DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Überraschender Effekt nach Stammzell-Behandlung weckt Hoffnung auf Heilmittel gegen Multiple Sklerose

Durchbruch im Kampf gegen Multiple Sklerose? Erstmals haben Forscher in den USA Mäuse mit MS-typischen Lähmungen nach der Behandlung mit menschlichen Stammzellen komplett geheilt: Allerdings haben nicht die Stammzellen selbst diese Wirkung erzielt, sondern bestimmte Proteine, die sie im Mäuserückenmark freisetzen- gelingt es, diese zu identifizieren, könnte in einigen Jahren daraus ein Heilmittel für MS entwickelt werden, berichten die Forscher im Fachmagazin "Stem Cell Reports".

Noch ist MS nicht heilbar. Bisherige Therapien konzentrieren sich meist darauf, den Immunangriff auf die Myelinscheiden zu unterdrücken. Sie sind aber nur bedingt wirksam und haben teilweise erhebliche Nebenwirkungen. Zudem können sie das Fortschreiten der Erkrankung nur verlangsamen, nicht aber stoppen oder umkehren. Forscher um Jeanne Loring vom Scripps Research Institute in La Jolla und Thomas Lane von der University of Utah in Salt Lake City haben nun mit einem neuen Ansatz nach einem Heilmittel gesucht.

Ein Routineversuch mit überraschendem Ausgang

Um den Effekt der Stammzell-Therapie zu testen, infizierten die Forscher Mäuse mit einem Virus, das MS-ähnliche Schäden verursacht. Nach kurzer Zeit konnten die Mäuse nicht mehr laufen. Im Anschluss wurden noch wandelbare neurale Vorläuferzellen in das Rückenmark eingeschleust, damit sie dort die MS-bedingten Schäden reparieren können.

In ihrem aktuellen Versuch verabreichten die Wissenschaftler den erkrankten Mäusen in Kultur gezüchtete menschliche neuronale Stammzellen – eigentlich ein Routineversuch, von dem sie sich nur wenig erhofften. Denn normalerweise werden diese fremden Stammzellen vom Körper der Mäuse schnell wieder abgestoßen.

Stammzellen wurden abgestoßen, aber plötzliche Heilung

Dann die Überraschung: Schon 10 bis 14 Tage nach der Stammzell-Behandlung erlangten die kranken Mäuse die Kontrolle über ihre Muskeln wieder, nach wenigen Monaten schienen sie komplett geheilt und zeigten auch keine Anzeichen für ein neuerliches Ausbrechen der Symptome, wie die Forscher beobachteten.

Das Erstaunliche daran: Zum Zeitpunkt der Besserung hatte der Körper der Mäuse die fremden Stammzellen längst abgestoßen. Trotzdem hielt der heilende Effekt an. Nach Ansicht der Forscher deutet dies darauf hin, dass nicht die Stammzellen selbst die Besserung herbeiführen, sondern bestimmte Substanzen, die sie abgeben. "Nachdem die menschlichen Stammzellen den ersten Dominostein umgeworfen haben, können sie entfernt werden und der Prozess geht weiter, weil sie eine ganze Kaskade von Ereignissen angestoßen haben", erklärt Ron Coleman von der University of California in Irvine, einer der beiden Erstautoren der Studie.

Nicht die Stammzellen, sondern die Proteine sind die neuen Hoffnungsträger
Bei den von den Stammzellen abgegebenen Substanzen handelt es sich wahrscheinlich um Proteine, die die angegriffenen Nervenzellen dazu bringen, ihre Myelinhüllen wieder zu regenerieren. Die Forscher sind noch dabei diese Proteine zu identifizieren. Als ein Kandidat gilt bereits der sogenannte transformierende Wachstumsfaktor Beta (TGF-B), andere Mitspieler schließen die Forscher aber nicht aus.

Für Patienten mit Multipler Sklerose könnte sich diese Entdeckung als großer Schritt hin zu einem Heilmittel erweisen, sagen die Wissenschaftler. Denn da offenbar nicht die Stammzellen selbst, sondern die von ihnen abgegebenen Substanzen die Symptome der Mäuse wieder rückgängig machten, vereinfacht dies die Entwicklung einer Therapie erheblich. "Wenn wir die Faktoren identifizieren, die für diese Heilung verantwortlich sind, dann können wir daraus ein Medikament machen", so Thomas Lane.

Proteine müssen jetzt identifiziert werden

Statt einer aufwändigen Stammzell-Therapie könnte dann ein neues MS-Medikament gefunden werden. Bis es aber so weit ist, müssen die Forscher nun erst einmal die entsprechenden Proteine identifizieren und diese dann ihrerseits in Tierversuchen und klinischen Tests prüfen. Ein erster Ansatz ist somit gefunden. Der Weg zu einem neuen Medikament ist jedoch noch lang. 10 bis 15 Jahre dauert die Entwicklungsphase im Durchschnitt.

Original: Stem Cell Reports, 2014; doi: 10.1016/j.stemcr.2014.04.005

Quelle: Scripps Research Institute/ University of Utah, Scinexx - 16. Mai 2014

- 16.05.2014