DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Wer ist Marie? Regisseur Olli Boehm lüftet das Geheimnis hinter dem TV Spot der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft

Olli Boehm lebt mit Multipler Sklerose und ist Regisseur des TV-Spots des DMSG-Bundesverbandes. Die Widmung "Für Marie" in der Schwarz-Weiß-Version des Spots hat für viele Spekulationen gesorgt. Dabei handelt es sich um einen letzten Gruß von Olli Boehm an seine ebenfalls an MS erkrankte Lebensgefährtin. Marie ist kurz vor Beginn der Dreharbeiten verstorben.

Viele Zuschauer vermuteten, dass es sich bei der blonden jungen Frau auf dem Startbild des Social Spots um Marie handelt. Doch das ist falsch. Die Frau im Spot ist Janine, die als DMSG-Reporterin auch im Video-Interview über ihre Erfahrungen nach dem TV-Spot berichtet: Mehr 

Marie hat die Dreharbeiten auf dem Frühlingsfest in Hannover leider nicht mehr erlebt. Sie verstarb kurz vor Beginn des Drehs an Krebs. "Wir hatten uns kurz vor ihrer Abreise noch lange nonverbal verabschiedet", berichtet Regisseur Olli Boehm von dem schweren Verlust, den er während der Film-Arbeiten hinnehmen musste. Mit der Widmung "Für Marie" und der Schwarz-Weiß-Version des Spots hat er Marie einen letzten Gruß gewidmet. Auch die Musik ist hier bewusst besinnlich gehalten und wurde von dem ebenfalls an MS erkrankten Komponisten Ingo Nather gespendet.

Marie wusste, wie viel es ihrem Freund bedeutet, diesen Spot zu machen. „Leider konnte ich sie nicht mehr um ihre Meinung bitten“, bedauert Olli Boehm.  

Tatsächlich ist dieser Spot etwas Besonderes: Der DMSG-Spot in seinen verschiedenen Versionen und seine Teilnehmer sorgen seit dem Welt MS Tag 2017 für viel öffentliches Interesse an der Erkrankung Multiple Sklerose. Schon die Zusammenstellung des Filmsets war ungewöhnlich: Erstmals waren alle Menschen vor der Kamera und einige dahinter selbst an MS erkrankt. Der Spot wird pro bono auf vielen privaten TV-Sendern ausgestrahlt. Darin zu sehen sind Menschen mit verschiedenen Verlaufsformen der MS – einige mit Handicap, andere ohne sichtbare Beeinträchtigungen, einige leben als Familie, andere als Single. Sie alle wollen mit ihrer Teilnahme für mehr Verständnis und Unterstützung für den Kampf gegen MS werben - stellvertretend für die vielen anderen Betroffenen, denen es krankheitsbedingt nicht mehr möglich ist, ein Karussell zu betreten. Das Karussell symbolisiert im Spot das unberechenbare allzu oft schwindelerregende Leben mit der noch unheilbaren Erkrankung. Mehr 

Marie erkrankte früh an MS. Bevor sie in „Rente“ ging war sie im Mode-Einzelhandel tätig. Auch als sie zusätzlich an Krebs erkrankte, hatte sie immer ein offenes Ohr für wertvolle Gespräche über Kunst und Film mit ihrem Seelenverwandten Olli Boehm. Kennengelernt hatten sich die beiden während einer Reha in einem MS-Zentrum. Auf Anhieb war Olli Boehm fasziniert von der Aura der zierlichen jungen Frau mit dem eindringlichen Blick. Schnell einte sie eine tiefe Verbundenheit. Die sensible Art von Marie begeisterte Olli Boehm: „Sie war mein bester Ratgeber“, erinnert er sich. Aus diesem Grund widmete er eine Version des Kurzfilms seiner Marie. Auch mit seinen Bildern hat er sie unsterblich gemacht. Mehr

Boehm sieht sich als eine Art "visueller Komponist", seine Bilder sind seine Lieder. Übermalte und überarbeitete Fotografien sind das Feld auf dem er aktuell arbeitet. Der Katalog zeigt über 100 Arbeiten aus den letzten 30 Jahren seines Schaffens. Mehr

Für seine gefühlvolle Art ist Olli Boehm auch in seinem Beruf bekannt. Im September 1967 hat er das Licht der Welt erblickt und besuchte bis zum Fachabitur die Waldorfschule. Nach einer „Blitz“-Ausbildung zum Fotografen und Grafiker in Paris und Frankfurt/Main rutschte er schnell in die Welt der Werbung. Dort kletterte er die Leiter vom Grafiker, über den Art Director bis zum Creative Director hoch. Parallel arbeitete er als Maler und Künstler. Bei der Rückreise aus einem Urlaub in Italien verspürte er plötzlich Symptome, die in ihm den Verdacht nährten, dass er an der gleichen Erkrankung wie eine ehemalige Schulkameradin leiden könnte: Taubheitsgefühle, schlechtes Sehen. Mit dieser Befürchtung suchte er umgehend einen Neurologen auf und sagte: „Ich glaube, ich habe MS.“ Die Bestätigung seiner Befürchtung traf ihn hart: „Im ersten Moment nach der Diagnose hatte sich meine Einstellung zum Leben stark verändert, mein Leben erst mal noch nicht. Nachdem ich die Diagnose verinnerlicht hatte, schwant mein Lebensmut und es hat recht lange gedauert bis ich ihn wieder hatte und mir sagte:

