DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Wissenswertes und Tipps

Tropische Wärme und Multiple Sklerose - das Uhthoff-Phänomen und was helfen kann

Hitzewelle in Deutschland: Wenn die Temperaturen auf ungeahnte Höhen klettern, haben besonders Multiple Sklerose-Erkrankte verstärkt mit den Auswirkungen zu kämpfen-Was bei diesem drückenden Klima zu beachten ist und wie bereits bestehende Symptome gelindert werden können, das lesen Sie hier.

Für viele MS-Erkrankte scheint Wärme eine vorübergehende Verschlechterung ihrer Symptome zu verursachen. Sie fühlen sich schlapp, müde und benommen bei schwülem Wetter oder bemerken eine Verschlechterung ihrer Behinderung. Die Körperinnentemperatur steigt an und kann zum Beispiel zu erhöhter Fatigue, allgemeiner Schwäche, Lähmungen sowie einer Sehverschlechterung und Zunahme der Spastik führen.
Der Grund dafür wird als das so genannte Uhthoff-Phänomen bezeichnet, das bei Patienten mit Multipler Sklerose auftretende Verstärkungen neurologischer Symptome oder der allgemeinen Leistungsfähigkeit im Rahmen erhöhter Umgebungs- oder Körpertemperatur (auch bei Fieber) beschreibt.
Hervorgerufen werden diese unerwünschten Effekte durch die temperaturabhängig verschlechterte Leitfähigkeit in den, von der MS beeinträchtigten, Abschnitten im Zentralnervensystem.

Wichtig: Hitze kann die Krankheit nicht dauerhaft verschlimmern

Die gute Nachricht: Die Symptome bilden sich nach einer Absenkung der Temperatur wieder zurück. Ein Schub wird in der Regel durch erhöhte Temperaturen nicht ausgelöst. Sobald der MS-Betroffene wieder "abkühlt", verschwinden meist auch die durch das Uhthoff-Phänomen ausgelösten Beeinträchtigungen.

Hitze kann auch die Hirnfunktion bremsen

Eine US-amerikanische Studie hat ergeben, dass Hitze nicht nur kognitive Funktionen einschränken kann. Auch die Verarbeitungsgeschwindigkeit von Informationen im Gehirn verlangsamt sich. Mehr

Was kann man tun bei dieser Wärme?

Viele Maßnahmen sind einfach zu realisieren:

  • Trinken Sie so viel wie möglich! Das körpereigene Kühlsystem (Schwitzen) sollte so effektiv wie möglich funktionieren. Aber dadurch geht viel Körperflüssigkeit verloren. Diese muss unbedingt ersetzt werden, um einer Austrocknung vorzubeugen - Wasser sollte das Getränk der Wahl sein; gut sind auch Saftschorlen oder Kräuter- und Früchtetees.
  • Die Getränke sollten kühl sein.
  • Vermeiden Sie Kaffee, da er die Ausscheidung von Flüssigkeit fördert und den Genuss von Alkohol.
  • Die Kleidung sollte leicht und durchlässig sein (Baumwolle), um eine optimale Transpiration zu sichern.
  • Setzen Sie sich so wenig wie möglich der Wärme aus!
  • Wenn möglich in schattigen, eventuell klimatisierten Räumen bleiben. Ventilatoren und transportable Klimageräte können hilfreich sein.
  • Bei nicht vermeidbarem Aufenthalt in der Sonne unbedingt eine Kopfbedeckung tragen.
  • Unterlassen Sie übermäßige Anstrengungen!
  • Lassen Sie die Rolläden bei starker Sonne herunter!
  • Kühlen Sie sich regelmäßig ab!
  • Nehmen Sie ein kühles Bad oder eine kühle Dusche.
  • Kühlen Sie Stirn und Nacken mit Eiswürfeln.
  • Lassen Sie ab und zu kaltes Wasser über die Arme laufen. Auch kühle Fußbäder können hilfreich sein.
  • Der Handel bietet Wassersprays an – Sie können sich diese aber auch ganz einfach aus einer leeren, sauberen Sprayflasche selbst herstellen.
  • Bei einer verstärkten Spastik können kühle Umschläge (z. B. Kühlelemente, die in ein Handtuch eingewickelt sind) helfen. Vorsicht ist jedoch geboten, vor allem wenn gleichzeitig das Temperaturempfinden der Haut eingeschränkt ist: Diese Umschläge sollten immer nur kurz, das heißt einige Minuten angewendet und lieber später noch einmal wiederholt werden.
  • Unterstützend wirken auch die angebotenen Kühlelemente wie Westen, Stirn- und Nackenbänder.
  • praktisch ist auch ein tragbarer Mini–Ventilator (batteriebetrieben), der in die Handtasche oder den Rucksack passt
  • Vermeiden Sie längere Aufenthalte in der Sonne und lange Autofahrten
  • planen Sie Ihren Tagesablauf so, dass erforderliche Arbeiten in den kühleren Stunden des Tages stattfinden können.

Wir hoffen, dass Ihnen diese Tipps helfen, die heiße Zeit dieses Jahr gut zu überstehen, so dass Sie möglichst viele Sommertage genießen können!
Bei weiteren Fragen konsultieren Sie bitte Ihren Hausarzt oder Neurologen.

- 19.06.2013