauunternehmen die Abläufe auf Baustellen - in Oldenburg, später in Hamburg und Düsseldorf. Dann erfährt der Optimismus des jungen Ehepaares einen ersten Dämpfer. Ein Reha-Aufenthalt öffnet ihnen die Augen, wie schnell der unberechenbare Verlauf der MS ihrem Tatendrang einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Ab sofort genießen sie das Leben in vollen Zügen, besuchen das Theater, gehen ins Kino, unternehmen Reisen. "Es geht, wenn man nur den Mut nicht verliert", lautet ihre Devise.

Beim Reisen verschwindet die Scheu vorm Rollstuhl

Auch als Gerd von Mossen nur noch 50 bis 100 Meter Gehstrecke am Tag schafft wehrte er sich dagegen, einen Rollstuhl anzuschaffen. "Er sagte immer: 'Wenn ich da erst mal drinsitze, komme ich nie wieder raus", erinnert sich seine Frau. Erst eine Tour durch die Staaten kann ihn 1991 überzeugen: "Wir mieteten einen Rollstuhl und kamen so automatisch immer als Erste zu den vielen Sehenswürdigkeiten. In Amerika nimmt man viel mehr Rücksicht auf behinderte Reisende. Das war eine ganz neue Lebensqualität!", Die Kombination aus Wohnmobil und Rollstuhl erweist sich als die perfekte Urlaubsform für die beiden. Eine Nil-Kreuzfahrt ist die erste Reise mit eigenem Rollstuhl. Sie wurden so zuvorkommend behandelt, dass sich alle ihre Zweifel, jemandem zur Last zu fallen, in Nichts auflösten. Ob vom Personal oder anderen Touristen: "Wir bekamen immer mehr Hilfe, als wir nötig hatten", berichtet Gisela von Mossen. Sogar ein Ausflug in die Wüste war so möglich.

1976 kaufen sie eine Motoryacht. "Abenteuer auf Bootsplanken" heißt das Buch, in dem die heute 79-Jährige Gisela von Mossen schildert, was die vierköpfige Familie auf dem Motorschiff "Gimoga" (eine Abkürzung der weiblichen Vornamen Gisela, Monika, Gaby) erlebt. 1983 tauschten sie das Boot gegen ein komfortables Wohnmobil. Von Düsseldorf aus bereisten sie die Welt: zunächst die Türkei, das ehemalige Jugoslawien, Schottland, Skandinavien, Griechenland, Tschechien.

Der Ruhestand wird zum Abenteuer

Später als Rentner folgen Fernreisen in die USA in gemieteten Wohnmobilen - nach Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika. Insgesamt legen sie 180.000 Kilometer mit ihrem eigenen Auto zurück, 50.000 Kilometer sind es noch einmal mit Mietwagen. Große Vorbereitungen gab es nicht, lieber seien sie einfach losgefahren. Auch als Gisela von Mossen an Brustkrebs erkrankt und operiert werden muss, bremst das nicht ihre Lust aufs Leben. Mit ihrer letzten großen Tour im Jahr 1999, die die beiden 6000 Kilometer durch den Mittleren Westen der USA führt, haben sie alle Ziele auf ihrer Wunschliste abgehakt.

Ab 2005 lebt das Paar in Hamburg bis Gerd von Mossen im Jahr 2011 im Alter von 77 Jahren in einem Hospiz an Leukämie stirbt. Seine Witwe will mit ihrem Buch anderen Betroffenen Mut machen. "Es ist ausgesprochen wichtig, seine Krankheit anzunehmen und optimistisch in die Zukunft zu schauen", schreibt die Autorin im Vorwort. "Dann ist auch ein Leben mit Behinderung durchaus lebenswert!"

"Mit dem Wohnmobil durch die Welt – trotz Rollstuhls im Gepäck" zeigt auf 1117 Seiten, dass die Diagnose MS nicht automatisch ein Leben in Stillstand und Isolation bedeutet – ein informativer Reisebericht und zugleich ein Kraft spendendes Signal an alle,

Das E-Buch ist im Dateiformat ePUB beim Verlag epubli (Verlagsgruppe Holtzbrinck) für 7.99 Euro unter der ISBN-13: 9783844252477 erhältlich.

- 26.06.2013