Ich habe noch Einiges vor

Nicht nur ich selbst kam mit meiner MS zunächst nicht klar; mein gesamtes Umfeld auch nicht. Als sich die Symptome der Erkrankung nicht mehr verbergen ließen musste ich feststellen, dass sich viele der ehemaligen Kunden und Geschäftspartner von mir abwandten: Ich war auf einmal nicht mehr der junge, dynamische Kreative und Regisseur.“

Er betont, wie wichtig die Aufklärung über Multiple Sklerose ist: Grund für die Abkehr vieler Menschen seien oft Vorurteile. So sei der Spot für Boehm auch eine Möglichkeit, ehemaligen Kollegen aus der Medien- und Werbebranche zu zeigen, dass er trotz MS weiterhin erfolgreich arbeiten kann: "Not macht bekanntlich erfinderisch und das war es dann auch, was mich immer wieder vorangetrieben hat, meine Pläne und Ziele zu verfolgen. Schließlich hat es mir zunehmend Spaß gemacht einen ANDEREN, möglichen Weg zu gehen. Und wenn man sich kleine, Schritte für sein Ziel vornimmt und sich über jeden kleinen geschafften Schritt freuen kann, motiviert das zum nächsten.

Der Spot der DMSG kommt zum richtigen Zeitpunkt

Als ich Anfang des Jahres mit der Aufgabe betraut wurde, einen Spot für die DMSG zu machen, fügte sich wieder einmal alles zusammen:
Meine Erfahrung und Leidenschaft als Kreativer und Regisseur und meine Erfahrung mit und die Sicht auf die MS", erklärt Boehm. Verlassen könne er sich beruflich auf seine alten Freunde , die ihm noch aus Schulzeiten in Frankfurt treu geblieben sind: TV-Produzent Thomas Stein und TV-Studio-Besitzer Rüdiger Chmielus von Barbecue Mediendesign waren auch maßgeblich an der Produktion des DMSG-Spots beteiligt. Zu seinen persönliche Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Olli Boehm befragt, erklärt Film-Produzent Thomas Stein: „Olli Böhm ist ein hochkreativer, erfahrener und kompetenter Partner, mit dem ich sehr gerne zusammenarbeite. Er macht schöne, interessante und vor allem schlüssige Konzepte. Als Regisseur schafft er einen Rahmen, in dem alle an einem Projekt Beteiligten ihre Kreativität voll entfalten können und ist auf angenehme Art deutlich, wenn es noch etwas zu verbessern gibt. Besonders schätze ich seine offene, freundliche Art.“ Seit 2014 verläuft die MS bei Olli Boehm progredient. Das heißt, sein Zustand verschlechtert sich schleichend. Aus diesem Grund habe er auch im Rollstuhl Platz genommen. Dies sei auch der Grund, warum er vor einigen Jahren von München an die Lübecker Bucht gezogen ist, in eine Wohnanlage, in der er bei Bedarf immer Unterstützung erhält, erklärt Boehm: „Das Klima tut mir gut, ich kann hier das Meer riechen.“

"Schau nicht zurück": Olli Boehm will anderen Betroffenen Mut machen, ihren Weg im Leben mit Multiple Sklerose zu suchen

Trotz der Trauer um Marie startet Olli Boehm optimistisch in das neue Jahr und will auch allen anderen Mut zusprechen.

„Mein Rat an alle, die gerade ihre Diagnose bekommen haben, ist:

Werde dir über deine Ziele klar, finde die Ziele, die deinen Träumen entsprechen und finde Wege sie umzusetzen.
Schau nicht zurück, sage nicht: Früher konnte ich aber das und das und machte es so und so.
Stell dir vor, Du bist gerade geboren. Jetzt finde einen Weg zur Lösung.“

Auch für die Menschen im Umfeld von MS-Erkrankten hat er einen Tipp: „Nehmt die Menschen mit MS als genauso wertvolle Menschen an, seht euch den Film „Ziemlich beste Freunde“ an."

Alles geht, anders. Think different!“

Für seine Marie hat der Künstler Olli Boehm ein Gedicht geschrieben (auf Basis des Songs "Der Weg", mit dem Herbert Grönemey die Trauer um seine Frau verarbeitet hat):

"Wir haben uns Zeit und Vertrauen geliehen

Wir haben ein Leben in 19 Monate gepackt.

Nichts war zu spät, aber vieles zu früh.

Manchmal verzettelt, meist verzweifelt geliebt.

Wir haben die Wahrheit so gut es ging verlogen

Es war ein Stück vom Himmel, dass es dich gibt…

Du hast jeden Raum mit Sonne geflutet und jeden Verdruss ins Gegenteil verkehrt

Du warst die Prinzessin mit sanftmütiger Güte,

mit unbändigem Stolz hast Du dem Leben die Stirn geboten

Hast ihn nie verraten, deinen Plan vom Glück

Das Leben ist nicht fair

Ich trag dich sicher in meiner Seele

hab Dich bei mir bis der Vorhang fällt."

 

Der DMSG-Bundesverband bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten an dem Spot allen voran Regisseur Olli Boehm, Filmproduzent Thomas Stein, Kameramann Volker May, der Band und dem Manager von Fury in the Slaughterhouse, Universal Music, Ingo Nather, ZDF-Sprecherin Stefanie Mau, Sängerin Sarah Ann Starks, Holger Krüger vom Tonstudio Sinus-AV, Rüdiger Chmielus von Barbecue-Design, der Schaustellerfamilie Otto Wendler und der DAK Gesundheit, die im Rahmen der Fehlbedarfsförderung die Kosten für die Produktion des Spots übernommen hat.

 

Quelle: DMSG-Bundesverband -03.01.2018

03.01.2018