DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Wissenswertes und Tipps

Tipps zum Umgang mit Arzneimitteln

15.08.2008 – Eigentlich weiß man über den Umgang mit Medikamenten ganz gut Bescheid. Aber wer kennt sie nicht – die Unsicherheit über exakte Dosierungen, den sinnvollen Inhalt einer Reiseapotheke oder die Haltbarkeit gerade bei heißen Temperaturen. Wir haben für Sie ein paar Tipps zusammengestellt.

Vor dem Urlaub die Reiseapotheke kontrollieren: Natürlich gehören die individuellen Arzneimittel in die Reiseapotheke, was darüber hinaus aber bedacht werden muss, hängt sowohl vom Reiseziel als auch von der Art des Urlaubs ab. Deshalb empfiehlt sich auf jeden Fall eine ausführliche Beratung durch den Arzt oder Apotheker, der zum Beispiel auch Informationen bereithält, falls Medikamente zu einem festen Zeitpunkt eingenommen werden müssen und eine Fernreise mit Zeitverschiebung geplant ist.

Grundsätzlich sollte die Reiseapotheke im Handgepäck mitgeführt werden, da Koffer schon mal verloren gehen können. Bei einer Flugreise dürfen aus Sicherheitsgründen nur geringe Mengen an Tropfen oder Arzneisäften mitgenommen werden und für starke Schmerz- bzw. Betäubungsmittel ist bei einer Auslandsreise eine Bescheinigung des behandelnden Arztes für den Zoll empfehlenswert. Darüber hinaus sollte das Haltbarkeitsdatum überprüft werden.

Haltbarkeit von Arzneimitteln: Die Haltbarkeit von Medikamenten ist idealerweise bei einer Temperatur unter 25° Celsius gewährleistet. Deshalb ist es ratsam, Arzneimittel an heißen Sommertagen nicht im Auto oder Zelt zu lagern, sondern sie in einer Kühltasche ohne Kühlelemente aufzubewahren. Bei starker Erwärmung können sie unbrauchbar, möglicherweise sogar unwirksam werden. So können zum Beispiel Spraydosen aufreißen und ihren Inhalt verlieren. Zäpfchen schmelzen und verteilen beim Abkühlen ihre Wirkstoffe unregelmäßig, so dass die Wirkung ungünstig beeinflusst werden kann. Apotheken erteilen Auskünfte über die Wärmeempfindlichkeit von Arzneimitteln.

Für individuell hergestellte Cremes und Salben gelten andere Kriterien für die Haltbarkeit. Rezepturen ohne Konservierungsstoffe sind zwar gut verträglich, bleiben aber nur für kurze Zeit mikrobiell einwandfrei und deshalb auch nur begrenzt haltbar. Wasserhaltige Cremes sind in der Regel eine bis vier Wochen haltbar, wenn sie in einer Tube oder Spenderdose abgefüllt sind. Bei Aufbewahrung in einer einfachen Salbendose empfiehlt sich die Entnahme mit einem kleinen Spatel oder Holzstäbchen und nicht mit den Fingern, damit die Gefahr von Verunreinigungen verringert wird. Auf jeden Fall sollte die angegebene Verbrauchsfrist beachtet werden.

Einnahme von Arzneimitteln: Tabletten und Kapseln sollten möglichst aufrecht, also im Sitzen oder Stehen, und mit viel Leitungswasser eingenommen werden. So wird zum einen das unbemerkte Verhaften in der Speiseröhre sowie zum anderen die Schädigung der Schleimhäute verhindert. Die Menge der Flüssigkeit sollte möglichst 100 bis 200 Milliliter betragen, wobei darauf zu achten ist, dass Mineralwasser, Kaffee, Tee, Milch oder Fruchtsäfte die Wirkung der Medikamente beeinträchtigen können. Bei auftretenden Problemen beim Schlucken ist eine Rücksprache mit dem Arzt empfehlenswert, da zum Beispiel das Zerkleinern von Tabletten oder das Öffnen von Kapseln zu unerwünschten Reaktionen führen kann. Beispielsweise kann die Wirkung retardierter Arzneimittel zu früh einsetzen oder der Inhalt geöffneter Kapseln greift die Magenschleimhaut ungeschützt an.

Bei der Einnahme von Medikamenten ist zusätzlich zu bedenken, dass die Wirkung schneller erfolgt, wenn sie vor einer Mahlzeit auf nüchternen Magen verabreicht werden. Der Arzt, Apotheker oder die Packungsbeilage informieren deshalb über den optimalen Einnahmezeitpunkt – also vor, während oder nach dem Essen – und die Mindestabstände zwischen Nahrungs- und Arzneimittelaufnahme. So bedeutet die Empfehlung "vor dem Essen" mindestens eine halbe Stunde vor, "nach dem Essen" mindestens zwei Stunden nach einer Mahlzeit, da grundsätzlich alle Lebensmittel und Getränke unterschiedlich Einfluss auf die Wirkung ausüben.

Diese Wechselbeziehung gilt in besonderem Maße für den gleichzeitigen Alkoholkonsum, da dessen Auswirkungen viel komplexer und schwerer vorhersehbar sind. Deshalb wird bei einer Medikamenteneinnahme ein Alkoholverzicht empfohlen. Lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt oder von Ihrem Apotheker beraten. Grundsätzlich ist bekannt, dass Alkohol die Wirkung verschiedener Arzneimittel verstärkt bzw. vermindert, zu Einschränkungen der Reaktionsfähigkeit und Fahrtüchtigkeit, zu vermehrten Nebenwirkungen sowie zu Unverträglichkeitssymptomen, wie zum Beispiel Übelkeit oder Schwindel, führen kann. Arzneimittel, die ihrerseits pro Einzelgabe mehr als drei Gramm Alkohol enthalten, tragen einen Warnhinweis.

Arzneisäfte mit geeigneten Messgefäßen dosieren: Flüssige Medikamente sollten immer mit einem Messbecher oder -löffel abgemessen werden, da Tee- oder Esslöffel je nach Besteckreihe unterschiedlich groß sind und zu ungenauen Dosierungen führen können. Dies gilt besonders, wenn stark wirksame Medikamente oder Säuglingen und Kleinkindern bestimmte Teilmengen verabreicht werden müssen. Viele Hersteller legen ihren Präparaten geeignete Dosierhilfen bei und für Kinder sind in Apotheken spezielle Spritzen erhältlich, die das genaue Abmessen erleichtern.

 
Quelle: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Juli und August 2008
Redaktion: DMSG, Bundesverband e.V. – 15. August 2008
 

- 14.08.2008