DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Wissenschaftler entdecken ein Molekül, das auch bei Multipler Sklerose neue Therapieoptionen eröffnen könnte

Wissenschaftler des Trinity College Dublin (Irland), der Universität von Queensland (Australien) und sechs weiteren Institutionen in den USA, Deutschland und Australien haben ein Molekül entdeckt, dass den Entzündungsprozess blockiert: Diese Entdeckung kann eine Möglichkeit sein, neue, nicht-invasive Behandlungsoptionen für Multiple Sklerose, Alzheimer und eine Vielzahl anderer entzündlicher Erkrankungen zu entwickeln.

Professor Luke O´Neill und seine Kollegen veröffentlichten im renommierten Medizinjournal Nature Medicine die Beschreibung eines Moleküls mit dem Namen MCC950, dass das sogenannte "NLRP3 Inflammasom" unterdrückt. Das NLRP3 Inflammosom ist ein Proteinkomplex bestimmter weißer Blutkörperchen, der aktivierend auf einen Schlüsselprozess der Entzündung wirkt.

Über die letzten zehn Jahre wurden Inflammasome, unter anderem NLRP3 aber auch AIM2, NLRC4 or NLRP1, als mögliche Schlüsselfaktoren für neue Therapieansätze identifiziert. Die Entdeckung von MCC950 spiegelt nun eine weitreichende Entwicklung wider, da bisherige Behandlungsoptionen nicht ausreichend wirksam oder nur eingeschränkt anzuwenden sind.

Entzündungsprozess beeinflussen

Die Ergebnisse der Forscher zeigen zusätzlich, dass entzündlichen Erkrankungen, obwohl sie unterschiedliche Bereiche des Körpers betreffen können, ein gemeinsamer Prozess zugrunde liegt - gemeinsam scheint hier die Vermittlung des Prozesses über Inflammasome zu sein.

Medikamente wie Aspirin oder Steroide (wie Kortison) können bei vielen Erkrankungen helfen. Sie haben aber auch Nebenwirkungen oder sind ineffektiv. Zu den Steroiden gehören unter anderem auch Kortison-Derivate, die während der Behandlung akuter MS-Schüben als Stoß-Therapie verabreicht werden. Durch die aktuellen Ergebnisse bestehe nun die Möglichkeit, den allgemein zugrundeliegenden Prozess zielgerichtet zu beeinflussen.

MCC950 kann oral verabreicht werden

Dr. Rebecca Cool, Erstautorin der Arbeit erklärt:"MCC950 blockiert einen vermutlichen Schlüsselprozess der Entzündung. Momentan besteht großes Interesse an NLRP3 seitens der Wissenschaft und der pharmazeutischen Unternehmen. Unsere Arbeit scheint einen bedeutenden Beitrag zu der Suche nach neuen Medikamenten leisten zu können."

Prof. Matt Cooper vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Universität von Queensland fügt hinzu: "MCC950 kann oral verabreicht werden. Die Produktion wird finanziell günstiger sein als gegenwärtige protein-basierte Behandlungen, die täglich, wöchentlich oder monatlich per Spritze injiziert werden. Wesentlich ist auch, dass MCC950 kürzer im Körper verbleibt und Ärzten so erlaubt, die anti-entzündliche Aktivität des Medikaments zu stoppen, wenn ein Patient seine natürliche Immunantwort zu 99% benötigt, um z.B. einen Infekt auszuheilen."

Bis jetzt sind die Ergebnisse vielversprechend. Im Tiermodel der Multiplen Sklerose, der experimentellen Autoimmun-Encephalomyelitis (EAE), reduzierte MCC950 die Interleukin-1beta (IL-1β) -Produktion und schwächte die Schwere der Multiplen Sklerose ab. Des Weiteren wird MCC950 mit Erkrankungen wie Alzheimer, Atherosklerose oder Parkinson in Verbindung gebracht, was im Rückschluss bedeutet, dass MCC950 das Potential hat, für all diese Erkrankungen eine Behandlungsoption zu sein.
Abzuwarten bleibt, ob das Molekül MCC950 auch in den weiteren Studien sein Potential bestätigen kann.

Originalartikel: "A small-molecule inhibitor of the NLRP3 inflammasome for the treatment of inflammatory diseases”, Coll et al.; Nature Medicine (2015) doi:10.1038/nm.3806. Mehr

Quelle: Trinity College Dublin & MS-UK, MS news and research

- 20.02.2015